Kreiskliniken Lörrach
: So helfen Lörracher Ärzte Kindern in Afrika

Die beiden Chefärzte der Kliniken des Landkreises Lörrach, Dr. Tobias Berberich und Dr. Andreas C. Rudolph, berichten von humanitären Einsätzen in Afrika.
Von
red
Kreis Lörrach
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Vielen Kindern kann geholfen werden, nicht alle Schicksale nehmen ein gutes Ende.

Kreiskliniken Lörrach

An einem Adventsnachmittag wird es im Kreiskrankenhaus Lörrach sehr ruhig. Kein Weihnachtslied, kein Small Talk – stattdessen gespannte Aufmerksamkeit. Zwei Chefärzte der Kliniken des Landkreises Lörrach berichten aus erster Hand von dem, was sie in den vergangenen Wochen in Afrika erlebt haben: von medizinischer Hilfe unter einfachsten Bedingungen, von großem Leid, von Hoffnung – und von Momenten, die niemanden unberührt lassen.

In seiner Begrüßung bringt der Ärztliche Direktor der Kreiskliniken, Prof. Dr. Tilman Humpl, das Empfinden vieler im Raum auf den Punkt. Stolz und Dankbarkeit, sagt er, prägten den Blick der Kliniken auf diese Einsätze. Stolz auf zwei Chefärzte, die ihre medizinische Kompetenz in Regionen einbringen, in denen Hilfe lebensentscheidend ist – und Dankbarkeit für ihren Einsatz, der weit über das Selbstverständliche hinausgeht.

Für Dr. Tobias Berberich, Chefarzt der Abteilung für Kinderchirurgie & Spezielle Kinder- und Jugendurologie, führte der jüngste humanitäre Einsatz mit der Organisation Hammer Forum in die Demokratische Republik Kongo – nach Kikwit, rund 500 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kinshasa. Eine Region, die vielen noch aus den Berichten über den Ebola-Ausbruch der 1990er-Jahre bekannt ist und in der die medizinische Versorgung bis heute katastrophal ist.

Mehr als 100 Kinder warten auf erste Sprechstunde

Schon die Anreise war beschwerlich. Vor Ort warten bereits mehr als 100 Kinder auf die erste Sprechstunde. Während die Chirurgen mit der Sichtung beginnen, wird parallel improvisiert.

In den folgenden zwei Wochen werden insgesamt 143 Operationen durchgeführt, zusätzlich rund 400 Kinder in der Sprechstunde untersucht, beraten und behandelt. Die Fälle sind schwer, oft erschütternd. Besonders eindrücklich sind die Schicksale der Kleinsten: ein Säugling mit falsch angelegtem Darmausgang, der in einer aufwendigen Operation korrigiert werden muss; Kinder mit ausgeprägten Leisten- und Nabelhernien; zehn Kinder mit Sichelzellanämie, bei denen eine Milzentfernung lebensrettend ist. Immer wieder kommen Notfälle hinzu – etwa nach schweren Verkehrsunfällen.

Zahlreiche Kinder haben die Lörracher Ärzte behandelt.

Foto: Kreiskliniken Lörrach

Nicht alle Schicksale nehmen ein gutes Ende. Zwei Kinder sterben trotz aller Bemühungen. Ein fünfjähriger Junge mit schwerer Bauchfellentzündung, der viel zu spät medizinisch versorgt wurde. Ein Säugling, so geschwächt durch einen riesigen Tumor, dass sein Körper den Eingriff nicht verkraftet. Diese Momente belasten das gesamte Team schwer. Und doch bleibt die Gewissheit: Ohne die Operationen hätten diese Kinder keine Chance gehabt.

Neben der medizinischen Arbeit ist es die enge Zusammenarbeit im Team, die diesen Einsatz trägt. Gemeinsames Kochen am Abend, gegenseitige Unterstützung, Gespräche über das Erlebte. Ebenso wichtig ist der Wissenstransfer: Einheimische Kollegen zeigen großes Interesse, lernen Techniken, die sie künftig selbst anwenden können. Genau das ist ein zentrales Anliegen des Hammer Forums: nachhaltige Hilfe, die bleibt.

Kinder werden kostenlos behandelt

Das Hammer Forum engagiert sich seit 2008 in Kikwit, betreibt dort eine Kinderambulanz, in der Kinder ganzjährig kostenlos behandelt werden, unterstützt die Sanierung von OP-Sälen und Stationen und ermöglicht durch regelmäßige Einsätze eine langfristige Betreuung. Angesichts einer Kindersterblichkeit, die rund 20-mal höher ist als in Deutschland, ist dieses Engagement lebenswichtig.

In Uganda wurden ebenfalls medizinische Hilfe geleistet.

Foto: Kreiskliniken Lörrach

Auch für Dr. Andreas C. Rudolph, Chefarzt der Klinik für Plastische- und Handchirurgie, liegt ein intensiver Einsatz hinter ihm. Mit einem achtköpfigen Team der Hilfsorganisation Interplast-Germany war er bereits zum fünften Mal am Victoriasee in Uganda tätig – im LAMU-Hospital nahe der Nilquelle. Insgesamt 40 Patienten wurden ausgewählt, an acht OP-Tagen fanden 60 Operationen statt.

Wie im Kongo beginnt alles mit einer Sprechstunde, die die Dimensionen der Not offenbart: 130 Menschen, meist Kinder, stellen sich am ersten Tag vor. Viele leiden an schweren Verbrennungsfolgen – an Händen, Füßen oder im Gesicht. Narben, Entzündungen, Kontrakturen schränken Bewegung und Alltag massiv ein.

Die Auswahl der Patienten ist schwierig

Die Auswahl der Patienten ist schwierig und emotional belastend. Die Zeit ist begrenzt, die Kapazitäten sind es auch. „Wir müssen sicherstellen, dass wir genau denen helfen, die am dringendsten darauf angewiesen sind“, beschreibt Rudolph diesen Prozess. Viele müssen abgewiesen werden – nicht, weil ihr Leid geringer wäre, sondern weil die Möglichkeiten fehlen.

Dieser Einsatz steht jedoch unter einem besonders schweren Schatten. Ein zweieinhalbjähriges Mädchen stirbt während einer Narkose. Erst im Nachhinein wird klar: Das Kind litt an einem unerkannten, unbehandelten Diabetes. Mangels diagnostischer Möglichkeiten vor Ort war dies im Vorfeld nicht festzustellen. Trotz zweistündigem Kampf auf der Kinder-Intensivstation kann das Mädchen nicht gerettet werden. Für das gesamte Team ist dies ein Schock.

„Das war der traurigste Moment aller bisherigen Einsätze“, sagt Rudolph. Pflegekräfte und Ärzte kämpfen mit Tränen, mit Ohnmacht – und mit der Frage, wie man mit solchen Situationen umgeht. Dass die Eltern am nächsten Tag dennoch ihre Kinder wieder zur Behandlung bringen, berührt das Team tief. Es zeigt das große Vertrauen, das den Helfern entgegengebracht wird.