Neue Wyhlener Ortsmitte: Damit Bäume erhalten bleiben

Wünschen sich mehr Lebensqualität mit der Obstwiese im Wyhlener Zentrum: Die Gruppe „Bürger für Bäume“, kurz BüfüBä.
Rolf RombachDie Gruppe „Bürger für Bäume“, kurz BüfüBä, wirbt für den Erhalt der Obstwiese in der Wyhlener Ortsmitte. Sie wollen so viel Grün wie möglich erhalten angesichts immer wärmer werdender Kommunen.
Es ist ein beschaulicher Fleck: Die Obstwiese des Böller-Hofes. Während das Gebäude aus den frühen 1870er Jahren an der Rheinstraße liegt, grenzt das Feld bis an die parallel verlaufende Gartenstraße an. Hier stehen 15 Apfelbäume, ein Birnen- und ein Nussbaum. Im Schatten sitzt man bei angenehmen Abendtemperaturen zusammen. Gelegentlich fällt ein Apfel zu Boden. Ein Igelpaar kuschelt miteinander. Doch zum Kuscheln ist den Aktivisten, die als „Bürger für Bäume“ (BüfüBä) inzwischen eine umstrittene Bekanntheit in der Doppelgemeinde haben, derzeit nicht. Mit Blick auf die riesige Baugrube der neuen Grenzacher Mitte, für die zahlreiche stattliche Bäume weichen mussten, wollen sie nun noch einmal in die Vollen gehen, um einen ähnlichen Kahlschlag im Wyhlener Ortskern zu verhindern.
Neue Wasserduschen statt natürlicher Kühlung
Sie sind unzufrieden mit dem Plan, dass hier ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen soll. Der geplante Marktplatz würde eine weitere Versiegelung der Fläche bedeuten. Statt natürlich kühlende Bäume zu belassen, sollen Nebelduschen gebaut werden. Ein „Schildbürgerstreich“, sind sich die BüfüBä-Mitglieder einig. Die bisherige Bürgerbeteiligung empfinden sie als intransparent. Das durch Bürgermeister Tobias Benz versprochene Treffen mit weiteren Beteiligten wurde ohne die Gruppe terminiert. „Da konnte niemand von uns. Eine Alternative gab es nicht“, bemängelt die Gruppe unisono.
Man habe „Angst, dass Fakten geschaffen werden“, sagt Kurt Paulus. Alexandra Rainer gibt zu bedenken, dass der Gruppe der Schutz von Mensch und Tier am Herzen läge. Sie berichtet von mehreren Sichtungen des geschützten Hirschkäfers. „Das war ein Hochzeitsflug, anschließend fanden wir das sterbende Männchen. Also muss auch hier in der Nähe die Eiablage erfolgt sein.“
Dass nun die Obstwiese mit ihren Bäumen dem Prestigeobjekt der neuen Ortsmitte weichen soll, ist für die Gruppe unverständlich. Der Artenschutzbericht liegt dem Rathaus vor, wurde aber trotz einer Anfrage über die Plattform „Frag den Staat“ noch nicht übermittelt. Sie hegen Zweifel, ob nach der Besiedlung von Kapellenbach Ost die Nachfrage nach Wohnraum noch so groß sei. Erst solle man bestehende Gewerbeimmobilien neu vermieten, ehe neu gebaut werde.
Alternative Nutzungsideen sollen entwickelt werden
Stattdessen soll die Wiese aufgewertet und mehr in Anspruch genommen werden. „Als die Gemeinde das große Grundstück vor acht Jahren erwarb, versetzten wir sogar den Zaun, um einen Teil der Wiese für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, kritisiert Hof-Bewohner Bernd Huxol die fehlende Weiterentwicklung. Mitstreiter Michael Jähne wird konkret: „Es bedarf eines Entwicklungskonzepts zur Steigerung der Lebensqualität.“ Herwig Eggers, ehemals langjähriger Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe und weiterer Gast des Treffens, nannte als Beispiel den Basler Voltaplatz. Hier wurden seit Januar rund 670 Quadratmeter Fläche entsiegelt und zwölf neue Pflanzrabatten angelegt. Mit der Pflanzung zusätzlicher Bäume soll ein angenehmeres Klima entstehen, wie der Kanton zu Jahresbeginn mitteilte.
Eggers rät daher, mehr in an die Öffentlichkeit zu gehen und weitere Mitstreiter zu suchen. Auf die Frage, ob das wie beim Thema Kindergartengebühren mit einer Petition erfolgen soll, bleibt die Gruppe zumindest an diesem Abend eine Antwort schuldig. Aber so lange die Jahrzehnte alten Bäume noch stehen, werden sie selbiges dafür tun.