Regionale 26 in Weil am Rhein: Weiler Stapflehus soll als Gesamtkunstwerk betrachtet werden

Die Kuratoren Pavel Kovalenko und Wiktoria Tundys aus Basel haben in der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein ein Ambiente geschaffen, das fesselt und überrascht.
Maja TolsdorfIn Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, anhaltender Krisen und rascher Veränderungen braucht es Räume, die kulturellen Austausch fördern, Vielfalt sichtbar machen, Chancen eröffnen und gesellschaftliche Debatten anregen.
Seit mehr als 25 Jahren verfolgt die Regionale dieses Ziel, indem sie Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst in der Region Basel, dem Elsass und Südbaden verbindet; damit hat sie sich zu einer zentralen Ausstellungsplattform im Dreiländereck etabliert, heißt es auf der Webseite.
Für die Städtische Galerie Stapflehus sei die Regionale 26 eine wichtiges Projekt, wie Kulturamtsleiter Peter Spörrer beim Pressegespräch erklärte. Es biete die Chance, überregional wahrgenommen zu werden: „In Verbindung mit den Shuttlebus-Touren kommen viele Leute ins Stapflehus, die sonst nicht gekommen wären.“
So könne eine große Zielgruppe mit dieser „ganz ganz sehenswerten Ausstellung“ erreicht werden.
Die jungen Kuratoren Wiktoria Tundys und Pavel Kovalenko aus Basel sind dort am Mittwoch noch mit dem Aufbau beschäftigt, doch es wird bei der Führung durchaus deutlich, worum es ihnen geht. Beide kannten sich vor ihrer Zusammenarbeit für die Ausstellung im Stapflehus nicht, wie Museumsleiterin Isabel Balzer erklärte. Gemeinsam haben sie nun ein Ambiente kreiert, das fesselt und überrascht.
Dominante Böden erschweren das Kuratieren
Obwohl das laut Museumsleiterin Isabel Balzer wegen der Böden alles andere als einfach sei: „Die sind schwer zu kuratieren.“ Sie unterscheiden sich je nach Stockwerk und sind in ihren kräftigen Terracotta-Farben teils „sehr dominant“. Ganz oben befindet sich ein Holzboden, der in Bezug auf die ausgestellten Werke gefälliger und flexibler wirkt. „Die beiden Kuratoren haben das sehr gut gemacht und Beziehungen zwischen Kunstwerken und Boden hergestellt“, sagt Balzer.
Aus der Perspektive von Tundys ist das Stapflehus mit mehreren Etagen aber perfekt, um das Thema der Regionale „Axis mundi“ (Weltachse) abzubilden, wie sie beim Pressegespräch erklärt. Diese wird nicht als vertikale Linie verstanden, sondern als Netzwerk möglicher Orientierungen, das menschliche und posthumane Zustände zwischen Körper, Natur und Zukunft spiegelt. Auch Kurator l Kovalenko will das ganze Gebäude als Kunstwerk verstanden wissen.
Identität und Migration sind Themen
17 Kunstschaffende aus dem Dreiländereck haben sich künstlerisch mit Themen wie Transformation, Identität, Migration, Spiritualität und das Verhältnis von Mensch und Umwelt erkundet. Die Ausstellung im Stapflehus vereint Skulptur, Installation und Malerei mit audiovisuellen Interventionen.
Und tatsächlich intervenieren die audiovisuellen Werke bei der Führung mit den Teilnehmern des Pressegesprächs: die musikalisch-kinetische Installation mit Muschelschalen von Pavel Aguilar ebenso wie die Metallplatten von Markus Aebersold und der generative Sound von Franziska Baumgartner. Zunächst noch unbemerkt, verschaffen sich die Werke plötzlich Gehör während der angeregten Gespräche in den jeweiligen Räumen.

Auch beim Gemälde „Sieben Nächte“ von Inka ter Haar steht der Mensch im Mittelpunkt.
Foto: Maja TolsdorfIm Mittelpunkt der Regionale 26 stehen Übergänge – zwischen Mensch und Umwelt, Realität und Imagination, Körper und Gesellschaft. Diese Beziehungen stellt auch die Ausstellung im Stapflehus her. Im Erdgeschoss geht es thematisch um das, was den Menschen umgibt, um natürliche und nicht-natürliche Materialien. Als Anspielung auf die Weltachse kann das Gemälde einer vertikalen Ellipse „Sedimentary Orbit I“von Kaspar Flück verstanden werden, denn die Erde bewegt sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne. Im ersten Stock findet sich überwiegend Malerei, zum Beispiel von Inka ter Haar, das Thema Mensch dominiert in den Werken.
Alte PCs und Laptops wurden eingeschmolzen
Die menschlichen Skulpturen von Johann Kralewski haben die Kuratoren bewusst am Fenster platziert, um so im Augenwinkel des Betrachters den Eindruck entstehen zu lassen, dass dort tatsächlich jemand sitzt. Die Beziehung Technik-Mensch und seine mögliche Weiterentwicklung beleuchten die Werke in der zweiten Etage. Künstlerin Susi Hinz, die seit November 2024, ein Atelier im Weiler Kesselhaus hat, steht wohl für sich für diese Verbindung. Sie stellt ihre Werke aus eingeschmolzenen PCs oder Laptops her. So sind ihre Skulpturen „Hydrarücken“ sowie „Flying Organ“ aus Aluminiumguss aus Apple Mac Books.
Eigentlich sei ursprünglich geplant gewesen, dass der Kunstverein die Ausstellung zur Regionale 26 kuratiert, wie Balzer beim Pressegespräch erklärt. Dieser sei aber auf die Museumsleiterin zugekommen, ob sie das machen wolle. Doch Balzer wollte vor allem, dass unvoreingenommen und „mit frischem Auge“ an die Sache herangegangen wird. Zudem wollte sie jungen Künstlern die Chance geben, die Ausstellung im Stapflehus für die Regionale 26 zu kuratieren. „Ich habe das schon einmal gemacht, das muss man nicht zwangsweise wiederholen“, sagte sie.
Eröffnung findet in zwei Etappen statt
Im Stapflehus wird es zur Eröffnung am Samstag, 29.November, etwas Neues geben, weil es im vergangenen Jahr sehr voll gewesen sei, wie Balzer sagt. Deshalb wird es zwei Vernissagen geben: die erste um 12.30 Uhr für Besucher, die mit dem Shuttlebus anreisen, die zweite um 15 Uhr für das Weiler Publikum. Die Kuratoren werden bei beiden in die Ausstellung einführen.
Weitere Infos auf der Webseite https://regionale.org/
Die Kunstschaffenden
Ausstellung im Stapflehus
Johann Kralewski, Selina Baumann, Ferose, Ange-Frédéric Koffi, Victor Sala, Miguela Tamo, Kaspar Flueck, Elia Menang Setiad, Catalena Janitz, Jakob Augustin, Inka ter Haar, Pavel Aguilar, Roma Bantik, Susi Hinz,