Konjunktur im Handwerk
: Stagnation statt Frühjahrsbelebung

Nur noch jeder zweite Betrieb im Bereich der Handwerkskammer Freiburg bewertet seine aktuelle Geschäftslage als „gut“. Im Vorjahr lag diese Quote noch bei 72 Prozent. Die Auftragslage geht zurück.
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(red/pm)
Kreis Lörrach
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Eingetrübte Stimmung: Die Hoffnung auf eine bessere konjunkturelle Lage im Handwerk erfüllt sich nicht.

Eingetrübte Stimmung: Die Hoffnung auf eine bessere konjunkturelle Lage im Handwerk erfüllt sich nicht.

amh-online.de
  • Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk Freiburg stagniert – Frühjahrsbelebung blieb aus.
  • Konjunkturindikator fällt auf +15 Punkte, Südbaden liegt dennoch über Landeswert (+2,5).
  • Nur 53 Prozent melden gute Lage, 15 Prozent schlechte; Aufträge und Auslastung sinken.
  • 27 Prozent verzeichnen Umsatzrückgänge, Einkaufspreise steigen, Verkaufspreise oft nicht.
  • Kammer fordert Entlastungen bei Lohnzusatzkosten und weniger Bürokratie für KMU.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das südbadische Handwerk behauptet sich zwar im Landesvergleich, tritt aber weiterhin auf der Stelle. „Eine Situation, die Anlass zur Sorge gibt: Seit drei Quartalen verharrt die Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk auf gleichbleibend niedrigem Niveau“, mahnt Christof Burger, Präsident der Handwerkskammer Freiburg, im Rahmen einer Pressemitteilung mit Hinweis auf die vierteljährliche Konjunkturumfrage der Kammer. Die Handwerksorganisation fordert von der Politik nun große Schritte in die richtige Richtung.

Südbaden steht im Landesvergleich noch gut da

Die Einschätzungen der Handwerksbetriebe zur aktuellen und zur kommenden Geschäftslage haben sich im Vergleich zum Vorjahresquartal eingetrübt. Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer, der Geschäftslage und -erwartungen bündelt, büßte im Vergleich zum Vorjahresquartal (+38,4 Punkte) mehr als 60 Prozent ein und bleibt bei +15 Punkten hängen. Auch wenn Südbaden im Vergleich zu den Landeszahlen (+2,5 Punkte) nach wie vor deutlich besser dasteht, stehen die Zeichen keineswegs auf Entspannung: „Die klassischerweise im Frühjahr auftretende Belebungsphase blieb aus“, so Burger. Der sich weiter ziehende Iran-Konflikt sorgte für steigende Preise für Energie und Materialien – zusätzlich zu den bereits bestehenden Problemen wie zurückhaltendem Konsum, niedriger Bautätigkeit, hohen Arbeitskosten und aufwändiger Bürokratie.

Auslastung der Betriebe stagniert

Nur noch jeder zweite Betrieb (53 Prozent, Vorjahr: 72 Prozent) bewertet seine aktuelle Geschäftslage als „gut“; 15 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahr: 6 Prozent). Die Auftragslage hat sich verschlechtert: 20 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von gestiegenen Aufträgen, fast jeder dritte Betrieb (31 Prozent) hatte mit gesunkenen Auftragseingängen zu kämpfen. Das wirkt sich auch auf die Auslastung der Betriebe aus: Diese stagniert ebenfalls seit drei Quartalen auf eher niedrigem Niveau.

Mehr Umsatzrückgänge als -zuwächse

Bei der Umsatzsituation bietet sich ein ähnliches Bild: Während 20 Prozent der Betriebe einen Umsatzzuwachs vermeldeten, waren 27 Prozent von Umsatzrückgängen betroffen. Besonders belastend ist für viele Betriebe die Preisentwicklung: 78 Prozent der Befragten berichteten über gestiegene Einkaufspreise; nur 41 Prozent der Betriebe konnten ihre Verkaufspreise nach oben anpassen. „Diese Problematik sehen wir seit mehreren Quartalen schon“, so Burger. „Vor diesem Hintergrund ist es als enorme Leistung zu deuten, dass die absolute Mehrheit der Betriebe weiterhin ihre Mitarbeiter halten.“ 79 Prozent der Unternehmen gab an, ihren Personalstand konstant zu halten – 80 Prozent wollen das auch in den nächsten Monaten tun.

Kammerpräsident ruft nach weniger Belastungen

„Dennoch: Ewig können unsere Betriebe diese Daumenschrauben nicht aushalten. Auch dem verlässlichsten Handwerker geht irgendwann die Luft aus“, warnt Kammerpräsident Burger. „Rente, Gesundheit: Bei den Lohnebenkosten liefern die Fachleute größtenteils gute Ansätze. Die Koalition muss nun schnell ins Tun kommen – und dabei Handwerk und Mittelstand als die zentralen Träger dieser Reformen immer mitdenken.“ Sie müssten gezielt gestärkt, aber keinesfalls noch weiter zusätzlich belastet werden. „Wer kleine und mittlere Betriebe zusätzlich belastet, schwächt das Fundament unserer Wirtschaft und riskiert Vertrauen in die politische Handlungsfähigkeit.“ Von den kommenden Entscheidungen der Koalition hänge ab, ob das Handwerk seine unverzichtbare Rolle für Versorgung, Transformation und Wohlstand in Deutschland auch künftig erfüllen kann.

Lohnzusatzkosten sind zu hoch

„Der Sozialstaat muss finanziell zukunftsfest und generationengerecht aufgestellt werden. Dafür sind grundlegende Reformen und ein fairer Beitrag aller erforderlich.“ Gerade das lohnintensive Handwerk stoße jedoch bei den Lohnzusatzkosten an seine Belastungsgrenze. „Anders als international tätige Konzerne können Handwerksbetriebe und ihre Beschäftigten nicht ausweichen. Deshalb müssen die besonderen Bedingungen kleiner und mittlerer Betriebe bei allen Reformen berücksichtigt werden.“