Pharma in Basel: Bei Novartis klingelt die Kasse

Das Unternehmen Novartis mit Hauptsitz in Basel sieht sich gut aufgestellt.
Michael WerndorffZum zehnten Mal in Folge passt das Unternehmen nun seine Jahresprognose nach oben an. Am Markt war eine weitere Erhöhung des Ausblicks durchaus für möglich gehalten worden. Dass die Börsenreaktion eher verhalten ausfällt, könnte einerseits daran liegen, dass sich manche Investoren eine noch stärkere Anpassung erhofft hatten. Vor allem aber dürfte die Nachricht, dass Finanzchef Harry Kirsch im kommenden März geht, auf die Stimmung drücken. Der Manager genießt einen guten Ruf.
Zunahme zwischen zehn und zwölf Prozent
Was die Prognoseerhöhung betrifft, bewegt sich dies tatsächlich eher im Bereich der semantischen Feinjustierung als dass sie eine substanzielle Erhöhung ist. So erwartet der Pharmakonzern neuerdings ein Plus beim operativen Kerngewinn im tiefen Zehnerbereich. Bislang hatte das Unternehmen einen Anstieg im tiefen zweistelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Was an sich ähnlich klingt, wird erst auf weitere Nachfrage geklärt. So steht ein Plus im tiefen zweistelligen Prozentbereich für eine Zunahme zwischen zehn und gut zwölf Prozent. Ein Wachstum im tiefen Zehnerbereich wiederum impliziert ein Wachstum zwischen etwa 13 und 15 Prozent. Beim Umsatz dagegen bleibt es bei den bisherigen Zielen: Dieser soll 2025 im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen.
Kerngewinn klettert weiter
Zum Vergleich: Im zweiten Quartal kletterte der operative Kerngewinn, der um verschiedene Einflüsse bereinigt ist, um 20 Prozent auf 5,9 Milliarden US-Dollar. Das hatte Novartis jetzt mitgeteilt. Der Umsatz stieg mit zwölf Prozent auf knapp 14,1 Milliarden etwas moderater an. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) lag der Zuwachs bei elf Prozent.
Getragen wurde dieses Wachstum vor allem durch Medikamente wie Kisqali (Brustkrebs), Entresto (Herz), Kesimpta (multiple Sklerose), Scemblix (Leukämie), Leqvio (Cholesterin) und Pluvicto (radioaktive Krebstherapie). Wie den ersten Expertenkommentaren zu entnehmen ist, sorgte das Herzmittel Entresto für eine positive Überraschung. Denn in den kommenden Tagen dürften die ersten Nachahmerpräparate für den Kassenschlager auf den Markt kommen. Im zweiten Quartal steuerte das Mittel 2,4 Milliarden zum Konzernumsatz bei. Für den Octavian-Analysten dürfte die heutige Ausblicks-Anpassung denn auch erst einmal die letzte sein vor der „Patent-Klippe“, wie er kommentiert.
Kritik an der EU
Derweil hat Novartis-Chef Vas Narasimhan einmal mehr Kritik am Umgang der EU mit der Pharmabranche geäußert. Die EU müsse dringend ihr Preissystem überarbeiten, sagte der Manager mit Journalisten anlässlich der jüngsten Quartalszahlen. „Europa muss Innovation besser vergüten, sonst droht eine weitere Marktausdünnung“, sagte Narasimhan während der Konferenz. Gerade die nicht vereinheitlichte Preispolitik stelle ein zusätzliches Problem dar. „Derzeit werden 35 bis 40 Prozent der neuen Medikamente in Europa mit deutlicher Verzögerung eingeführt – Tendenz steigend“, wiederholte der Konzernchef frühere Aussagen. Die Folge sei, dass Novartis zwar weiterhin in der Schweiz sowie der EU produzieren werde, Expansionspläne habe man aber für andere Regionen. Vor allem in den USA und Asien dürfte die Expansion vorangetrieben werden.