Stimmenfestival in Lörrach: Konzert im Nellie Nashorn begeistert

Coco Dièze begeisterten beim Stimmen-Auftritt im Nellie Nashorn-Hof.
Gabriele HaugerSie ist zweifelsohne das charismatische Zentrum ihrer Band: Die 32-jährige gebürtige Marokkanerin Mariame Chakly sprüht vor Energie, Charme und Lebenslust. Und sie überzeugt mit ihrer stimmgewaltigen Interpretation so genannter Klassiker, die jeder kennt. Dabei haben sie und ihre Bandkollegen sich Songtiteln verschrieben, die nach „old school“ klingen. Das durchweg ältere Publikum war hingerissen von dieser Mischung aus Jazz, Swing, Manouche und Gipsy-Touch, der sich auch in Chaklys Outfit widerspiegelte.
„Sous le ciel de Paris“
Schöner hätte der Abend gar nicht sein können. Über 200 Besucher strömten in den großteils bestuhlten lauschigen Hof, den die Sängerin „wunderschön“ findet. Auf Wunsch der Musiker blieb aber auch Platz für Tanzwillige. Und davon gab es tatsächlich einige. So drehte sich ein Paar zu den Walzerklänge von „Sous le ciel de Paris“ der unvergessenen Piaf, während sich die Zuhörer in den Stuhlreihen selbstvergessen im Takt wiegten.

Jeder Platz war besetzt.
Foto: Gabriele HaugerWann hat man schon Gelegenheit, sie zu hören, all diese wunderbaren Stücke: von Charles Aznavour bis Edith Piaf? Oder die swingenden Klassiker wie „Bei mir bistu shein“, das unter anderem Ella Fitzgerald weltbekannt machte. Oder das zum Dahinschmelzend romantische „The shadow of your smile“. Coco Dièze drücken all diesen Welthits ihren ureigene Stempel auf. Mariame Chakly interpretiert virtuos scattend die temporeichen Stücke, ihre Stimme schraubt sich empor, kippt ins Staccato, perlt in emotionale Tiefen. Sie lebt diese Musik, authentisch, strahlend, mit blitzenden Augen.
Die Musiker
Die drei Musiker um sie herum bilden eine harmonische Melange, obwohl sie alle ganz spezielle Typen sind. Hans Clasen, den die Sängerin in Freiburg kennenlernte, Typ 20er-Jahre Lausbub mit Schiebermütze und Akkordeon, macht gelassene Zwischenbemerkungen und liefert sich in „Going back home“ ein Gesangsduett mit Chakly. Der schlaksige Thias Salhab am Bass ist der Elegante, dessen Künstlerhände über die Saiten tanzen. Und Chris Huwer mit Geige und Gitarre ist der sympathisch-zurückhaltende Künstler und liefert dabei sensible Interpretationseinlagen.
Coco Dièze gibt es erst seit einem guten Jahr. Was man kaum glauben mag, wenn man das Zusammenspiel der vier auf der Bühne erlebt.
Standing ovations
Aus dem Aznavour-Klassiker „Formidable“ machen die vier zwischenzeitlich einen Bossa Nova, aus dem Jazzklassiker „Lullabay“ eine Rumba, und Edith Piafs „La foule“ – „ein wunderschönes Lied“ – versetzt das euphorische Publikum mitten nach Paris. Mariame Chakly möchte eigentlich gar nicht mehr aufhören zu singen. Doch um 22 Uhr muss Schluss sein, das Nellie liegt mitten im Wohnviertel – die Nachbarn.
Stehende Ovationen gibt es für die vier auf der Bühne, die genauso so glücklich sind wie ihr Publikum. Fazit: wunderschön.