Kanderner Ortsteil feiert Jubiläum
: Dorfgemeinschaft zeigt ihre Stärke

Feuerbach feiert 750 Jahre und 160 Jahre Gesangverein.
Von
Gudrun Gehr
Kandern
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Der Festauftakt in Feuerbach war bestens besucht.

Gudrun Gehr

Dass die Eröffnung des Fests am Samstagabend zum Straßenfeger wurde, ist auch der hohen Mitgliederzahl des Gesangvereins geschuldet. Rund zwei Drittel der 350 Dorfbewohner sind Mitglied im Verein, darunter 30 Aktive. Das Festzelt füllte sich zum Fassanstich durch Ortsvorsteher Björn Trupp, der hier seine entsprechende Premiere mit Bravur bestand. Im Nu spritzte der kühle Gerstensaft, und das 30-Literfass stand zum Zapfen des Freibiers für die durstigen Gäste bereit.

Älter als gedacht

Den Reigen der Festreden eröffnete Ortsvorsteher Trupp. Zunächst löste er ein Rätsel. Er sagte: „Der Gesangverein altert scheinbar schneller als das Dorf. Im Jahr 1975 feierten wir 700 Jahre Ersterwähnung von Feuerbach und 100 Jahre Gesangverein.“ Zwischenzeitlich wurden, den Gesangverein betreffend, neue Dokumente gefunden, wonach dessen Gründung noch weiter zurückreicht und korrigiert werden musste, und zwar auf das Jahr 1865. „Unsere bescheidenen Möglichkeiten werden nicht ausreichen, um all das zu erfassen, was in 750 Jahren geschah“, sagte Trupp.

Der Ortsname von Feuerbach entwickelte sich aus dem keltischen „aufleuchtender Bach“. Die Entwicklung des Ortes war eng mit den kirchlichen Institutionen des Johanniterordens verknüpft. Der Einfluss der Johanniter zeigte sich auch in der aufblühenden wirtschaftlichen Macht von Feuerbach. Bis ins 18. Jahrhundert mussten trotz der Reformation Zinsen an den Orden bezahlt werden. Die Geschichte von Feuerbach streift auch den Bauernkrieg im Jahre 1525. Hier gab es einen örtlichen Führer namens Hans Hammerstein, der den Mut der Bürger verkörperte. Durch die Verwaltungsreform wurde Feuerbach 1974 an Kandern angeschlossen. Mittlerweile hat sich Feuerbach vom landwirtschaftlich geprägten Ort zur Pendlergemeinde entwickelt. Aufgegeben wurden 1972 die Grund- und Hauptschule, danach der Gemischtwarenladen, sogar das einzige Wirtshaus „Rebstock“ schloss zum großen Bedauern 1994. „Aber die Dorfgemeinschaft hat nicht an Stärke verloren, ihr Engagement ist bemerkenswert. Es zeigt sich in vielen Facetten“, erklärte der Ortsvorsteher.

Liebevoll gehütetes Juwel

Bürgermeisterin Simone Penner hatte im Festtagebuch des Ortes eine Bleistiftskizze von Feuerbach gestaltet. „Ich gratuliere zum Geburtstag des Ortes, das sich wie ein liebevoll gehütetes Juwel entlang des plätschernden Feuerbachs ins Tal schmiegt und mit seiner lebendigen Gemeinschaft weit über die Grenzen hinaus strahlt“, sagte Penner.

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Als Geburtstagsgruß gab es von ihr außerdem ein auf alemannisch vorgetragenes Gedicht der Feuerbacher Mundart-Dichterin Luise Katharina Meier, „s Breite-Lieseli“. Mit dem guten „Feuerbacher Roten“ brachte sie einen Trinkspruch aus.

Frauen retten Männerchor

Der langjährige Gesangvereinsvorsitzende Karl-Heinz Deiß blickte auf die Entwicklung des Gesangvereins zurück, der sich zunächst als Männerchor präsentierte. Seit 1956 singen Männer und Frauen gemeinsam, wobei zunächst einige Hürden seitens der Vorurteile der Männer bewältigt werden mussten. „Gott sei Dank blieben die Frauen damals hartnäckig und sangen weiter, den Männerchor gäbe es ohne die Frauen schon lange nicht mehr“, erklärte Deiß.

Tannenkirchs Ortsvorsteherin Birgit Ludin überbrachte Grüße aller Ortsvorsteher der Stadt Kandern. Weitere Grußworte kamen von Pfarrerin Severine Bacigalupo der Kirchengemeinde Oberes Kandertal. Auch Bürgermeister Klaus Köhler, der mit einer Abordnung von der gleichnamigen Partnergemeinde in Feuerbach bei Wiesentheid/Franken angereist war, gratulierte und übergab in einer launigen Ansprache ein Präsent mit fränkischen Bieren und Weinen.

Historisches Fotobuch

Drei Organisatorinnen, Renate Senn, Tanja Michael und Brunhilde Brombacher, hatten in monatelanger Arbeit ein Fotobuch „Feuerbach 1275 – 2025“ mit alten historischen Fotos, Texten und Zeichnungen zusammengestellt. Dieses wurde anlässlich des Festaktes vorgestellt. Das Buch kann über die Ortsverwaltung zum Preis von 95,85 Euro bestellt werden. „Unsere Spurensuche führte uns bis in das Archäologische Institut Rastatt auf der Suche nach einem verschollenen Skelett einer Ausgrabung aus dem Jahre 1952“, sagte Michael.

Die Stadtmusik Kandern unter Leitung von Dirigent Hartmut Katrinski unterhielt mit Melodien quer durch die Notenmappe. Über den zweiten Festtag mit dem historischen Rundgang durch Feuerbach berichten wir noch.