Trauergruppe in Lörrach: Depression und Suizid aus der Tabu-Zone holen

Der Verlust eines Familienmitglieds durch Suizid kann Angehörige stark belasten (Symbolfoto).
PixabaySeit dem Jahr 2016 begleiten ehrenamtliche Kinder- und Jugendtrauerbegleiter bei den „Tapferen Herzen“ Kinder und Jugendliche, die den Verlust eines geliebten Familienangehörigen erlebt haben, im Rahmen von Einzelbegleitungen oder Kindertrauergruppen. Daneben führen sie Beratungsgespräche mit Familien, bei denen sowohl der Abschied von einem geliebten Menschen noch vor ihnen liegt, als auch mit Familien, die den Verlust bereits erleben mussten.
Wer die Zielgruppe der Veranstaltungen ist
Aber auch für Erzieher, Schulsozialarbeiter und Lehrpersonal fungieren die Trauerbegleiter von den „Tapferen Herzen“ als Ansprechpartner in schwierigen Situationen. Weiterhin bieten sie Elternabende in Kindertageseinrichtungen sowohl präventiv als auch in Akutsituationen an. Das Team arbeitet ehrenamtlich und finanziert sich ausschließlich durch Spenden, heißt es in einer Mitteilung des Familienzentrums Kinderland Lörrach.
Suizid ist ein Thema, welches die Trauerbegleiter immer wieder mit den Familien und/oder bei Einsätzen in Schulen stark betrifft. „Wir haben den Eindruck, dass Suizid und Depression nach wie vor stark tabuisierte Themen sind, obwohl sie viele Menschen betreffen“, heißt es in der Mitteilung.
Mit der Veranstaltungsreihe „…weil Schweigen tödlich sein kann – Suizid enttabuisieren, Leben retten“ will die Trauergruppe einen offenen Dialog ermöglichen, Wissen vermitteln und Betroffene sowie pädagogische Fachkräfte unterstützen und stärken. Die Reihe richtet sich an Menschen, die selbst von einem Suizid in ihrem Umfeld betroffen sind und/oder in ihrer Arbeit damit konfrontiert werden.
Die Reihe umfasst mehrere Termine mit Fachvorträgen und Austauschmöglichkeiten, heißt es.
Welche Veranstaltungen im Einzelnen geboten werden
„Reden kann Leben retten“
(Einführung in den Umgang mit suizidalen Krisen); Arbeitskreis Leben Freiburg - Stefan Hannen; 18. September, 19 Uhr. Dabei geht es um die Frage: Was kann die niedrigschwellige Suizidprävention leisten? Es werde versucht, den Blick auf Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene nach einem Suizid zu erörtern, ihre Bedarfe zu erkennen und die Haltung grundsätzlich zu diskutieren. Dabei gibt es auch einen Austausch mit den Mitarbeitern des AKL (Arbeitskreis Leben) Freiburg.
„Leben ohne Mama Maus”
(Lesung und persönlicher Erfahrungsbericht) mit der Autorin Verena Gärtner am 9. Oktober, 19 Uhr. Dieses Kinderfachbuch von Verena Gärtner behandelt ein sensibles Thema: den Verlust eines Familienmitglieds durch Suizid. Es erzählt die Geschichte von Mama Maus, die nach einer schweren Depression aus der Dunkle-Wolken-Spezialabteilung des Mäusekrankenhauses zurückkehrt, aber erneut schwer erkrankt. Die Mäusekinder sind traurig und suchen Trost bei Papa Maus, sprechen über ihre Gefühle und lernen, mit der Situation umzugehen. Das Buch zeigt, wie Liebe und Zusammenhalt helfen können, die Traurigkeit zu bewältigen. Im Fachteil für Erwachsene gibt Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Melanie Gräßer Hinweise für Bezugspersonen, unter anderem zu Schuldgefühlen, Abschiedsbriefen und kindgerechten Antworten. Das Werk widmet sich offen und ohne Tabus dem Thema Suizid in der Familie. An diesem Abend wird Verena Gärtner aus ihrem Buch lesen und über ihre persönliche Erfahrung und den Tod ihrer eigenen Mutter sprechen.
Alle Veranstaltungen finden im Familienzentrum „Café Miteinander“ Baumgartner Straße 33, in Lörrach statt. Die Veranstaltungen sind für die Teilnehmer kostenlos (Spenden erwünscht) und werden ehrenamtlich begleitet und organisiert.
Weitere Informationen und alle Veranstaltungen unter www.familienzentrum-kinderland-loerrach.de/