Neues Profil
: Hochschule startet mit Konzept durch

Der Architekturstudiengang an der DHBW Lörrach boomt. Zum neuen Studienjahr wird eine spezielle Holzbau-Professur eingerichtet.
Von
Willi Adam
Kreis Lörrach
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Schwarzwälder Bote

Mit dem neuen Architekturstudiengang hat die Duale Hochschule Lörrach ins Schwarze getroffen: Das deutschlandweit erste und bisher einzige duale Architektenausbildung an einer öffentlichen Hochschule war 2023 mit gerade einmal 23 Studierenden gestartet.

Im bevorstehenden Studienjahr 2025/26 belegen bereits 175 angehende Architekten in drei Jahrgangsstufen den Studiengang, der auf dem Vitra-Campus in Weil am Rhein angesiedelt ist. Mit der Zahl der Studierenden wächst auch der Lehrkörper. Im Herbst nimmt nun Jochen Weissenrieder seine Tätigkeit als Professor für Holzbau auf.

Der Freiburger Architekt hat sich mit Holzbauprojekten einen Namen gemacht und Preise gesammelt. Unter anderem hat Weissenrieder mit einem Wohn- und Geschäftshaus im Freiburger Stadtteil Weingarten neue Möglichkeiten des Holzbaus ausgelotet. Dort wurden sieben Stockwerke in reiner Holzbauweise über ein Erdgeschoss aus Beton gesetzt, was konstruktiv und in Sachen Brandschutz eine Herausforderung war.

Berufung ist ein weiterer Meilenstein

Mit seiner Berufung erreicht der Studiengang einen weiteren Meilenstein. Von Anfang an war nämlich geplant, Holzbau als einen der Schwerpunkte zu etablieren. Die Beschäftigung mit dem nachwachsenden, aber in Zeiten kranker Wälder eben auch nicht unbegrenzt zur Verfügung stehenden Rohstoff folgt zwar dem fächerübergreifenden Nachhaltigkeitskonzept der gesamten DHBW. Zusätzlich aber möchte Gründungsprofessor Frank Hovenbitzer, der als Lörracher Architekt den Studiengang angestoßen hatte, mit der neuartigen Ausbildung die regionale Baukultur stärken. Und diese ist nun einmal – Stichwort Schwarzwaldhaus – seit jeher mit dem Baustoff Holz und mit den dazugehörenden Wirtschaftskreisläufen und Handwerkstraditionen eng verknüpft.

Vor diesem Hintergrund ist bedeutsam, dass die neue Professur zunächst nicht aus dem regulären Hochschulbudget und somit nicht über das eigentlich für Hochschulen zuständige Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert wird. Vielmehr kommen die Mittel für fünf Jahre aus dem Ressort für ländlichen Raum. Damit bringen das Landwirtschaftsministerium und zu 40 Prozent der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (ERE) als zweiter Financier zum Ausdruck, dass sie den Studiengang mit seinem Holzbauschwerpunkt als Teil der regionalen Wirtschaftsstruktur verstehen. Die Fördersumme beträgt rund 700 000 Euro.

Regionale Lieferketten sichern und ausbauen

„Die DNA der Dualen Hochschule und somit auch des Architekturstudiengangs ist in der Region verankert“, sagt Frank Hovenbitzer mit Blick auf regionale Gegebenheiten. „Wir wollen aber nicht einfach das Schwarzwaldhaus nachbauen“, vielmehr gehe es um die „Transformation des Holzbaus in die Gegenwart“, so Hovenbitzer. Neben gestalterischen Fragen gehören für ihn dazu auch „soziokulturelle Zusammenhänge“, also das Verständnis für regionale Lieferketten oder die Sicherung handwerklicher Kompetenz und Tradition.

Eine Aufgabe des künftigen Holzbauprofessors werde es deshalb sein, vernetzend in der Region zu wirken. Auch dafür sei Jochen Weissenrieder eine „ideale Besetzung“, wie Frank Hovenbitzer lobt. Schon jetzt hat er als Architekt vielfach mit regionalen Firmen zusammengearbeitet. Diese wiederum bilden ihren Nachwuchs oft an der DHBW aus und sie stellen häufig externe Dozierende. Diese gegenseitige Durchdringung von Lehre und Praxis ist zwar nichts Besonderes im Modell DHBW. Frank Hovenbitzer setzt jedoch zusätzlich darauf, mit dem Studiengang eine „regionale Baukultur Marke Black Forest“ voranzubringen, etwa nach dem Vorbild der Region Vorarlberg, wo Baukultur längst ein Wirtschaftsfaktor und Tourismusmagnet geworden ist.

Bauwerk Schwarzwald als wichtiges Netzwerk

Daran arbeitet auch die Vereinigung Bauwerk Schwarzwald, die 2020 gegründet wurde und die sich als „Kompetenzzentrum für Schwarzwälder Architektur, Handwerk und Design“ versteht. Der Verein, der sich sowohl um die Erhaltung alter Substanz kümmert, als auch neue Ansätze regionaltypischer (Holzbau-)Architektur unterstützt, begrüßt die Einrichtung der Professur und speziell auch deren Besetzung mit Jochen Weissenrieder.

Die neue Professur „ergänzt unsere inhaltliche Ausrichtung ideal“, erklärt Bauwerk Schwarzwald. Der Verein erhoffe sich „wertvolle Impulse für die regionale Baukultur“ und freue sich „auf den noch intensiveren Austausch und die Zusammenarbeit mit der DHBW“, äußert sich Geschäftsführerin Anna Lips. Wie eng zwischenzeitlich das Netz für die neue Schwarzwälder Baukultur geknüpft ist, dafür steht auch Anna Lips selbst: Die Geschäftsführerin von Bauwerk Schwarzwald lehrt als externe Dozentin ebenfalls an der DHBW.