Retter im Kreis Lörrach: 100 Kilogramm aus der Luft – Bergwacht setzt auf Lastendrohne

Die Drohne der Bergwacht Schwarzwald kann schwere Lasten transportieren.
Janika KammDie neue Lastendrohne vom Typ „DJI FlyCart 100“ der Bergwacht Schwarzwald ist seit Mai in Betrieb, die eine Tragfähigkeit von bis zu 100 Kilogramm hat. Dabei handelt es sich einer Mitteilung zufolge um eine der ersten Drohnen dieser Klasse, die in Deutschland im Bereich der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zum Einsatz kommt.
Rasante Entwicklung
Auslöser für die Beschaffung war die rasante Entwicklung der Drohnentechnologie. Noch im vergangenen Herbst wurden auf dem Schwarzwälder Drohnenforum Modelle mit einer Nutzlast von 30 Kilogramm vorgestellt. Nur wenige Monate später folgte bereits die nächste Generation: leistungsstärkere Akkus ermöglichen nun den Transport von bis zu 100 Kilogramm. Damit wird die Lastendrohne erstmals zu einer realistischen Ergänzung der klassischen Einsatzmittel im Bergrettungsdienst und im Katastrophenschutz, heißt es weiter.
Lange Strecken
In der Praxis können Einsatzfahrzeuge den Einsatzort nur selten direkt erreichen. Oft müssen die Einsatzkräfte ihre Ausrüstung über lange Strecken im absturzgefährlichen Gelände – oft unter Seilsicherung – zu Fuß transportieren, wie die Bergretter mitteilen. Hier setzt die Lastendrohne an: Sie ermöglicht einen schnellen, gezielten Transport unabhängig von Wegen oder Geländestrukturen. „Material ins Gelände zu transportieren, gehört bei uns zu jedem Einsatz dazu“, erklärt Matthias Rütten, Leiter des Drohnenteams der Bergwacht Schwarzwald.
„Die komplette Ausrüstung auf einem Bergrettungsfahrzeug wiegt schnell über 200 Kilogramm. Wenn wir diese mit wenigen Drohnenflügen an den Einsatzort bringen, ist das ein enormer Zeitgewinn – besonders in steilen, steinschlaggefährdeten Hängen, von denen es im Schwarzwald viele gibt. Das beschleunigt die Versorgung der Patienten und erhöht gleichzeitig die Sicherheit der Einsatzkräfte.“
Für den Katastrophenschutz
Auch für den Katastrophenschutz sieht die Bergwacht Schwarzwald einen enormen Nutzen in dem neuen Einsatzmittel. Gerade bei abgeschnittenen Gebieten oder zerstörter Infrastruktur können Lastendrohnen eine wichtige Rolle übernehmen – etwa beim Transport von medizinischem Material, Versorgungsgütern oder technischer Ausrüstung. Szenarien wie ein Erdrutsch, ein Sturmereignis oder starker Schneefall, der Transportwege für Rettungskräfte unpassierbar macht, zeigen, wie unverzichtbar solche Systeme künftig sein könnten.
Die Anschaffung wurde über Katastrophenschutzmittel des Landes Baden-Württemberg finanziert, die für innovative Projekte bereitgestellt werden.
Intensive Testphase
Derzeit befindet sich das Projekt im Schwarzwald in der intensiven Testphase. Die ersten Testflüge zeigen bereits das Potential des neuen Einsatzmittels – und die erhebliche Entlastung sowie den Sicherheitsgewinn für die Bergretter im Einsatz, heißt es weiter. Für den sicheren Betrieb wird ein spezialisiertes Team ausgebildet.
Die Piloten durchlaufen ein mehrstufiges Trainingsprogramm, das fliegerische Fähigkeiten ebenso umfasst wie den sicheren Umgang mit Lasten.
Die Lastendrohne wird beim bundesweiten Bevölkerungsschutztages am 27. Juni auf dem Messegelände in Freiburg der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. In diesem Rahmen findet auch die offizielle Indienststellung durch Innenminister Manuel Hagel statt.