Leerstand im Meeraner Markt
: Mit Veränderungssperre wird in Lörrach Woolworth-Eröffnung verhindert

Trotz kritischer Stimmen hat der Lörracher Gemeinderat ein Bekenntnis zum Märkte- und Zentrenkonzept abgegeben. Das hat Folgen.
Von
Marco Fraune
Lörrach
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Der Leerstand im Lörracher Meeraner Markt bleibt.

Marco Fraune

Auf eine Stärkung der Geschäfte in der Innenstadt setzt die Politik. Damit Woolworth mit einer beantragten Ansiedlung auf knapp 732 Quadratmetern Verkaufsfläche im Meeraner Markt nicht Kaufkraft aus dem zentralen City-Bereich abzieht, wurde mehrheitlich eine Veränderungssperre verhängt. Zugleich ist am Dienstagabend ein überarbeiteter Bebauungsplan via Aufstellungsbeschluss auf den Weg gebracht worden. „Wir wollen aus gutem Grund was verhindern“, hatte Oberbürgermeister Jörg Lutz dafür geworben.

Obwohl schon ausführlich im Ausschuss vorberaten, trieb das Thema die Gemeinderäte nach einer kritischen Äußerung von Matthias Koesler (FDP/Piraten) in einer längeren Diskussion um. Der Liberale, der als Vermieter eines ehemaligen Möbelhauses selbst vom Märkte- und Zentrenkonzept in Wunschansiedlungen ausgebremst wird, sieht den Meeraner Markt noch der Innenstadt zugehörig. Der dortige längere Leerstand könne mit Woolworth nun enden, Kaufkraft aus anderen Städten würde hier landen, glaubt Koesler. Daher beantragte er eine Ausnahmeregelung für das Woolworth-Sortiment – was aber mehrheitlich abgelehnt wurde.

Die Stadtplanerin

Denn die Mehrheit setzt auf das Märkte- und Zentrenkonzept, das klar auf die Stärkung der Innenstadt setzt, in der Corona und Online-Handel auch ihre Spuren hinterlassen haben, wie Stadtplanerin Antje Schnacke-Fürst am Dienstagabend dem Ratsrund schilderte. Noch vor zehn Jahren sei die Innenstadt aus allen Nähten geplatzt. Jetzt sei die Lage besonders im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland immer noch gut, doch es gebe auch in Lörrach einen Leerstand von etwa zehn Prozent.

Nicht mehr Innenstadt: der Meeraner Markt

Foto: Marco Fraune

Die Analyse zeige zugleich, dass Passanten die Qualität des Angebots und die kurzen Wege in der Innenstadt schätzen. Eine Öffnung des definierten City-Bereichs bis zum Meeraner Markt wäre ihrer Ansicht nach falsch. Es würden auch die jüngsten Maßnahmen mit der Stärkung der nördlichen Innenstadt (mehr Fußgängerzone und das „LÖ“) „konterkariert“. Eine Ausnahme für Woolworth würde laut Schnacke-Fürst ein „Problem für die Rechtssicherheit“ darstellen.

Für die Sperre

„Beratungsresistenz und Faktenresistenz“ warf Fritz Böhler (Grüne) dem FDP-Piraten-Fraktionschef angesichts der schon zum Märkte- und Zentrenkonzept zurückliegend geführten Diskussion vor. „Wir wollen keinen Präzedenzfall“, positionierte sich Böhler gegen eine Ausnahmeregelung. Auch Bernhard Escher (CDU), der im Ausschuss als scharfer Kritiker einer nochmaligen Veränderungssperre im Stadtgebiet auftrat, sah nun die Erfordernis: „Wir sind gehalten, die Innenstadt zu stabilisieren.“

Die Kritiker

Woolworth könne in die Innenstadt gehen, verwies Christa Rufer (SPD) auf drei weitere mögliche Leerstands-Optionen. Das Märkte- und Zentrenkonzept habe sich bewährt.

„Wir verhindern einen Gewerbesteuerzahler“, sprang Matthias Lindemer (FW) Koesler an die Seite. Die Innenstadt würde angesichts der Grenznähe auch ohne das Konzept funktionieren, was andere Grenzstädte zeigen würden. Das Konzept habe sich nicht für die Lörracher Peripherie bewährt, kritisierte Fraktionskollege Jörg Müller. „Lieber einen Gewerbesteuerzahler mehr, als die Gewerbesteuer zu erhöhen“, meinte Birger Bär, der wie Wolfgang Koch (AfD) einen Mangel an Parkplätzen in der Innenstadt monierte.

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