Lörracher Grüttmädels: Junge Fußballerinnen fiebern bei EM mit

Die C-und D-Mädels gemeinsam bei einem Turnier in Titisee Ende Juni
zVg/WiesnerAls Boris Becker einst Wimbledon gewann, wurden die Tennisvereine überrannt. Ob bei Mädchen-Fußballvereinen jetzt das Gleiche passieren könnte, fragen wir Daniel Wiesner, der die Grüttmädels trainiert. An einen großen Hype glaubt er nicht. Allerdings: Falls die Sensation eintrifft und die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Spanien gewinnen sollte, dürfte die Begeisterung für den Mädchenfußball sicher noch mehr wachsen, meint er. „Dann steigt die Nachfrage nach Mitgliedschaften bestimmt an.“
Wiesner ist Trainer mit Leib und Seele. Er trainiert nun die B-Mädels, die zwischen 14 und 16 sind. An die 30 sind angemeldet, regelmäßig trainieren rund 15 Spielerinnen. Darunter seien einige richtig gute Talente, die auch schon in Auswahlmannschaften gespielt haben. Neuzugänge seien aber natürlich willkommen.
Die aus den drei Vereinen FV Tumringen, FV Lörrach-Brombach und SC Haagen erst 2024 entstandenen Grüttmädels managt er mit viel Herzblut und Begeisterung. „Die fiebern jetzt alle bei der EM mit und bequatschen das im Training.“
Kein Ronaldo-Gehabe
Allerdings seien Mädels meist nicht so extrem wie die Jungs. „Das ganze Ronaldo- und Messi-Gehabe fehlt zum Glück“, sagt er lachend. Auch deshalb trainiert der Vater zweier Töchter so gerne Mädchenmannschaften. „Ich finde, Mädels sind offener für Neues, lassen sich mehr beibringen, haben nicht dieses Star-Gehabe“, sagt er. Jungs trainieren? Ein klares Nein.

Trainer Daniel Wiesner
Foto: zVg/WiesnerDie Zeiten, dass Mädchenfußball eine Nische war, sind längst vorbei. In den 1990er Jahren spielte der heute 51-Jährige selbst in Maulburg Fußball. „Schon damals war Frauenfußball zum Glück eine Normalität.“ Allerdings: „Seit damals hat sich nicht so viel getan wie erwartet“, bedauert er, beispielsweise, was die Präsenz im Bezirk Hochrhein betrifft.
Saubere Technik
Ob Mädchen weniger körperbetont spielen? Überhaupt nicht, wehrt er ab. „Wenn es ums Gewinnen geht, sind die genauso drauf wie die Jungs.“ Er lege indes großen Wert auf saubere Technik und Spiel-Elemente.
Was ist das Tolle am Fußball? In erster Linie natürlich, dass es ein Teamsport sei, findet Wiesner. Er selbst wechselte zwischendurch zum Triathlon. Da wurde ihm der Unterschied zwischen Einzeldisziplin und Mannschaft so richtig bewusst, erzählt er. Er möchte den Mädchen vermitteln, dass sie Verantwortung gegenüber ihrem Team haben. Das bedeutet: Viele Wochenenden sind aufgrund von Turnieren verplant. Natürlich weiß Wiesner, wie viele andere Termine an den Samstagen und Sonntagen locken. Trotzdem macht er seinen Mädchen klar: „Wenn ihr nicht zum Spiel kommt, lasst ihr die anderen im Stich. Da sollte man schon Prioritäten setzen.“

Fußball fördert auch das Teamplay.
Foto: PixabayTeamplay, Konzentration, Ausdauer, Übersicht, Geschicklichkeit, Mitdenken: Der Fußball fördere all dies. Und: „Er bedeutet weg vom Handy“, lacht Wiesner. Besonders gern trainierte er die Zehn- bis Zwölfjährigen: „Die saugen alles wie ein Schwamm auf, sind mit Feuereifer dabei, die sind im goldenen Lernalter“, schwärmt er. Später werde es schon etwas schwieriger, die Mädels bei der Stange zu halten – Stichwort Pubertät.
Spannung bis zur letzten Minute
Jetzt freut er sich erstmal genau wie seine Mannschaft auf das Halbfinale am Mittwoch. Vom letzten Spiel und dem Zusammenhalt der deutschen Frauennationalmannschaft ist er schwer beeindruckt: „Eine Wahnsinnsleistung! Bis zur letzten Minute spannend.“ Das sei eben das schöne am Fußballsport. Sein optimistischer Tipp für das Spanien-Spiel: „1:0 für Deutschland.“