Kirche in Wyhlen: Heizkissen statt Heizungssanierung?

Jetzt hat sich der Kirchengemeinderat eine eigene Lösung einfallen lassen, die schnell umgesetzt werden könnte: Heizkissen.
Heinz VollmarDie beiden großen Kirchen in Deutschland sehen sich trotz leicht steigender Kirchensteuereinnahmen weiterhin mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert. Dies gilt auch für die evangelische Landeskirche in Baden, die rund 50 Millionen Euro ab dem Jahr 2032 im Jahr einsparen muss.
Entsprechende Verlautbarungen gab es bei der Frühjahrstagung der Landessynode in diesem Jahr. Es ist davon auszugehen, dass der kirchliche Haushalt auch bei der Herbsttagung im Oktober eines der Schwerpunktthemen sein wird.
Davon betroffen ist in Grenzach-Wyhlen auch die evangelische Friedenskirche in Wyhlen. Sie steht auf der „roten Liste“ der Landeskirche, was soviel bedeutet, dass keine nennenswerten Investitionsmittel mehr zur Erhaltung für das 120 Jahre alte Gotteshaus ausgegeben werden, wie der Vorsitzende der evangelischen Kirchengemeinde Wyhlen, Clemens Moser, berichtete.
Ausnahmen sind aber bei Sonderlösungen möglich
Im jüngsten Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinden Grenzach und Wyhlen bezieht sich der Kirchengemeinderatsvorsitzende aber auf Möglichkeiten, die Friedenskirche noch länger in Betrieb halten zu können. Konkret geht es um das von der Landeskirche imitierte Projekt „KNUT“
Dahinter verbirgt sich der Begriff der „KörperNaheUmfeldTemperierung“ (KNUT), der auf ein Förderprogramm der Landeskirche hinweist. Die Landeskirche finanziert mit dem Förderprogramm „KNUT“ den Wechsel von mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizsysteme in Kirchen zu elektrische betriebenen Heizsystemen, da alle Kirchengebäude in den nächsten 20 Jahren auf nicht-fossile Energie umgestellt werden müssen. Clemens Moser wies darauf hin, dass die bisherige Gasheizung in der Friedenskirche bereits über 30 Jahre alt ist, so dass in absehbarer Zeit mit einem Ausfall zu rechnen sei.
Vorteil wäre eine rasche Umsetzbarkeit
Daher habe man sich darauf geeinigt das Förderprogramm „KNUT“ zu nutzen, um den Gläubigen über beheizbare Sitzkissen auf den Kirchenbänken oder über Infrarotstrahler für die Organisten Wärmestrahlung zukommen zu lassen. Die bisherige Gasheizung müsste dann jedoch ausgebaut werden. Auch von Seiten des Oberkirchenrates habe man bereits über das Vorhaben gesprochen, und auch dieser habe zugestimmt.
Die Kirchengemeinde überlege aber noch, ob man die beheizbaren Sitzkissen in der Friedenskirche nicht in Gruppen aufteilen könne, weil die Kirche ja nicht immer voll besetzt sei. Auf diese Weise könne man dann auch Strom sparen, so der Kirchengemeinderatsvorsitzende.
Im Übrigen prüfe man noch, ob man auf dem Kirchendach eine Photovoltaikanlage installieren lassen soll, um auch über die Sonnenenergie die Sitzkissen beheizen zu können.
Sollte man das Vorhaben umsetzen, dann würde auch die Landeskirche die Kosten für die Heizungsumstellung finanzieren. Für eine zusätzliche Installation einer Photovoltaikanlage müssten jedoch die Kirchengemeinde einen Beitrag leisten. Umgesetzt werden könnte „KNUT“ für die Friedenskirche in Wyhlen nach der Zustimmung aller Gremien schon in sechs Monaten, so Moser.