Projekt des SAK Lörrach: Schüler erinnern an die Opfer der Nazis

Aus einer Jugendinitiative heraus ist eine Theaterinszenierung zur Erinnerungskultur entstanden.
Katharina KubonEin Teppich liegt auf der Bühne, auf ihm ein Karton mit der Aufschrift „Heinz Leible“. Eine Mutter und ihre Tochter unterhalten sich über den Mann, der zur Zeit des Nationalsozialismus in Lörrach gelebt hat. Dass er eine Polizeiakte hatte, nur weil er homosexuell war, ist für die Tochter aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar. Mutter und Tochter unterhalten sich über den Mann, der so viele Jahre vor ihnen gelebt hat und der Dinge durchlebt hat, die wir uns heute nur noch schwer vorstellen können und wollen. „Ich finde es gut, dass wir über ihn sprechen und uns an ihn erinnern“, sagt die Tochter dann.
Tragische Schicksale leben nochmals auf
Und genau darum soll es in dem aktuellen Projekt der Jugendlichen um Michelle Kudiarov und Amélie Bürgin gehen: sich erinnern, nicht vergessen. In einem Theaterstück lassen sie die Schicksale von Heinz Leible ebenso wie die der Familie Knopf und der Familie Grunkin nochmals aufleben. Durch Recherche über Briefe, im Stadtarchiv, im Museum und ein Interview mit dem Historiker Hubert Bernnat haben sich die Jugendlichen mit den Schicksalen aus der Zeit des Nationalsozialismus befasst. Bewusst haben sie dabei Personen ausgewählt, die in Lörrach gelebt haben. „Das war uns sehr wichtig“, sagt Amélie Bürgin. Ausgewählt wurden Schicksale, zu denen es sehr viele Informationen gab. „Wir wollten die Personen verstehen“, erklärt sie weiter. Wichtig war ihnen auch, in der Erinnerungskultur unterschiedliche Aspekte darzustellen: Homosexualität, Judenverfolgung, Hetze.
Das Schicksal der Familie Knopf wird durch aus dem Publikum heraus gerufene Schlagzeilen verdeutlicht, an anderer Stelle werden echte Briefe von und an Heinz Leible in das Stück eingearbeitet. Die Idee dahinter war, die Schicksale szenisch darzustellen, um denen, die nicht mehr leben, eine Stimme zu geben. „Wir wussten, dass wir es zu zweit nicht schaffen“, erklären Amélie Bürgin und Michelle Kudiarov. An der Schule fanden sie über die Theatergruppe acht weitere Jugendlichen, die Lust auf das Projekt hatten.
An etwas erinnern, das man selbst nicht mit erlebt hat, geht das überhaupt? Für die Jugendlichen schon. „Wir möchten daran erinnern, dass wir froh sein können, heute in einer Demokratie leben zu dürfen“, sagt Michelle Kudiarov.
Wie man an etwas erinnert, das man selbst nicht erlebte
Durch das intensive Befassen mit den Schicksalen über Monate hinweg hätten die Jugendlichen viel gelernt. Sie seien auch aufmerksamer geworden für Stolpersteine und dafür, was dahinter steckt. „Man achtet jetzt mehr darauf wenn man sich bewusst ist“, sind sich die Jugendlichen einig.
Entstanden ist das Projekt als schulische Aufgabe an der Mathilde-Planck Schule und hat sich zu einer eigenständigen, kreativen Arbeit entwickelt. „Wir wollten etwas machen, das die Demokratie stärkt“, sagt Michelle Kudiarov. Im SAK Altes Wasserwerk hat die Gruppe mit ihrer Theaterinszenierung einen Ort der Verwirklichung gefunden. Getragen wird das Projekt vom Jugendbeteiligungsformat „Denkstatt“. Hier werden Jugendliche in ihren Ideen unterstützt „Unsere Aufgabe ist es, zu begleiten und zu coachen“, sagt Eric Bintz, Bereichsleiter für Kinder, Jugend und Familien beim SAK. Dabei lernen die Jugendlichen vor allem auch, für etwas Verantwortung zu übernehmen. Die Denkstatt soll ein Mix aus außerschulischen Ideen sein, die einen Mehrwert für die Allgemeinheit bieten. „Ich finde es total spannend“, sagt Eric Bintz über das Projekt der Schüler der Mathilde-Planck-Schule.
Aufführung: „Uns zu erinnern, um nicht zu vergessen“ - ein Beteiligungsprojekt von Jugendlichen über Erinnerungskultur wird in Form eines Theaterstückes am Dienstag, 21. Oktober, im SAK Alten Wasserwerk, Tumringer Straße 269, aufgeführt. Um 8.30 Uhr und 11 Uhr sind Schulklassen eingeladen, um 18 Uhr gibt es eine öffentliche Aufführung für alle Interessierten. Der Eintritt ist frei gegen eine Spende.