Schweizer Bundesfeier
: Basel feiert den 1. August

Beste Feierlaune herrschte am Vorabend des 1. August in Basel: Höhepunkt war das Feuerwerk über dem Rhein.
Von
Michael Werndorff
Basel
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Das große Feuerwerk am Donnerstag zog zehntausende Schaulustige an.

Michael Werndorff

„Es ist nicht irgendein historisches Datum, wir begehen unseren Nationalfeiertag – den Geburtstag der Schweiz“, sagt Thomas Rudmann, der mit seiner Frau Verena auf der Mittleren Brücke innehält und einen Blick auf die Kleinbasler Rheinpromenade wirft, wo die Festmeile mit zahlreichen Gastronomiebetrieben bestens besucht ist. Dicht an dicht drängen sich die Feierlaunigen, unterhalten von Livemusik und Klängen aus der Konserve. Lampions und unzählige im Wind wehende Schweizerfahnen schmücken die Beizen und Stände, an denen es Köstlichkeiten aus Nah und Fern gibt.

Sorgen um den Zustand der Demokratie

„Wir feiern nicht nur die Demokratie, sondern auch die Möglichkeit der Mitbestimmung“, ergänzt seine Frau. „Das ist mir ganz wichtig.“ Allerdings müsse man sich schon Sorgen um den Zustand der Demokratie machen. „Sie verwässert zusehends“, meint die Seniorin. Die Lage in der Welt werde immer unübersichtlicher, und es sei gar nicht so einfach, Schweizer zu sein. „Wir sind ein zu kleines Land, um wirklich etwas bewirken zu können.“ Das sei aber kein Grund, an einem solchen Tag betrübt zu sein. „Die Bundesfeier am Rhein lieben wir, wir sind jedes Jahr mit von der Partie.“

Den Schweizer Nationalfeiertag gibt es erst seit rund 130 Jahren.

Foto: Michael Werndorff

Der Nationalfeiertag ist noch recht jung, weiß das Basler Ehepaar. Das werde gerne vergessen. Den Nationalfeiertag gibt es nämlich erst seit rund 130 Jahren. Im Jahr 1891 schrieb der Zürcher Historiker Wilhelm Oechsli im Auftrag des Schweizer Bundesrates eine Geschichte der Eidgenossenschaft. Dabei legte er den 1.August als Geburtstag der Alpenrepublik fest, weil der Bundesbrief von 1291 auf Anfang August datiert ist. 1891 fand denn auch erstmals eine Feier auf dem Rütli statt, um das 600-Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft zu begehen. Zum gesetzlichen Feiertag wurde er aber erst 1994.

Gefeiert wurde auch auf dem Rhein.

Foto: Michael Werndorff

Basel widmet dem Schweizer Geburtstag gleich zwei Veranstaltungen. „Morgen ist die offizielle Bundesfeier auf dem Bruderholz, da sind wir natürlich auch dabei“, sagt Beat, der mit Freunden und Nachbarn den Anlass begeht. „Das ist schon ein ganz besonderer Tag“, findet der Basler, während im Hintergrund leise Alphornklänge zu hören sind. „Nicht nur die Musik verbindet uns, es sind Brauchtum und Traditionen, die wir pflegen und schätzen.“

Eine unglaubliche Errungenschaft

Das Fest lässt sich auch Karl Lukas nicht entgehen. „Ich feiere natürlich grundsätzlich gern“, schmunzelt der Basler. „Als eingebürgerter Schweizer habe ich aber vielleicht auch zusätzlich einen klareren Blick darauf, was für eine unglaubliche Errungenschaft wir am 1. August feiern, nämlich die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Schweiz.“ Diese seien einzigartig auf der Welt, was leider vielen nicht bewusst sei.

Die Sugar Foot Stompers aus Lörrach begeisterten das Publikum mit authentisch gespieltem Classic-Jazz.

Foto: Michael Werndorff

Zur Brauchtumspflege gab es am Abend vor dem Nationalfeiertag jede Menge Gelegenheit, das Wetter spielte mit, lediglich der hohe Wasserpegel des Rheins machte dem Fischerclubs Basel einen Strich durch die Rechnung. Das traditionelle Schlagruderrennen am Abend musste abgesagt werden, was der Feierlaune aber keinen Abbruch tat. Es lohnte sich, auf den verschiedenen Plätzen zu verweilen und die Konzerte diverser Bands zu genießen: So spielte die Bluesband „Take the 55“ auf dem Marktplatz, während gleichzeitig die „Brass Band Lausen“ auf der Mittleren Brücke beim Käppelijoch ein Platzkonzert gab. Und wer gerne authentisch gespielten Classic-Jazz hört, kam beim Konzert der Lörracher „Sugar Foot Stompers“ voll auf seine Kosten.

Einsatzkräfte mehrfach im Einsatz

Rund 120 000 Besucher bevölkerten am Donnerstagabend die Basler Innenstadt und das Rheinufer, wo sie auf den Höhepunkt des Abends warteten: Das große Feuerwerk, das um 23 Uhr begann und insgesamt 16 Minuten dauerte. Abgefeuert wurde es von zwei Schiffen oberhalb und unterhalb der Mittleren Brücke. Zu größeren Zwischenfällen kam es nach Angaben der Polizei nicht. Die Rettungskräfte sprachen trotz des großen Publikums von einem insgesamt ruhigen Jahr, wie die Kantonspolizei Basel-Stadt in der Nacht auf Freitag mitteilte. Die Einsatzkräfte waren demnach dennoch mehrfach im Einsatz. Nach dem großen Stadtfest folgte am Freitagabend die offizielle Bundesfeier auf dem Bruderholz mit Feuershow und Feuerwerk.