Lörracher Erinnerungskultur
: Naturnah oder nur klimatauglich?

Zum Projekt „Wurzeln der Erinnerung“ auf dem Lörracher Hauptfriedhof äußert sich unser Leser Thomas Schwarze aus Weil am Rhein.
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Lörrach
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Die neu gepflanzten Bäume auf dem Lörracher Hauptfriedhof sollen „Wurzeln der Erinnerung“ schlagen.

Stadt Lörrach/Kornelia Schiller

Mit Interesse habe ich den Bericht über das Projekt „Wurzeln der Erinnerung“ auf dem Lörracher Hauptfriedhof gelesen. Im Grundsatz ist es erfreulich, dass die Stadt Bäume pflanzt und damit gleichzeitig einen Ort des Gedenkens schafft wie auch einen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel leisten möchte.

Kritisch ist es jedoch, die Pflanzung als ökologisch besonders wertvoll und biodiversitätsfördernd darzustellen. Bei den gepflanzten Baumarten handelt es sich mehrheitlich um Arten, die als nicht heimisch gelten. Zwar sind sie gut an die zukünftigen Klimabedingungen angepasst, ihr Nutzen für die heimische Tierwelt ist jedoch deutlich geringer als der von einheimischen Arten.

Der SWILD-Biodiversitätsindex für Stadtbäume bewertet die Arten hinsichtlich ihres Wertes für die Organismengruppen Vögel, Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Säugetiere, Moose und Flechten. Von den zehn Baumarten sind in dem Bericht lediglich die Säulen-Stiel-Eiche „sehr wertvoll“ und die kleinkronige Ulme „wertvoll“. Die anderen Arten erreichen lediglich eine mäßige (Blumenesche, Japanische Blütenkirsche, Hopfenbuche, Steineiche) oder sogar nur geringe (Purpurerle, Japanischer Schnurbaum, Schmalblättriger Amberbaum, Herbst-Flammen-Ahorn) ökologische Bedeutung.

Das ist logisch: Einheimische Tierarten haben sich über Jahrtausende gemeinsam mit den Bäumen entwickelt. So dienen Stiel-Eichen je nach Quelle rund 500 Insektenarten als Lebens- und Nahrungsgrundlage, Ulmen etwa 150 Arten. Für die aus anderen Kontinenten stammenden Japanischen Schnurbaum oder den Amberbaum liegen nur wenige Untersuchungen aus Europa vor, deren Zahlen liegen jedoch deutlich darunter. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage, hier entstehe ein Bereich mit hoher Biodiversität, sehr fragwürdig.

Dabei gäbe es durchaus heimische Baumarten, die sowohl klimaresistent als auch ökologisch wertvoll sind wie der Feldahorn oder die Traubeneiche. Aus dem Mittelmeerraum bietet sich die Zerreiche an. Klimaanpassung und Biodiversität müssen kein Widerspruch sein.

Auch die Beschreibung einer „waldähnlichen Struktur“ wirft Fragen auf. Nach dem veröffentlichten Bild wurden die Bäume relativ gleichmäßig nebeneinander und in einem Halbkreis gepflanzt. Eine waldartige Struktur mit unterschiedlichen Ebenen, dichtem Bestand und einem entsprechenden Raumeindruck sieht anders aus

Mein Anliegen ist nicht, das Projekt grundsätzlich schlechtzureden. Jeder neu gepflanzte Baum ist ein Gewinn. Wenn die Stadt Lörrach jedoch von Naturnähe, hoher Biodiversität und einer waldähnlichen Struktur spricht, sollten diese Begriffe auch fachlich gerechtfertigt sein. Klimaschutz verdient Anerkennung – eine realistische Darstellung der ökologischen Wirkung aber ebenso.