Metal in Weil am Rhein: Ungezügelte Klangorgie der Metalbands

Lang erwartet von den Fans stürmten „Harakiri for the Sky“ die Bühne.
Ines BodeBadens größtes Metal-Event feierte den runden Geburtstag, und die Veranstalter vom Verein „Metal Maniacs Markgräflerland“ spendierten ihren Anhängern den zusätzlichen Donnerstag. Lange vor dem ersten Ton war das Festivalgelände im Dreiländergarten gut bevölkert.
Wie immer lief organisatorisch alles perfekt, denn auch die Erfahrung sei mitgereift, hieß es. Eröffnet wurde das viertägige Spektakel mit der gleichen Band, die vor zwei Jahrzehnten den Erfolg einläutete: „Destination Hell“ aus Lörrach. Ihr Genre ist „Death-Thrash-Black-Metal“, der mit tempogeladenen Drums ins Publikum rauschte. Ein neuer Song kam zu Gehör, eigens auf diesen Anlass verlegt. Gleich danach folgte mit „White Nights“ ein Klassiker.
Das zehnjährige Bestehen wurde noch im Grütt begangen, im Beisein von „1200 Metalheads“. „Unglaublich“, staunten selbst die Macher. Weitere zehn Jahre später hat sich die Resonanz erneut vervielfacht, ein Aspekt, der sich in jedem Sommer bemerkbar macht.
Ganzes Dorf aufgebaut
Ein ganzes Metal-Dorf wird mittlerweile aus dem Boden gestampft. Da gibt es nicht nur gute Kost mit italienischen Pastaportionen. Da gibt es alles, was ein familienfreundliches Festival braucht.
Ein gut gelaunter Knirps mit Metal-Shirt gerät ins Blickfeld. „Solche Kinder werden in Homburg gezüchtet“, witzeln die Eltern – nicht die einzigen, die den Nachwuchs im Gepäck haben. Die Besucher fanden sich etwa aus Hamburg, Lübeck und gar aus Ostfriesland ein.

Alle Hände hoch, ein Aufruf dem die Fanmassen gerne folgen.
Foto: Ines Bode„Wir werden mal ein bisschen laut“, schallt es derweil aus dem Mikro, und „Fallen Yggdrasil“ dreht die Regler hoch. Inhaltlich geht es um die nordische Mythologie der Welten-Esche als kosmische Achse, die alles verbinde. Gesanglich bewegt sich alles im Tieftonfundament, gleichwohl sich das Hinhören lohnt, werden doch Geschichten aus dem Leben erzählt.
Ungezähmte Riffs
Metal ist eben Ramenta mit Botschaften. Etwa über bestechliche Politiker. Als nächstes ist „Bitterness“ dran, eine Thrash Metal-Combo aus Waldshut, die mit vielen Alben die Fans bei Laune hält. „Also wir sind hier“, lautete die Begrüßung. Aus den immerhin sechs meterhohen Boxen stürmen ungezähmte Riffs, die sich wie der Tonschlamm des Metal anhören.
Dass die Rhythmusfraktion ordentlich auspackte, versteht sich von selbst. Die Minuten-Auftritte verlängerten sich mit jeder Band, wuchsen von 25 über 35 und 40 auf 45 an.
Gute Show
„Hellripper“ aus Schottland wollten an der Weiler Sommerbrise mit ihrem effektvollen Black-Speed-Metal mitmischen. Und überzeugten auf Anhieb. Auch wegen der guten Show. Die Finger rasten über die Saiten, während die Köpfe synchron den Takt vorgaben. Da war er wieder, der Headbanger. Problemlos brachten die Speedgranaten ihren Höllenzug ins Ziel. Die Ausgelassenheit im Publikum, das sich zum tanzenden Rondell formierte, beobachtete eine Kamera-Drohne. Vor zwanzig Jahren ebenso undenkbar wie die E-Zigaretten, die manchem im Mundwinkel steckten.
Das nächste Konzert begann wie das letzte endete. Mit schneidenden Gitarrenriffs. Und vor allem mit Tasteninstrument.
Von vielen Metal-Freunden lang erwartet, war „Harakiri for the Sky“ an der Reihe. 70 Minuten gab das Line up den Wienern vor. Mit ihrem Mix aus Post-Black-Metal, Extreme Metal und Post-Rock füllen sie derzeit die Clubs. Das Ergebnis war eine ungezügelte Klangorgie mit überraschend warmen Melodien.
Dann übernahm der Freistaat Bayern das Kommando: Erst 2021 gegründet, checkte „Non est Deus“ mit Black Metal ein. Ein Sideprojekt des „Kanonenfieber“-Frontmanns Noise, der musikalisch kritisch mit Religion umgeht. Ganze 50 Minuten lang. Das Frontgewitter kurz vor der Dunkelheit kam an beim nunmehr aufgewärmten Publikum. Als vollen Erfolg ließ sich der Festival-Auftakt verbuchen: „Was als kleiner wilder Eintages-Exzess im Lörracher Grütt angefangen hat, ist längst viel mehr geworden als nur ein Festival“, so die berechtigte Bilanz.