Lehrpfad in Efringen-Kirchen
: Beim Spaziergang Flora und Fauna kennenlernen

Zu einem „kleinen Abendspaziergang“ hatte Ortsvorsteherin Joelle Kammerer anlässlich der Vorstellung der neuen Schilder am Wald oberhalb von Wintersweiler eingeladen.
Von
Ines Bode
Efringen Kirchen
Jetzt in der App anhören

Die neue Beschilderung am Wald wurde in würdigem Rahmen eingeweiht.

Ines Bode

Nur gut einen Kilometer beträgt die Strecke auf der Alten Poststraße zwischen dem ersten und letzten Schild nahe des Bammerthüsli, die Begehung indes sollte über eine Stunde dauern – so viel gab es zu sehen und zu hören. Aufgestellt wurden neun Schilder, die künftig Auskunft über die heimische Flora und Fauna geben.

Info-Meile am Katzenberg

Die Idee zu dem Vorhaben stamme laut Kammerer aus dem Jahr 2022. „Dieser tolle Weg sollte zu einer kleinen Info-Meile werden.“ Eine gut frequentierte dazu, wie der rege Verkehr zum Feierabend zeigte. Unterwegs waren zahlreiche Autos, einzelne Spaziergänger und Radfahrer sowie Hundebesitzer.

Auch die Einheimischen begeben sich gern in Richtung des bewaldeten Katzenbergs, allerdings „sage mir, mir gönn in de Wald uffe“, erzählt Reinhold Hoffmann, ehemaliges Ortschaftsratsmitglied. Mit Rat und Tat war er in das Projekt involviert, das den Naherholungsbereich aufwertet.

Fernsicht mit Parkplatz

An der Kreuzung auf der Anhöhe lodere das Fasnachtsfeuer, und bis vor einigen Jahren habe der Gesangverein weiter oben zum Maifest geladen. Der Ort punktet mit dem Blick ins Land, der Fernsicht auf Basel und den Euroairport. Hinzu kommen Parkmöglichkeiten, Bänke, eine Info-Tafel, ein nach langer Zeit erneuertes Schild der Alten Poststraße und ganz neu eben die Schilder mit vielen allgemeinen Auskünften.

Hoffmann gibt Wissen preis

Hoffmann steuerte am Eröffnungstermin florale Ortskenntnisse bei, etwa zur „Sänger-Linde“: Die Linde sei mit einer Kiefer aufgewachsen. Mutter Natur habe aus zwei Bäumen einen gemacht, bis die Kiefer vor rund zwanzig Jahren weggebrochen sei. An anderer Stelle weist er auf eine große Wildkirsche, derer es viele gibt, und die auch Vogelkirsche heiße. Selten geworden sei die Esche, die eine ähnliche aber größere Blattstruktur als die Robinie hat. Als sein geübtes Auge eine Esche entdeckt, löst das einen freudigen Moment aus. Die europäische Robinie lässt sich ebenso entdecken, eine heimische Holzart, die schon mal mit der tropischen Akazie verwechselt werde.

Klar erkennbar die Lärche aus der Familie der Nadelhölzer, die in Wintersweiler Wohnzimmern als Weihnachstanne diene, wie eine Teilnehmerin anmerkt. Unübersehbar taucht eine riesige Eiche auf. Ihr Blattgrün wirkt frisch und hellgrün wie im Frühling.

Allerdings sei das kein gutes Zeichen: Der Baum leide unter Nährstoffmangel. Grund: Der Efeu hat sich des Eichenstammes bemächtigt. Auch der Regenmangel sei seit einigen Jahren ein massives Problem, erklärt Hoffmann. Eine Rotbuche gerät ins Blickfeld, nicht zu verwechseln mit der Blutbuche, denn der Name weise auf den Rotstich im Holz.

„Hier wachsen Brötchen“

Über vielerlei Wissenskniffe klären die Tafeln auf, die behilflich sind, vorhandene Kenntnisse aufzufrischen oder neue zu vermitteln. Die beiden Tafeln in Richtung Fohrenwald, die Straße grenzt hier an weite Felder, widmen sich dem Weizen und dem Mais.

Die Schilder wurden bewusst so gesetzt, dass die Abbildungen und das natürliche Exemplar nah beieinander seien, hieß es. „Hier wachsen ihre Brötchen“, lässt die Tafel am Weizen wissen. 81 Kilo Weizen verzehre jeder jährlich, steht da zu lesen, sei es als Brötchen, Nudel oder Kuchen. Gleich zwei Tafeln sind den Tieren gewidmet, die in dem Waldstück leben – vom Wildschwein bis zum Dachs.

Ungeliebt: Müll im Wald

Die letzte Tafel weist die unbeliebten Bewohner der Natur aus, den Müll. Im Vergleich ist es sehr sauber an der Strecke, eine einzige zerdrückte Plastikflasche lungert im Gras. Auf dem Schild heißt er „Geknickter Dürstling“, der 500 bis 1000 Jahre überlebe. Auf immerhin 120 Jahre bringe es der „Gemeine Beutler“, ein Stück Plastikfolie.

1000 Euro investiert

Auf rund 1000 Euro belaufe sich der Wert der Investition, betonte die Ortsvorsteherin. Ihr Dank galt den Unterstützern Clemens Lamberth, Gerhard und Georg Rüdlin von der Jagdgesellschaft sowie Michael Lang (Tafeln Obstanbau/Reben), Reinhold Hoffmann und dem neuen Ortschaftsrat.