Speed Night in Hertingen: Älteste Form des Motorrad-Bahnsports

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Schwarzwälder Bote–Zum internationalen Grasbahnrennen strömten am Samstag hunderte Besucher. Alljährlich zieht es Stammgäste, Wiederkehrer und neue Besucher zur Großveranstaltung auf den grünen Matten. Hertingen empfängt die Welt der Motorsportler zu einer der ältesten Form des Motorrad-Bahnsports. Bereits eine Stunde vor dem Startschuss ist das Areal gut gefüllt. Noch lange nach dem Beginn, reihen sich Einlasswillige am Kassenhäuschen.
Mit Kind, Hund und tragbaren Sitzplätzen strömt alles in Richtung Zuschauerarena. Vorbei am gut gefüllten Festzelt, an Ständen und Stationen, die zum Ablauf gehören und für die professionelle Ausrichtung sprechen.
Einer der besten Plätze im Fahrerlager gehört dem Team Brandhofer. Pünktlich zum Mittagessen sei die sechsköpfige Truppe eingetroffen. Der Großteil stamme aus dem oberbayerischen Bad Tölz, nur Beifahrerin Sandra Mollema komme aus Holland, erzählt Mechaniker Richie. Seine XL-Werkzeugwand ist picobello sortiert. Wenns klemmt, muss es schnell gehen. 2023 wurden Mollema und ihr Pilot Markus Brandhofer zum Grasbahn-Europameister in der Seitenwagenklasse gekürt. In Hertingen gilt es, neue Punkte zu holen. An 25 Wochenenden seien sie unterwegs, sprich: die ganze Saison. Kurz vor der Fahrervorstellung liegt die 37-jährige still und flach auf dem Boden. Ein paar Meter weiter macht sich indes – Augusthitze hin oder her - jemand mit Muskelübungen warm. Zur Frage, was denn eine eingefleischte PS-Rennsportlerin wie die sichtlich energiegeladene Mollema beruflich mache, weiß der Mechaniker zu berichten, sie sei in der Heimat als Controllerin der dortigen „TÜV“-Experten tätig.

Die frisch gekürten „British Masters Grasstrack Champions“ Josh und Scott Goodwin.
Foto: Ines BodeAm Ende der Reihe steht der Wohnwagen des britischen Teams Goodwin. Auch sie touren derzeit durch die Lande. Die Cousins Josh und Scott stecken schon ihren Anzügen, der Rest der Familie ähnelt einer Camperrunde zum Feierabend. Laut der „Grasstrack-News“ seien die Goodwins in ihren „500cc Sidecars“ gerade zu den „British Masters Grasstrack Champions“ in Ledbury gekrönt worden. Die Familie ist berühmt, der Name mit früheren Rennen verbunden, und ohnehin gilt Großbritannien seit 1920 als Mutterland der Sportart. In Hertingen seien die Hoffnungsträger zum vierten Mal, heißt es. Die Nacht durchgefahren, am Morgen eingetroffen, kurzer Schlummer und ab auf die Piste. Die Vokabel „müde“ scheint ein Fremdwort zu sein.
Der Monitor an der Starterzone gibt derweil Auskunft, dass neben den internationalen Fahrern viele heimische antreten. Die Ortschaften rund um Hertingen sind gut vertreten. Die Autokennzeichen auf dem Parkplatz berichten, dass Berliner wie Tuttlinger vor Ort seien. Außerdem werde bei dem Anlass auch den Mofa-Fans eine Plattform geboten. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Das gilt auch für die Knirpse, die sich anlässlich der moderaten Vorstellungsrunde im Ring vorn in die Seitenwagen klemmen. Mancher reibt sich die Hände von der ungewohnten Anstrengung, aber die Strahlemienen sprechen für sich. Und dann waren da noch die Norddeutschen, die noch nie etwas von einem Grasbahnrennen gehört hätten, sich jedoch angetan von der gesamten Atmosphäre zeigten. Wiederkehr nicht ausgeschlossen. Zufrieden gab sich auch Chris Fredrich, der neue Vorsitzende. Drei Wochen war jeden Abend Aufbau angesagt. Die ersten Gäste seien die Camper, die seit Tagen den Hügel bevölkern. Das seien Fans, die zeitig anreisen, so Fredrich. Sie kommen aus Augsburg wie aus Lörrach. An der „Speed Night“ schauen sie gemütlich von der Loge aus zu. Die Partynacht am Freitag sei laut Fredrich gut gelaufen. Um die Veranstaltung zu stemmen, seien 300 Helfer im Einsatz. Ihnen wie allen Beteiligten, darunter den Sicherheitskräften, sprach Bürgermeister Carsten Vogelpohl in der Begrüßung Dank aus. Die Veranstaltung sei ein Glanzlicht im Markgräflerland und ohne Unterstützung nicht realisierbar. Dann geht es endlich los. Der Moderator schickt ein „Herzliches Willkommen“ über den Platz, und in die Pommes-Duft-Wolken mischt sich herber Benzingeruch. Der erste Durchgang rast über das 510-Meter-Oval. Die Motoren übertönen jedes Gespräch und die Staubwolken wachsen mit jeder Sekunde. Jetzt geht es nur noch um Geschwindigkeit und um Leistung der rund vierzig Speed-Verfechter.