Kreiskliniken Lörrach: Kreiskliniken verringern Zahl der Leiharbeiter

Die Kreiskliniken setzen auf flexible Arbeitszeitmodelle und ziehen eine positive Bilanz.
Michael WerndorffDie Kliniken des Landkreises Lörrach haben mit einer Initiative zur Stärkung des eigenen Pflegepersonals einen Meilenstein erreicht, wie die Kreiskliniken mitteilen: Innerhalb von 18 Monaten konnte die Zahl der berufsgruppenübergreifend eingesetzten Leiharbeiter von 150 (Stand: Ende 2023) auf derzeit 25 gesenkt werden.
„Diese Entwicklung trägt wesentlich zu einer nachhaltig verbesserten Versorgungsqualität sowie einer stärkeren Mitarbeiterbindung bei und führt zu einer deutlichen wirtschaftlichen Entlastung“, erläutert Geschäftsführerin Monika Röther.
Die Entscheidung, die eigene Pflegekompetenz gezielt zu stärken und die Abhängigkeit von externem Fremdpersonal zu verringern, zahle sich auf mehreren Ebenen aus: Die wirtschaftlichen Einsparungen würden laut Mitteilung direkt in die Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeiter, in moderne Strukturen und gezielte Unterstützungsangebote fließen.
Gleichzeitig verbesserte sich die Zusammenarbeit innerhalb der Pflegeteams spürbar, da Kontinuität, Verlässlichkeit und ein gemeinsames Werteverständnis gestärkt würden. „Pflege braucht Vertrauen, Stabilität und Entwicklungsmöglichkeiten. Nur wenn wir Pflegekräften langfristige Perspektiven und individuelle Gestaltungsspielräume bieten, können wir sie im Beruf halten und für die Zukunft gewinnen. Die erreichte Reduktion der Leiharbeit ist ein klarer Erfolg unserer Strategie – und zugleich ein Auftrag, diesen Weg konsequent weiterzugehen“, betont Dubravka Kavur, Pflegedirektorin der Kliniken des Landkreises Lörrach.
Maßnahmen im Qualitätsmanagement
In Bereichen wie dem Entlassmanagement wurden laut Klinikleitung Verbesserungen umgesetzt: Aufbauend auf den Ergebnissen von Patientenrückmeldung und Patientenfürsprecher wurde ein Fallmanagement eingeführt. Durch regelmäßige Besprechungen mit Pflegeheimen und ambulanten Diensten – zusätzlich zu den jährlichen Netzwerktreffen des Landratsamts – seien Versorgungsübergänge deutlich verbessert worden.
Ein weiterer Fortschritt sei die flächendeckende Einführung der pflegerischen Übergabe am Patientenbett an allen drei Klinikstandorten. Diese Übergaben finden unter Einbezug des Patienten statt und werden von der Stationsleitung oder Praxisanleitung begleitet. Die Pflegekräfte erläutern dabei die bisher durchgeführten Maßnahmen und informieren die Patienten über den weiteren Behandlungsverlauf.
Flexible Arbeitszeitmodelle und starke Beteiligung
Eine Grundlage des Erfolgs sei auch das innovative Arbeitszeitmodell FlexPool, das den Pflegekräften maximale Flexibilität und Eigenverantwortung bieten soll. Die Mitarbeiter können ihre Arbeitszeiten bis zu sechs Monate im Voraus selbst planen – ein Angebot, das besonders gut angenommen werde und die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und individuellen Lebensumständen spürbar verbessere, heißt es weiter.
60 Pflegefachkräfte im Anerkennungsverfahren
Ein weiterer Erfolgsfaktor sei die Unterstützung internationaler Pflegekräfte durch besonders geschulte Mitarbeiter. Derzeit werden 60 Pflegefachkräfte, die sich im Anerkennungsverfahren befinden, intensiv begleitet – vom Empfang am Bahnhof oder Flughafen über die erste Wohnungsbesichtigung bis hin zu Behördengängen.
Diese persönliche Begleitung erleichtere nicht nur die Integration, sondern fördert auch die Identifikation mit dem neuen Arbeitsplatz und dem Team. Auch die Ausbildung habe in der Offensive einen besonderen Stellenwert: 16 Vollzeitkräfte wurden freigestellt, um als Praxisanleiter eine engmaschige, qualitativ hochwertige praktische Anleitung sicherzustellen. Das Ergebnis: Im aktuellen Kurs der Gesundheits- und Krankenpflegehelfer liege die Übernahmequote bei 100 Prozent, heißt es seitens der Klinikleitung weiter.
Viele der neuen Pflegekräfte blieben den Kliniken langfristig erhalten – im Schnitt über fünf Jahre, so die Verantwortlichen. Zudem wurde die Pflegeschule durch die Zertifizierung als Anbieter zugelassener Weiterbildungsmaßnahmen ausgezeichnet.
Dies ermögliche es zum Beispiel, für den Vorbereitungskurs mit Kenntnisprüfung Fördermittel der Agentur für Arbeit zu beantragen.