Klassik@5 in Steinen: Von der Romantik bis zu zeitgenössischen Klängen

Das Trio Danzón mit Klarinettist Peter Geisler, der Pianistin Susanne Hagen und der Cellistin Monica Forster Corrêa war wieder zu Gast bei „Klassik @ 5“ in Steinen.
Jürgen ScharfEs ist eine seltene, aber sehr abwechslungsreiche und klangvolle Besetzung, die das Trio Danzón auszeichnet: Klarinette, Cello und Klavier. Da kommt das Beethovensche „Gassenhauertrio“ gerade recht – im Original für diese Besetzung konzipiert: ein heiteres, serenadenhaftes Werk, das am Anfang dieses „Klassik @ 5“-Konzerts in der Aula des Meret Oppenheim-Schulzentrums stand.
Das Beethoven-Werk gibt dem Klarinettisten Peter Geisler Gelegenheit zu viel Bravour und ausdrucksstarken kantablen Passagen. Assistiert wurde er vom warmen Celloton Monica Forster Corrêas und vom klanglich naturgemäß etwas dominierenden Klavier, an dem Susanne Hagen sitzt. Denn Beethoven schrieb bekanntlich nachträglich die Klarinettenstimme für Geige um, machte so ein „übliches“ Klaviertrio daraus. Hier also die Originalfassung, und die war in allen Sätzen bis hin zum populären Thema des Variationensatzes beeindruckend in der Ensemblekultur. Das Trio Danzón ist ein eingespieltes Trio, in dem sich der Klang der Einzelstimmen zu einem schönen Ensembleklang summiert: zupackend, vital und kraftvoll.
Ausflug in das Genre des Klaviertrios
Am Übergang von Barock zur Klassik steht der Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel mit einem ganz eigenen Stil, wie man an drei Miniaturen aus „Sechs Sonaten“ hören konnte. Dargeboten ganz im Wesen der Vorklassik, gespielt mit sorgfältiger Artikulation und kontrastreicher „Sturm und Drang“-Dramaturgie.
Dann „wildern“ sie mit viel Erfolg und Geschick im Genre Klaviertrio. Bei Clara Schumanns Trio g-Moll ist man in der Romantik angekommen. Und die Klarinettenstimme, das war das Überraschende, passte sich dem Klangcharakter der beiden Sätze gut an. Das Trio Danzón, das seit mehr als zehn Jahren zusammenspielt, agiert hier in einer traumwandlerischen Übereinstimmung und voller Lebendigkeit.
Neben klassisch-romantischen Werken ist es den drei Musikern ein Anliegen, auch neuere Kompositionen und Werke populären Charakters in ihr vielseitiges Repertoire aufzunehmen.
Wenn Arvo Pärt auf Mozart trifft
So enthielt ihr aktuelles Programm auch eine seltsame Musik von Arvo Pärt, die wie eine Erinnerung oder wie aus der Vergangenheit herauftönt und doch unmittelbar zeitgemäß anspricht: Pärts „Mozart-Adagio“ von 1992. Es klingt wie eine imaginäre Begegnung zwischen Mozart und Pärt, also zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert, basierend auf einem langsamen Satz aus der F-Dur-Klaviersonate des Wiener Klassikers.
Wie Peter Geisler in seiner Moderation sagte, sei dieses Werk zu einem ihrer Lieblingsstücke geworden. Die Wiedergabe war demnach ehrfurchts- und demutsvoll intim, leise, einfach schön zum Zuhören: ein behutsamer Zugang zu Mozart durch die Brille des Avantgardisten Pärt, der zu einer Kultfigur der Neuen Musik geworden ist.
Unterhaltsam wurde das Konzert dann in Introduktion und Allegro des Ungarn Mátyás Seiber von 1939. Eine ganz eigene Art des Komponierens und wie Geisler anmerkte, spannend zu spielen und zu hören. Man hört die verschiedenen Einflüsse heraus, die ungarische Tradition bis hin zu Bartók, aber auch die leichtere U-Musik.
Der populäre Bereich kam dann zu seinem Recht in einer Bearbeitung zweier traditioneller schottischer Volksweisen aus der Suite „Caledonia“ des englischen Komponisten James Rae, der von Haus aus Klarinettist ist.
Mit fühlbar innerer Anteilnahme spielte das Trio dann noch als Zugabe die erste der zehn (Klavier-)Legenden von Dvorák in einem Arrangement für ihre spezielle Besetzung.
Dieser Sonntagnachmittag war, wie Ingeborg Pallaske vom Verein sagte, der erste Teil eines „Feuerwerks von Events“ in diesem kulturreichen Klassikjahr zum 20-Jährigen, das mit hoch- und erstklassigen Programmen aufwartet.