Tierschutzverein Rheinfelden
: Tierheime stehen an der Grenze der Belastbarkeit

Mehr Fälle und aufwendige Bürokratie belasten die Tierschutzarbeit des Vereins in Rheinfelden.
Von
red/pm
Rheinfelden
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Die Vereinsspitze muss Herausforderungen meistern.

Tierschutzverein

Die vom Tierschutzverein Rheinfelden und Umgebung geleistete Arbeit ist eine bedeutende Dienstleistung für das Gemeinwesen in den drei Gemeinden Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt, die die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen stark bindet, hieß es bei der Mitgliederversammlung. Man kann „einen geregelten Tagesablauf nicht mehr planen“ und das Team ist „rund um die Uhr im Einsatz“, stellte die Vorsitzende Hannelore Nuss in ihrem Jahresbericht 2024 fest.

„Die Lage in den Tierheimen ist sehr ernst und die Belastungsgrenze schon lange überschritten.“ Aufnahmekapazitäten und Ressourcen seien knapp, während Anfragen nach Unterbringungsmöglichkeiten seitens der Bevölkerung wie der Behörden zunehmen.

Wegen Animal-Hoarding-Fällen bei Katzen und der Unvernunft der Halter bezüglich einer Kooperation bei Sterilisation wird auf Verbandsebene an einer Kastrationspflicht gearbeitet, der sich der Verein anschließen wolle, wenn es zu einer Erleichterung bei der Dokumentationsarbeit komme. Zu viel werde an bürokratischen Dingen festgemacht, wodurch sich das Leid von Tieren hinzieht, so Nuss.

Sie kritisierte, dass zunehmend Tiere auf therapeutischen Rat hin angeschafft und dann zu einem Fall für den Tierschutz werden. Teuer und zeitaufwendig für den Verein stellen sich auch behördliche Tierbeschlagnahmungen dar, bei denen sich Gerichtsverfahren über Monate ziehen können. Weitere Kosten werden durch schwer vermittelbare Tiere verursacht, die Plätze lange belegen.

Vorsitzende kritisiert

Mit schnellen Verbesserungen rechnet Nuss nicht. Die „lange ersehnte Änderung des Tierschutzgesetzes“, an der auf Bundesebene seit fast zwei Jahren gearbeitet wurde, liege seit dem Regierungswechsel auf Eis, sogar die Stelle des Bundestierschutzbeauftragten werde in Frage gestellt. Auch seitens der baden-württembergischen Landesregierung besteht am Tierschutz nur ein geringes Interesse, kritisierte Nuß im Bericht zur Jahresversammlung. „Behörden, Städte und Kommunen müssen uns hören. Die finanziellen Zuwendungen reichen längst nicht mehr aus, um unsere Kosten zu decken.“

Vorsitzende Hannelore Nuss (links) verabschiedet die aus dem Amt scheidende zweite Vorsitzende Claudia Schütz

Foto: Tierschutzverein

Der Tierschutzgedanke hatte lange einen vernachlässigten Stellenwert, meint Nuss, weshalb man ihm heute umso mehr Gehör verschaffen muss, um auf das Leid der Tiere hinzuweisen und Verbesserungen einzufordern. „Immer mehr haben wir es mit Fällen zu tun, die die Haltung von Tieren betreffen, wo diese Gewalttätigkeiten, Misshandlungen und zunehmend vorhandenen Aggressionen ausgesetzt sind, gegen die sie sich nicht wehren können“, so die Vorsitzende weiter. „Die Tatsache, dass Tieren zwar per Grundgesetz und Tierschutzgesetz Rechte garantiert, aber diese in vielen Fällen ignoriert werden, ist Ansporn für uns, unseren Mitgeschöpfen zu ihren verbrieften Rechten zu verhelfen.“

Die wiedergewählte Vorsitzende Hannelore Nuss und der neu gewählte zweite Vorsitzende Alexander Loritz

Foto: Tierschutzverein

Der geplante Erweiterungsbau

Trotz hoher laufender Kosten steht der Verein noch auf finanziell soliden Füßen, zeigte der Kassenbericht 2024 von Kassiererin Sabine Warda. Nuss und Warda erläuterten den Stand des geplanten Erweiterungsbaus, für den mittlerweile die Baugenehmigung vorliegt, aber noch die Baufreigabe aussteht. Das Vorhaben bedeutet Kosten von 1,8 Millionen Euro. Einen wichtigen Teil daran steuern die Kommunen Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt bei. 1,2 Millionen Euro muss der Verein selbst stemmen, weshalb Nuss auf Spenden für den Erweiterungsbau hofft.

Auf der Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins wurde der Vorstand um die Vorsitzende Hannelore Nuss einstimmig auf drei Jahre wiedergewählt. Neu gewählt wurden Alexander Loritz als zweiter Vorsitzender und Nico Neu als Beisitzer.

Der Verein hat 245 Mitglieder. Spendenkonto (Kennwort „Spende“ eintragen): Tierschutzverein Rheinfelden und Umgebung e.V.; IBAN: DE23 6835 0048 0002 019305; BIC: SKLODE66XXX