Krankenhaus in Rheinfelden
: Kostspielige Klinik-Sanierung lohnt sich nicht

Der geplante Abriss des ehemaligen Krankenhauses in Rheinfelden sorgt zum Teil für Unverständnis. Das Stadtoberhaupt erläutert die Gründe.
Von
Michael Werndorff
Kreis Lörrach
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Das Rheinfelder Krankenhaus soll einem neuen Stadtquartier weichen.

Tim Nagengast

Das Rheinfelder Klinikgebäude wird bald Geschichte sein. Nach der vorzeitigen Schließung im April 2024 und der Verlegung medizinischer Angebote nach Lörrach und Schopfheim soll das ehemalige Krankenhaus am Vogelsang abgerissen werden, um einem neuen Wohnquartier Platz zu schaffen. An anderer Stelle soll für die Rheinfelder Bevölkerung ein MVZ entstehen.

Nach Veröffentlichung der Pläne habe es viele positive Rückmeldungen gebeben, es sei aber auch Unverständnis geäußert worden, wie es seitens der Rheinfelder Stadtverwaltung heißt. Diese gibt nun einen vertieften Einblick in das unabhängige Gutachten, welches letztlich dazu führte, nicht in eine Nachnutzung des in die Jahre gekommenen Klinikgebäudes zu investieren.

Das hätte nämlich eine Kernsanierung und die Entsorgung schadstoffbelasteter Baustoffe vorausgesetzt – rund 68 Millionen Euro würde eine Umnutzung kosten, wie Stadtoberhaupt Klaus Eberhardt bei einem Pressegespräch darlegte. Diese Summe enthalte alle relevanten Kosten und sei damit höher als die reinen Baukosten.

Ein Umbau würde 25 Millionen Euro kosten

Die Stadtverwaltung verweist auf die Abbruchkosten (ohne Schadstoffe) in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro, die auch im Falle einer Nachnutzung angesetzt werden müssten. „Das Krankenhaus müsste auch bei einer Nachnutzung auf den Rohbau zurückgeführt werden, so dass alle Baustoffe wie bei einem Totalabriss beseitigt werden müssen“, erläutern die Beteiligten.

Weitere rund 15 Millionen fielen allein für die Erneuerung der technischen Anlagen an, die größtenteils das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht hätten. Die Kosten für den Umbau werden auf rund 25 Millionen Euro kalkuliert. Hier schlage sich das Thema der Schadstoffbelastung nieder. Wegen des Baujahrs sei die Wahrscheinlichkeit für schadstoffhaltige Materialien sehr hoch, da die Zeit der Errichtung sowie die Zeit in der Maßnahmen am Gebäude durchgeführt wurden in die Zeitspanne der Hochkonjunktur der Gebäudeschadstoffe fallen, so die Einschätzung des Gutachters.

Vor-Ort-Begehung hat den Ist-Zustand erfasst

Sämtliche Kosten wurden laut Stadt auf Basis einer Vor-Ort Begehung zur Einschätzung des Gebäudezustands sowie Vergleichsprojekten, Kostendatenbanken und Erfahrungswerten ermittelt. Anschließend erfolgte eine Anpassung und Hochrechnung auf die Gebäudefläche und das Gebäudevolumen. „Grundsätzlich gilt bei einem solchen Vorhaben, dass es nur seriös umsetzbar ist, wenn es sich wirtschaftlich rechnet, das heißt, wenn sich die Investitionskosten refinanzieren lassen“, betont der OB.

Zur Ermittlung der Ertragspotenziale wurden die – im Anschluss an die Revitalisierung – vermietbaren Flächen mit den dazugehörigen Marktmieten bewertet. Im Falle des ehemaligen Krankenhausgebäudes sei „das Problem“, so das Gutachten, das von den insgesamt 13 450 Quadratmetern nur rund 5000 Quadratmeter effektiv genutzt werden könnten. Große Teile des Objektes seien nämlich Verkehrs- oder Technikflächen, die zwar saniert werden müssen, im Anschluss aber nicht ertragswirksam vermietet werden könnten, wie Eberhardt bereits bei der Pressekonferenz anmerkte.

Neutrale und belastbare Beurteilung eingeholt

Würden noch weitere Kostenpunkte wie nichtumlagefähige Betriebskosten, Instandhaltungskosten und weitere Bewirtschaftungskosten berücksichtigt, so verbleibe ein Kapitalfluss, der im aktuellen Marktumfeld nicht ausreichend sei, um ein marktübliches Darlehen für die Gesamtmaßnahme (Zins + Tilgung) zu tragen. Nach Berechnungen des Gutachtens entstünde bei einer möglichen Nachnutzung ein jährliches Defizit von rund 1,6 Millionen Euro. Indes: „Auf welcher Datengrundlage und Kostenberechnung das Projekt der Investorengruppe basierte, entzieht sich unserer Kenntnis“, erklärt Eberhardt. „Wir als Stadt haben uns um eine neutrale und belastbare Beurteilung eines Experten bemüht und müssen auf dieser Grundlage unsere Entscheidung treffen.“

Noch keine Entscheidung für Ausgestaltung

Zurück zur Quartiersentwicklung: Mit den Verfahren werden sich die politischen Gremien in den kommenden Monaten auseinandersetzen. „Ich möchte noch einmal betonen, dass in der Frage der Ausgestaltung des Quartiers noch keinerlei Entscheidungen getroffen wurden“, so Eberhardt.

„Wir haben lange um die Zukunft des ehemaligen Krankenhauses gerungen und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache“, erklärt der OB, der sich über die Zusicherung des Rheinfelder Gesundheitsvereins freut, die Stadt beim Aufbau eines Gesundheitszentrums an der Römerstraße zu unterstützen. Auch das einstimmige Votum des Aufsichtsrats der Wohnbau für beide Projekte stimmten die Stadt und Wohnbau zuversichtlich.