Kreis Lörrach: Einrichtung schließt wichtige Lücke

Das DHV-Lernbüro in Lörrach hilft seit dem Jahr 2000 bei der beruflichen Eingliederung von Frauen.
Alexandra GünzschelMütter ohne abgeschlossene Berufsausbildung haben es nicht leicht, wenn sie Karriere machen oder zumindest gutes Geld verdienen wollen. Besonders schwierig wird es, wenn sie auch noch alleinerziehend und auf Geld dringend angewiesen sind.
Für Frauen in solchen Lebenssituationen wurde vor 25 Jahren das DHV-Lernbüro gegründet. Die Kaufmännische Bildungsstätte des einst aus der Berufsgewerkschaft hervorgegangenen DHV, kurz KaBi, ist eine anerkannte gemeinnützige Bildungseinrichtung. Sie ermöglicht es Müttern, in Teilzeit eine Umschulung oder Ausbildung zur Bürokauffrau für Büromanagement zu absolvieren. Mit einer Feierstunde wurde die 25-jährige Erfolgsgeschichte des Büros in Lörrach gefeiert.
Dabei konnten sich die Gäste die Schulungsräume ansehen, die einen Büroalltag samt Arbeitsplätzen und Telefongesprächen realistisch simulieren. Dafür arbeitet das DHV-Lernbüro mit der Zentralstelle des Deutschen Übungsfirmenrings zusammen, wie Angelika Hebeisen aus dem Vorstand vor Ort erklärte.
Viele der Absolventinnen arbeiten später in Industriebetrieben, im Einzel- oder Großhandel, manche auch bei der Agentur für Arbeit, im Krankenhaus oder der Verwaltung. Fast 500 Personen haben seit der Gründung im Jahr 2000 eine der Ausbildungsrunden beim DHV-Lernbüro durchlaufen. Mittlerweile kann die Ausbildung alternativ ganztags absolviert werden und steht auch Männern oder Frauen zur Verfügung, die keine Kinder betreuen. 99,5 Prozent von ihnen erreichen den angestrebten Abschluss, fast 90 Prozent finden im Anschluss Arbeit.
KaBi-Geschäftsführer Hans Hebeisen wehrte sich in seiner Ansprache gegen die flapsige Bezeichnung „Mamaschule“. „Hier erhalten Frauen, aber auch Männer, eine Chance zur Wiedereingliederung“, betonte er.
Hebeisen hob das Konzept der dualen Berufsausbildung mit einem abschließenden Firmenpraktikum sowie die Kooperation mit der Kaufmännischen Berufsschule in Schopfheim hervor, betonte zudem die Bedeutung der sozialen Kontakte für die Frauen.
Die Geschichte von Ausbildungsleiterin Kirsi Eronen erwies sich als ein Paradebeispiel für das, was das DHV-Lernbüro zu leisten vermag. Die Finnin hatte in ihrer Heimat Deutsch studiert. Doch wurde ihr Staatsexamen nach ihrem Umzug der Liebe wegen in Deutschland nicht anerkannt. Als ihr deutscher Ehemann tödlich verunglückte, stand sie mit zwei kleinen Kindern plötzlich allein da. „Ich wusste nicht, wie es weitergeht“, erklärte sie in einer sehr emotionalen Rede. Da entdeckte sie den Prospekt des DHV-Lernbüros. Sie absolvierte die Ausbildung und blieb bei der Bildungseinrichtung, wo sie heute ihr Staatsexamen im Unterricht doch noch anwenden kann.
„Viele unserer Teilnehmerinnen sind sehr ehrgeizig“, sagte Eronen. Das Ausbilderteam wiederum beschränke sich oftmals nicht auf die Lehrinhalte, sondern sei gleichzeitig psychologisch und beratend tätig, etwa bei Ehekrisen. „Wenn die Frauen am Ende einen guten Arbeitsplatz ergattern, dann haben wir alles richtig gemacht“, sagte die Ausbildungsleiterin, die das Lernbüro als ihre Rettung bezeichnete.