Kreis Lörrach: „Eine optimale Bereicherung“

Der niedergelassene Gastroenterologe Dr. Tilman Gerber (v.l.) ist von Lörrach-Tumringen ins Kreiskrankenhaus Lörrach umgezogen. Hier kann er sich auf schnellem Weg fachlich mit Dr. Christoph Steinborn und Dr. Christian Hamel abstimmen. Foto: Marco Fraune
Die OberbadischeVon Marco Fraune
Kreis Lörrach. Miteinander sowie voneinander lernen und die Intensivierung der interdisziplinären Absprache sind Ziele, die mit einer Vermietung von Räumen im Kreiskrankenhaus Lörrach verbunden sind. Auf rund 340 Quadratmetern hat der niedergelassene Gastroenterologe Dr. Tilman Gerber hier nun seine Praxis eröffnet, die zuvor in Lörrach-Tumringen beheimatet war.
Das Kreiskrankenhaus will die Fortentwicklung zu einem Kompetenzzentrum rund um die Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Leber, der Galle und der Bauspeicheldrüse voran treiben, wurde gestern bei einer Vorstellung die Kooperation in der Gastroenterologie erläutert. Obwohl mit der neuen Praxis im Krankenhaus die Grenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung nicht aufgehoben wird, verschwimmen sie zum Vorteil der Patienten ein Stück weit.
Gerber kann beispielsweise den Rat des Chefarztes der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. Christian Hamel, oder von Dr. Christoph Steinborn, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin/Gastroenterologie, einholen. „So können Doppeluntersuchungen vermieden werden“, unterstrichen die Mediziner einen Vorteil.
Das Kreiskrankenhaus sieht in der neuen Praxis keinen neuen Wettbewerber um Patienten im eigenen Haus, sondern vielmehr eine Schärfung des eigenen Profils und eine Profilierung auf diesem Fachgebiet. Steinborn: „Wir verzahnen unsere Arbeit und kommen uns nicht in die Quere.“ Außerdem erhofft sich der Leitende Oberarzt, dass mit dieser Kompetenzerweiterung beispielsweise auf dem Gebiet der Vorsorge mehr erreicht werden kann. Noch würden nur 14 Prozent der Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen. „Wenn man es zentriert, muss die Zahl steigen“, erwartet er eine positive Entwicklung. Das Leistungsspektrum der krankenhauseigenen Endoskopieabteilung von Steinborn, die seit vergangenem Jahr in neu ausgestatteten Räumen beheimatet ist, bleibt dabei unverändert.
Die Initiative für die Kooperation ging von Gerber aus, der den fachlichen Austausch mit den Kollegen suchte. „Ich wollte kein Einzelkämpfer in der Praxis sein. Ich bin ein Teamplayer.“ Durch die Intensivierung der fachlichen Zusammenarbeit mit den Kreiskrankenhaus-Verantwortlichen erhofft er sich, das Optimale für die Patienten zu erreichen. Neben der Sanierung der Räume sei auch kräftig in modernste Gerätetechnik und Hygiene sowie Patientensicherheit investiert worden. Summen wurden auch auf Nachfrage nicht genannt.
Abgerundet wird das Angebot in dem Fachbereich durch die Viszeralchirurgie von Privatdozent Hamel, der bei Bedarf operative Eingriffe vornehmen kann. In der Praxis ist hingegen die Diagnostik und Therapie angesiedelt. Falls Darmpolypen noch endoskopisch entfernt werden können, ist dies ebenfalls bei Gerber möglich. Doch genau hier verläuft eine Schnittstelle, wo künftig eine engere Verzahnung erfolgt.
„Die Auflösung der Sektorengrenzen zwischen ambulant und stationär wird immer mehr an Bedeutung gewinnen“, ist sich der Geschäftsführer der Kreiskliniken, Armin Müller, sicher. Dies erwarte der Gesetzgeber auch von den Leistungserbringern. Steinborn sieht in Gerber eine „optimale Bereicherung“ auf dem Weg hin zur laufenden Zertifizierung als Darmzentrum und dem Ziel, dass der Klinik-Bereich Bauchzentrum wird.