Rebbegehung in Lörrach-Tüllingen
: Winzer müssen Schädlinge beobachten

Zur traditionellen Rebbegehung in den Tüllinger Reben fanden sich aktive und ehemalige Stadträte sowie Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung ein.
Von
Anita Indri-Werner
Lörrach
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Oliver Ruser (links) führte die Besucher durch die Reben am Tüllinger und blickte auf das aktuelle Weinjahr. Dabei erhielt auch Oberbürgermeister Jörg Lutz (Zweiter von links) Einblicke in die Arbeit der Winzer.

Anita Indri-Werner

Aber auch Tüllinger Winzer und viele Weinfreunde nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über die Reben, den Wein und die Arbeit im Weinberg zu informieren. Seit Jahren gerngesehener Gast ist Oberbürgermeister Jörg Lutz, der es sich trotz des regnerischen Wetters nicht nehmen ließ, die Veranstaltung zu besuchen. Kompetent und informationsfreudig leitete Oliver Ruser vom Tüllinger Weinbaubetrieb Ruser seine erste offizielle Rebbegehung.

Der Juni war der extremste Monat im Weinjahr 2025

Das Weinjahr 2025 lag im Juni mit einer Temperatur von 21.8 Grad im Schnitt über dem Juli. Somit war der Juni der extremste Monat. Die Niederschläge allerdings lagen im Schnitt in der Norm bei etwa 91 Prozent der Regenmenge der vergangenen Jahre, wusste Ruser zu berichten. Anfang April habe das Blattwachstum begonnen, die Gescheine (der längliche, rispenartige Blütenstand der Weinrebe) seien Anfang Mai erstmals sichtbar gewesen und die Rebblüte setzte Ende Mai ein. Ende Juli war der Traubenschluss vollzogen. Das bedeute, mit zehn bis 14 Tagen sei dies ein „frühes Jahr“.

Rebkrankheiten haben sich in Grenzen gehalten

Glücklicherweise seien die Rebkrankheiten Peronospora (Falscher Mehltau) und Oidizum (Echter Mehltau) nicht sehr stark aufgetreten. Somit konnten die Spritzmittel für den Rebschutz reduziert werden. Sorgen gäbe es dennoch. Die Amerikanische Rebzikade, die Reblaus und neuerdings der Japanische Käfer – diese Schädlinge müssten im Auge behalten werden. Noch sei der Tüllinger Berg nur am Rande betroffen, man müsse jedoch sehen, wie sich dies in den folgenden Jahren entwickle, stellte Ruser fest.

Auch der gesellige Aspekt kam nicht zu kurz.

Foto: Anita Indri-Werner

Ein Spaziergang führte zu den Müller Thurgau Reben, die eine sehr gute Qualität haben. Auch der Grauburgunder mit zwischenzeitlich mehr als 80 Öchsle ist zur Zufriedenheit der Winzer gewachsen. Am kommenden Donnerstag, nach dem Tüllinger Weinmarkt, werde mit der Handlese, die drei Wochen lang dauert, begonnen.

Urs Rinklin, der sein Weingut in Riehen am Tüllinger hat, stellte fest: „Der Weinmarkt ist nicht mehr so rosig.“ In der Weinwelt herrsche ein Verdrängungskampf. Seine Reben hätten teilweise einen „Sonnenbrand“ gehabt. Insgesamt sehe er den Jahresverlauf als Achterbahn, zumal die Zukunft immer mehr klimatische Extreme mit sich bringe.

„Wein, das ist Sonnenschein, der mit Regen eingefangen wurde“, sagte Oberbürgermeister Jörg Lutz. 200 Stunden Arbeit im Rebberg seien notwendig, um die funkelnde Köstlichkeit im Glas zu haben. Hier wurde der OB eines besseren belehrt. Tatsächlich seien es bei der Handarbeit etwa 800 Stunden Arbeit, erklärte der Senior Karlheinz Ruser.

Ich komme gerne zur Rebbegehung“, sagte Lutz, der sich für die Einladung bedankte. Sein Kommen sei Ausdruck der Wertschätzung für die Arbeit der Tüllinger Winzer.

Dass er diese Tradition fortführen will, bestätigte Oliver Ruser. Im Prinzip werde die Rebbegehung in Zukunft gleich bleiben, allerdings gäbe es Ideen, diese noch attraktiver zu gestalten.