Stimmenfestival in Lörrach: Tempus fugit-Spieler zeigen, was sie bewegt

Bei den Proben
Leonie BlöchlingerKarin Maßen freut sich riesig über das bislang einmalige Projekt. Mit dem Burghof- und Stimmenchef Timo Sadovnik liegt sie eh auf einer Wellenlänge. Daher stimmte sie gerne seiner Anregung zu, Schauspielern des freien Theaters eine Bühne beim Festival zu geben. Sie dürfen ihre Stimmen erklingen lassen, zwar nicht gesanglich, dafür aber mit intensivem Inhalt.
Am Sonntag, 6. Juli, um 11 Uhr präsentieren erst die Kinder von acht bis zwölf Jahren, in einem zweiten Block die Jugendlichen im Theaterhaus ihre Gedankenwelten unter dem Titel „Zukunftsstimmen – Jung.Laut.Relevant.“. Gemeinsam wurden im Vorfeld Szenen, Bilder und Momente entwickelt, die persönlich, politisch, gesellschaftlich oder poetisch sein können. Nach der Aufführung wird gemeinsam diskutiert und mit dem Publikum interagiert.
Gemeinsame Diskussion
Was bewegt die jungen Menschen tatsächlich? Diesmal soll es nicht darum gehen, ihre Wünsche, Ideen, Gedanken von außen zu betrachten und zu analysieren, vielmehr sollen sie diese selbst ungefiltert formulieren können. „Es geht um die Innenperspektive, darum, was diese Generation auszeichnet“, sagt Theaterleiterin Karin Maßen im Gespräch. Für sie selbst sei der Entwicklungsprozess des Projekts unglaublich erhellend gewesen: „Vieles sehe ich jetzt ganz neu.“
Die Kindertheatergruppe
Zum einen erarbeiten die Kinder eine szenische Präsentation mit Monologen, Dialogen, Gruppenauftritten. Unter der Leiterin Laura Huber erzählen die Kids, was sie umtreibt und was sie so oft nie ihren Eltern gegenüber zugeben würden. „Aber im Theater funktioniert das, da sind sie oft wie befreit“, erzählt Maßen. Gerade Kinder, die sonst eher schüchtern oder zurückhaltend seien, fänden hier buchstäblich eine Bühne. „Das Theater ist eine gute Chance, etwas loszuwerden, was sie mit sich herumschleppen.“ Das könnten ganz kleine Dinge sein. Es geht um Handyzeit, Freundschaften, Peinlichkeiten oder das Gefühl, nicht wirklich mitreden zu dürfen, nicht gehört zu werden, nennt Karin Maßen Beispiele.
Die Kinder dürften hier im Theater generell auf Augenhöhe mitentscheiden, was sehr selten sei. Das bedeute nicht, dass sie alle bestimmen, aber sie dürfen gleichberechtigt mitentscheiden.

Eindrücke von den Proben zu Zukunftsstimmen
Foto: Leonie BlöchlingerAuf Augenhöhe
Ähnlich verfährt Karin Maßen mit den Schauspielern vom Jugendtheater. Sie werden beim Stimmen-Projekt Auszüge aus dem erfolgreichen Tempus fugit-Stück „Glitter Grit“ zeigen. Quasi herausgeschnitten wurden daraus die Passagen, in denen es darum geht, was Jugendliche belastet, welchen Druck sie verspüren, wie sie die Welt und deren Zukunft sehen, was sie befürchten.
Ein Aha-Erlebnis
Für viele Erwachse dürfte die Vorführung des Projekts ein Aha-Erlebnis sein, sagt Maßen. Dabei käme auch heraus, wie sehr die isolierende Corona-Zeit die Kinder und Jugend bis heute zum Teil extrem belaste, wie sehr sie den intensiven Medienkonsum mit all seinen Folgen befördert habe und was das insgesamt für die Fokussierung auf die eigene Psyche bedeutet. „Mir sind da viele Lichter aufgegangen“, sagt sie.
„Die Zukunftsstimmen sind eine Gelegenheit, wirklich etwas über die Jugend zu erfahren“, findet sie. Mit Musikuntermalung wird das Projekt in verschiedenen Räumen des Theaters präsentiert. Erfahrbar werde dabei auch die Freude der jungen Menschen am Theaterspiel, an der erfahrenen Solidarität im Team.
Die ZukunftsStimmen zeigen ein breites Spektrum an Themen und Gefühlen: Wünsche, Wut, Ironie, Angst, Hoffnung und Nachdenklichkeit. Es dürfte sich lohnen, diesen jungen Stimmen zuzuhören.
Info
Zukunftsstimmen
ist am Sonntag, 6. Juli, um 11 Uhr im Theaterhaus im Adlergässchen zu erleben.