Millionenprojekt Lauffenmühle: Wie Lörrach ein altes Industrieareal klimaneutral macht

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Schwarzwälder BoteMit der Fortsetzung der Schadstoffsanierung und der Rückbauarbeiten bereitet die Stadt Lörrach die nächsten Schritte für die Entwicklung des Areals „Lauffenmühle – Next Innovation“ vor. Parallel dazu arbeitet die Verwaltung daran, den städtebaulichen Entwurf als Grundlage für den Bebauungsplan noch vor dem Sommer beschließen zu lassen.
„Der Rückbau der Bestandsgebäude schafft Raum für die künftige Entwicklung des Areals und setzt Maßstäbe für ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen“, so die Stadt in einer Mitteilung.
Der erste Bauabschnitt startete im Herbst 2022 und umfasste Kosten in Höhe von 2,7 Millionen Euro. Im ersten Bauabschnitt wurden sämtliche Schadstoffe aus den Gebäuden entfernt sowie erste Gebäudeteile zurückgebaut.

Die Fassaden sollen erhalten bleiben.
Foto: Marco FrauneDabei wurden insbesondere asbesthaltige Baustoffe wie Dach- und Fassadenplatten, Fensterkitt, Fliesenkleber oder Dichtschnüre fachgerecht entfernt und entsorgt. Ebenso wurden teerhaltige Baustoffe sowie künstliche Mineralfasern ausgebaut. Die Gebäude wurden in einen Rohbauzustand versetzt und für weitere Rückbaumaßnahmen vorbereitet. Die Arbeiten konnten bis Ende 2023 abgeschlossen werden.
Ortsbildprägende Fassaden sollen erhalten bleiben
Im zweiten und dritten Bauabschnitt sollen weitere Gebäude schadstoffsaniert und zurückgebaut werden. Rückgebaut werden sollen die zwei großen Werkshallen, jedoch unter Beachtung des Erhalts der ortsbildprägenden Fassaden der sogenannten „Efeuhalle“, Kessel- uns Turbinenhaus, des Verwaltungsbaus mit natursteingefassten Fassaden der Gasse dazwischen.
Aktuell erfolgt die Baustelleneinrichtung mit Bauwasser und Baustrom, das Abstellen der Wasserversorgung auf dem Gelände sowie Maßnahmen zur Sicherstellung der Stromversorgung der Funkantennen am Kamin.

Weitere Gebäude werden schadstoffsaniert.
Foto: Marco FrauneNach aktuellem Stand sollen die Rückbaumaßnahmen bis Ende des Jahres fortgeführt werden. In den ersten Wochen ist zunächst die Entkernung und Schadstoffsanierung der östlichen Gebäude vorgesehen: der alten Neutralisationsanlage, der Schlosserei, der Werkstätte, des Baustofflagers und der Ersatzteilschuppe.
Anschließend sollen die großen Hallen zurückgebaut werden, dabei wird der Ostbau vorrangig vor dem Westbau zurückgebaut. Die Sicherungsmaßnahmen für den Gebäudeerhalt werden hierbei eine wichtige Rolle spielen, da Teile der Hallen erhalten bleiben und statisch gesichert werden müssen. Als letzte bauliche Anlage wird das Lager im Außenbereich ganz im Westen zurückgebaut. Bauteile und Baumaterialien, die für eine Wiederverwendung vorgesehen sind, werden in der sogenannten Dachserhalle eingelagert.
Wiederverwertung hat Priorität
Das Rückbaukonzept orientiert sich am Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). Ziel ist ein möglichst selektiver Rückbau, bei dem Baustoffe, Bauteile und Materialien erhalten, wiederverwendet oder regional verwertet werden. Vorrang hat die Wiederverwendung direkt auf dem Areal. Ist dies nicht möglich, so ist es das Ziel die Materialen innerhalb der Region weiterzuverwenden. Auch werden kleinere Bauteile von der Feuerwehr oder anderen städtischen Fachbereichen zu verschiedenen Zwecken verwendet, um Transportwege und Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken.
Die Stadt erhofft sich hohe Einnahmen durch Recycling
Der selektive Rückbau gilt zugleich als wichtiger Beitrag zu den kommunalen Klimaschutzzielen und erfüllt laut Verwaltungsmitteilung eine Vorbildfunktion im Sinne nachhaltigen Bauens. Darüber hinaus soll die gewählte Vorgehensweise die Förderfähigkeit des Projekts weiter stärken. Gleichzeitig sollen langfristig Entsorgungskosten reduziert und die Anforderungen an zirkuläres Bauen frühzeitig berücksichtigt werden. Das beim Rückbau anfallende Metall wird gesichert und durch die Verwaltung vermarktet. Der geschätzte Erlös liegt bei rund 120.000 Euro.

Seit 2022 wird das Lauffenmühle-Areal umgebaut.
Foto: Erich MeyerVor Beginn der eigentlichen Rückbauarbeiten wurden zudem artenschutzrechtliche Maßnahmen umgesetzt. Diese betreffen insbesondere den Schutz von Eidechsen und Vögeln auf dem Gelände.
Für die Maßnahmen im zweiten und dritten Bauabschnitt sind aktuell Gesamtkosten in Höhe von rund 2,9 Millionen Euro inklusive Baupreissteigerungen vorgesehen. Aufgrund der vorgesehenen Planungs- und Bauzeit wurde ein Zuschlag für erwartete Baupreissteigerungen einkalkuliert.
Graffiti werden auf Postkarten verewigt
Insgesamt wurden bislang rund 6,1 Millionen Euro für die Rückbau-Maßnahmen bereitgestellt. Die mittelfristige Finanzplanung sieht zudem weitere 700.000 Euro für 2026 vor. Die Rückbaumaßnahmen sind als sogenannte Ordnungsmaßnahmen im Rahmen des Städtebauförderprogramms förderfähig. Die Förderquote beträgt 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Antrag auf Fördermittel wurde bereits für alle Bauabschnitte gestellt. Insgesamt hat die Stadt bereits Fördermittel der Städtebauförderung in Höhe von 9,1 Millionen Euro erhalten.
Die bislang entstandenen Graffitiarbeiten auf einzelnen Gebäuden im Zuge der Rückbauarbeiten weichen müssen, teilt die Stadt mit. Sie wurden fotografisch dokumentiert und sollen in einer Postkartenserie erhalten bleiben und somit Teil der Geschichte des Lauffenmühle-Areals werden. Kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen wie das Quartiersfest können auf dem Areal während der Rückbaumaßnahmen aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden.
„Mit der Schadstoffsanierung und dem Rückbau erreichen wir einen weiteren wichtigen Meilenstein für die Transformation des ehemaligen Industrieareals in Deutschlands erstes klimaneutrales Gewerbegebiet in Holzbauweise“, erklärt Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdić.