Lörrach
: Basis fördert den Wandel der Kirche

Geschieden und wieder verheiratet: Lörracher Beispiel bringt Schwung in die Debatte / ZDF in St. Bonifatius
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Die Oberbadische
Lörrach
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Ingrid und Lutz Köhler sind als Beispiel zum Thema „Geschieden und wieder verheiratet“ Teil einer ZDF-Dokumentation. Foto: Ursula König

Die Oberbadische

Von Ursula König

Lörrach. Bislang waren Katholiken, die nach einer Scheidung wieder heirateten von Sakramenten wie dem Empfang der heiligen Kommunion ausgeschlossen. Doch an der Basis kommt einiges in Bewegung wie das Beispiel von Ingrid und Lutz Köhler zeigt. Beide engagieren sich für die St. Bonifatius Gemeinde. Das ZDF zeichnet im Rahmen einer Dokumentation zum einjährigen Wirken von Papst Franziskus am Sonntag einen Gottesdienst auf.

Das Paar kennt sich seit 1985. Damals gehörte Lutz Köhler noch der evangelischen Konfession an. Die Trennung von seiner ersten Frau stürzte ihn in eine Krise, an deren Ende sich neue Türen öffneten. Er setzte sich mit dem Buddhismus und mit Freikirchen auseinander, um festzustellen, dass die katholische Kirche „wie für mich gemacht ist.“ Es waren katholische Pfarrer, die im Dienst der Nächstenliebe sich nicht dogmatisch an der Religionszugehörigkeit orientierten.

Für die ehemalige Altenpflegerin Ingrid Köhler ist die Auseinandersetzung mit Inhalten und Form der Religion auch ein wichtiges Lebensthema. Die Katholikin, die zeitweise aus der Kirche ausgetreten war, engagiert sich wie ihr Mann heute bewusst in der Gemeinde. Eine katholische Hochzeit war seinerzeit nicht möglich. Geschieden und wieder verheiratet; dafür gab es in der katholischen Kirche keinen Weg. Doch das Paar machte auch andere Erfahrungen und hat vor vier Jahren einen Stein ins Rollen gebracht, als beide auf Dekanats-Ebene ihre Geschichte erzählten. Zu ihrer Silberhochzeit erhielten sie dann den katholischen Segen.

Bestärkt hat sie das Wirken des früheren Pfarrers Matthias Ibach: „Er hat sich mutig positioniert.“ Ein Gottesdienst für wieder verheiratete Paare gehört in seine Amtszeit, allerdings mit Rückendeckung des zuständigen Dekans.

Wie sehr sich die katholische Kirche an der Basis öffnet, zeigt das Beispiel der Erzdiözese Freiburg. Signalcharakter hat die Diskussion um die Gleichberechtigung für Wiederverheiratete. Lutz Köhler ist davon überzeugt, dass nur die „Protestbewegung von unten her“, frischen Wind in das Kirchenrecht bringt, denn, die Kurie vertrete immer noch alttestamentarische Prinzipien. Doch, so meint er: „Zum Glück haben das die Pfarrer vor Ort begriffen.“ Lutz Köhler ist im Liturgie-Ausschuss, im Vorstand der Kolpingfamilie und im „Abraham Kreis“ aktiv. Ingrid Köhler absolviert derzeit eine Ausbildung für geistliche Begleitung auf Pfarrei-Ebene. Gemeinsam gestalteten sie an Weihnachten einen Wortgottesdienst.

Der jetzige Papst habe eine Umfrage an der Basis gestartet, erklären sie. Die Erwartungen an das als liberal eingeschätzte Kirchenoberhaupt sind groß: „Hoffentlich kommt jetzt Bewegung in den Reformstau.“ Nicht zuletzt erhofft sich das Ehepaar Köhler auch, dass es wieder attraktiver werden kann, katholischer Pfarrer zu werden. Und vielleicht irgendwann sogar Pfarrerin.