Stadtgeschichte Weil am Rhein: Wie das Dorf Haltingen durch die Eisenbahn sein Gesicht verändert hat

Er erforscht die Geschichte des Dorfs, in dem er aufgewachsen ist.
Beatrice EhrlichJürgen Näger ist neu im Kreis der Stadtführer in Weil am Rhein. Im Interview berichtet er, wie er dazu kam und welche Interessen ihn leiten.
Haltingen war früher ein kleines Winzerdorf, sein heutiges Gesicht hat ihm aber ganz wesentlich auch der Bahnbau verliehen. Wo macht sich das besonders bemerkbar?
Wenn man von Ötlingen oder dem Lindenplatz in Obertüllingen Richtung Rhein schaut, fallen die großen Gleisanlagen zwischen Haltingen in Weil am Rhein auf. Auch das Gebäude des Bahnbetriebwerks, die Gebäude in der Kolonie und der alte Wasserturm springen einem ins Auge.
An welche Orte werden Sie die Teilnehmer Ihrer Führung mitnehmen?
Wir starten an der katholischen Kirche, besuchen den Platz des ehemaligen Bahnhofs und die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der alten Eisenbahnsiedlung Kolonie und gehen im Geiste durch einen Zeitraum von fast 200 Jahren Geschichte.
Woher rührt Ihr Interesse für die Bahngeschichte allgemein und für Haltingen im Speziellen?
Ich bin in Haltingen geboren und bis zum Grundwehrdienst hier aufgewachsen. Zum Ende meines Berufslebens bin ich gerne in die warme Region des Dreiländerecks, in der die meisten meiner Familienangehörigen wohnen, zurückgekehrt.
Wo haben Sie recherchiert?
Im historischen Bildarchiv der Stadt Weil am Rhein, in der Haltinger Chronik, in Tagebuchblättern und in vielem mehr.

Eine Aufnahme aus der Eisenbahnkolonie in Haltingen
Foto: zVg/Jürgen NägerWas ist Ihnen dabei aufgefallen oder hat Sie überrascht?
Die Geschwindigkeit und Dimension, mit welcher der Eisenbahnbau die Region für die damalige Zeit verändert hat, und welchen Einfluss diese Verkehrsanbindung bis heute auf die Entwicklung im Dreiländereck hat.
Wie kamen Sie überhaupt zu Ihrer Tätigkeit als Stadtführer? Welche Interessen leiten Sie?
In den 43 Jahren, die mein Beruf mich im Raum Stuttgart und München gebunden hat, hat sich die Region hier sehr stark verändert. Als ich im Frühjahr 2023 bei der VHS das Angebot zur Ausbildung als Stadtführer entdeckt habe, war es für mich eine wunderbare Möglichkeit, meine alte Heimat neu kennen zu lernen – obwohl ich zu Beginn noch nicht die konkrete Absicht hatte, Stadtführer zu werden.
Zur Person:
Jürgen Näger (67) ist in Haltingen aufgewachsen, 1979 zum Studium in Stuttgart nach Ludwigsburg gezogen und 1986 in den Raum München gezogen. 2021 kehrte er in die Dreiländer-Region zurück, seither wohnt er im Ortsteil Ötlingen.
Der verheiratete, dreifache Familienvater hat an der Berufsakademie (Duale Hochschule) Stuttgart Elektrotechnik studiert, war einige Zeit bei Bosch in der Entwicklung von Automobilelektronik beschäftigt und hat 1986 in einem amerikanischen Unternehmen bei München in der Halbleiter-Sparte begonnen, zuerst als Anwendungs-Ingenieur in der technischen Kundenberatung und später im Vertrieb. In Ötlingen engagiert er sich beim Art-Dorf und bei der Dorfstube Ötlingen und erschafft als Hobby Skulpturen aus Holz und Stein.
Die Stadttour: Die Teilnahme für die 90-minütige Tour kostet 5 Euro pro Person. Eine Anmeldung wird erwünscht: Persönlich in der Geschäftsstelle der VHS, Humboldtstraße 5, 79576 Weil am Rhein oder online www.vhs-weil-am-rhein.de. Von spontan dazukommenden Gästen ohne Anmeldung ist es bei rechtzeitigem Erscheinen vor der Führung noch möglich, eine Anmeldekarte auszufüllen.
Treffpunkt ist am Sonntag, 28. September, um 15 Uhr bei der Katholischen Kirche St. Maria, Markgräfler Straße 3 in Haltingen.