Kriminalität in Basel: Gemeinsame Streife nimmt Velodiebe ins Visier

In Basel werden besonders viele Velos und E-Bikes gestohlen. Oft sind es organisierte Banden aus dem nahen Elsass, die teure E-Bikes und hochwertige Velos klauen.
Michael WerndorffHochwertige Velos, die Nähe zur Grenze und schnelle Fluchtwege: Basel hat für Langfinger aus dem Elsass eine besondere Anziehungskraft. Viele der gestohlenen Velos finden den Weg über die Grenze nach Saint-Louis – einem Dreh- und Angelpunkt für Fahrraddiebe, wie in der Vergangenheit bereits die Zeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ berichtete. Im Frühling 2021 sprach sie von einer beispiellosen Zunahme von gestohlenen E-Bikes, die überwiegend aus Basel stammten.
Von jenseits der Grenze aus werden die in der Schweiz und in Deutschland geklauten Velos in weitere Regionen gebracht und wechseln dann erneut den Besitzer. Neben hochwertigen Drahteseln stehen vor allem teure E-Bikes bei organisierten Diebesbanden hoch im Kurs, die in der Velostadt Basel vor allem im Sommer ihr Unwesen treiben. Dann werden nämlich besonders viele Zweiräder im öffentlichen Raum abgestellt.
Deutliche Zunahme an E-Bike-Diebstählen
So hat die Zahl der E-Bike-Diebstähle im Stadtkanton im Vergleich zum Vorjahr um satte 36 Prozent zugelegt, und zwar bei einer Aufklärungsquote von 4,2 Prozent, wie die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt. Bei Velos ohne Motor liegt die Quote sogar nur bei 2,4 Prozent – gestohlen wurden 3300 Fahrräder. Im Landkanton zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Jahr 2024 wurden erstmals mehr E-Bikes als herkömmliche Fahrräder gestohlen – konkret 1100 E-Bikes und 960 Velos. Damit ist auch ein hoher finanzieller Schaden verbunden: Die Versicherung Axa verzeichnete vergangenes Jahr Rekordsummen von 22 Millionen Franken für gestohlene Velos, demnach verursachten E-Bike-Diebstähle durchschnittlich Kosten von 3100 Franken pro Fall. Insgesamt verzeichnete das Unternehmen rund 9000 gestohlene Fahrräder und E-Bikes, wie die eine Mitteilung des Versicherers zeigt – beide Basel sind in diesem Zahlenwerk die Velodiebstahl-Hochburg.
Diebe kommen aus dem grenznahen Ausland
„Wir stellen fest, dass die Mehrheit der Täter aus dem angrenzenden Ausland teils mit Lieferwagen einreist und nach den Taten sehr rasch wieder ausreist“, wie die Polizei Basel-Landschaft erklärt. Trotz der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Behörden tauchen die Velos aber meist nicht mehr auf. Die Behörden beidseits der Grenze wollen ihre Zusammenarbeit verstärken und eine binationale Velo-Polizei etablieren. Die Polizei plant gemischte Streifen mit dem Departement Haut-Rhin, um gezielt nach gestohlenen Zweirädern zu suchen und gegen den organisierten Velodiebstahl vorzugehen. Mit im Boot ist auch die Kantonspolizei Basel-Stadt.
Parallel hierzu verstärken die Kantone ihre Präventionsarbeit: Basel-Land hat eine spezielle Vignette eingeführt, mit der Velos versehen werden können – diese ist online registriert. So sollen sichergestellte Velos leichter den Besitzern zugewiesen werden können. Derweil ist diese Vignette im Stadtkanton noch Gegenstand von Diskussionen.
Automatisierter Datenaustausch existiert nicht
Bislang hat die französische Polizei über regionale Verbindungsbeamte oder gemeinsame Zentren versucht herauszufinden, ob mutmaßlich gestohlene Velos vermisst werden. Ein automatisierter Datenaustausch existiert jedoch nicht. Allerdings listen die französischen Behörden alle aufgefundenen Velos in einer Datenbank auf. Lagerzentren sind Colmar, Mulhouse, Kingersheim und Saint-Louis.
Es gibt auch weitere Gründe, weshalb aufgefundenen Velos nicht ihren Besitzern übergeben werden können: Oft könnten diese die Rahmennummer ihres gestohlenen Velos nicht angeben. Kann ein Fahrrad nicht eindeutig zugeordnet werden, so muss es in den meisten Fällen der Person zurückgegeben werden, welche bei der Kontrolle damit unterwegs war, weiß die Baselbieter Polizei.
