Schau in Basel
: Schweizer Rettungsflieger zeigen neue Modelle

Zu ihrem 50-jährigen Bestehen hatte die schweizerische Rettungsflugwacht zu einem Tag der offenen Tür eingeladen.
Von
Uwe Thomes
Basel
Jetzt in der App anhören

Der neue Helikopter Airbus H145 D3 schafft neue Möglichkeiten: Jean-Jacques Erne (Leiter der Rega-Basis Basel und Rettungssanitäter) stand geduldig Rede und Antwort.

Uwe Thomes

Auf dem Gelände lenkten vor allem die beiden Helikopter (Heli) die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Geduldig und mit sichtlich viel Spaß erklären Jean-Jacques Erne, Leiter der Rega-Basis Basel, sowie Piloten und Rettungssanitäter den technisch Interessierten den Arbeitsalltag einer Rega-Crew sowie die Besonderheiten der ausgestellten Modelle.

Zum einen ist dies der seit über 15 Jahren seinen Dienst versehende Gebirgsheli Agusta Westland Da Vinci, heute als Suchhelikopter eingesetzt, sowie der erst im Juli 2025 erhaltene Rettungsheli vom Typ Airbus H145 D3 „Version Rega“. Der eigentlich hier stationierte Rettungsheli befand sich gerade im Einsatz – einem von über 1000 jährlich.

Heilkopterkabine ist neu konzipiert worden

Bis Ende 2026 sollen schweizweit 21 neue Rega-Helis dieses Typs die bisherige Flotte ersetzen. Die komplett neu konzipierte Helikopterkabine bietet Patienten und Crew optimale Bedingungen sowie genügend Platz für medizinische Spezialausrüstung. Ein weltweit erstmals in diesen Maschinen eingesetztes Navigations- und Avioniksystem erlaubt künftig noch präzisere Anflugverfahren im Instrumentenflug.

Die Crew, die sich an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr auf der Basis im Bereitschaftsdienst befindet, wird zu Unfällen im Straßenverkehr, zu Arbeitsunfällen und Unfällen bei Freizeitaktivitäten, aber auch zur Hilfe für akut erkrankte Personen aufgeboten – in der Nordwestschweiz und im gesamten Dreiländereck. Deutsche Patienten werden meist zu den Kliniken nach Freiburg und Villingen geflogen. Jede Minute ist kostbar. „Ab voraussichtlich Ende 2027, wenn das neue Klinikum in Lörrach fertiggestellt sein sollte, werden die Flugwege kürzer“, sagt Erne. Zur Crew gehört ein Team aus insgesamt zehn Ärzten des Universitätsspital Basel, vier Rettungssanitätern und vier Piloten. Neue Notärzte werden in einer Einführungswoche für die besonderen Erfordernisse der Flugrettung geschult und es gibt ein Nachwuchsprogramm für Jungpiloten, dazu regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen.

Ausstellungsgelände befindet sich in Kinderhand

Während sich bei den Helis auch viele Erwachsene tummelten, gehörte das restliche Ausstellungsgelände fest in Kinderhand. Eine Heli-Hüpfburg und eine von der alpinen Rettung Schweiz (Rettungsstation Jura) aufgestellte Kletterwand machten das Rega-Gelände zu einem Abenteuer-Spielplatz. Im Hangar fanden Demonstrationen von Personenbergungen mittels Seilwinde oder Instruktionen in Wiederbelebungsmaßnahmen sowie eine Videoleinwand viele junge Interessenten. Auch die Bergwacht Schwarzwald war mit einem Lageerkundungs- und Bergrettungsfahrzeug auf dem Gelände vertreten ebenso wie die Rettungsdienste Nordwestschweiz mit einem Rettungswagen und die Flughafenfeuerwehr des Euro Airports. Ein Festzelt und Foodtrucks versorgten die Besucher mit Speis und Trank.

Erne gibt einen Überblick über die Geschichte der Rega-Basis Basel und ihre Entwicklung seit 1975. Zu den Anfangszeiten leisteten freiwillige Helfer den Dienst. Einen Hangar gab es 1975 noch nicht, und die Einsatzleute mussten von ihren Wohnungen aus aufgeboten werden. Seit Herbst 2002, als die neue Basis als „helvetischer Hochsicherheitstrakt“ auf französischem Boden eingeweiht wurde, steht der Heli in einem Hangar und es befindet sich ein Wohnhaus für die Diensthabenden in unmittelbarer Nähe der Basis.

Eine besonders krasse Rettungsaktion? Erne lächelt – eine Frage, die ihm oft gestellt wird. „Ich kann keinen einzelnen Einsatz herausheben. Es gibt besonders herausfordernde Situationen, zum Beispiel, wenn dabei Kinder involviert sind. Oder bei Windenaktionen, bei Schlechtwetter oder komplexen zwischenmenschlichen Konstellationen.“

Finanzierung erfolgt über ein besonderes System

Die Alarmierung der Rega erfolgt über die Notrufnummer 1414, welche von der Bergwacht, von anderen Rettungsdiensten oder der Polizei, aber auch von den Betroffenen selbst oder Unfallzeugen, oft sogenannte „Gönner“ der Rega, ausgelöst wird. Finanzieren tut sich die Rega nämlich über ein privates, weltweit einzigartiges Sponsorensystem – davon gibt es 3,6 Millionen Dieses Crowdfunding ist fest in der Schweizer Bevölkerung verankert. Als Dank kann die Rega ihren Unterstützern die Kosten für Einsätze erlassen.