Jugendschutz in Lörach: Stadt will mit Vereinen dem Schutzkonzept den Weg ebnen

Marcel Drayer, Verwaltungsleiter Sportjugend und Bildungsreferent der Badische Sportjugend Freiburg, und Patrick Scheller, Teamleiter Bildung/Soziales/Sport, mit den Teilnehmern des Seminars zum Kinder- und Jugendschutz im Sportverein
Susanne Baldus-SpinglerDie Stadt Lörrach hat erstmals ein von ihr organisiertes Seminar zum Thema Kinder- und Jugendschutz im Sportverein umgesetzt. Sie unterstützt laut eigener Mitteilung damit die Lörracher Sportvereine, das verbindliche Schutzkonzept für die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen im Verein einzuführen.
Das kostenfreie Schulungsangebot richtete sich an alle Lörracher Sportvereine und wurde von Marcel Drayer, Verwaltungsleiter Sportjugend und Bildungsreferent der Badischen Sportjugend Freiburg, geleitet.
13 Teilnehmer aus sieben verschiedenen Sportvereinen, darunter Vorstände, Jugendtrainerinnen und Jugendbeauftragte haben an der Schulung teilgenommen. Ziel des Seminars war es, den Vereinen eine konkrete Hilfestellung bei der Erstellung eines eigenen Schutzkonzeptes zu geben und sie für das Thema Kinderschutz zu sensibilisieren.
Wie in der im Februar vom Gemeinderat verabschiedeten neuen Leistungsvereinbarung mit der Interessensgemeinschaft Lörracher Turn- und Sportvereine (IGTS) angekündigt, unterstützt die Stadt Lörrach die Vereine beim Aufbau verlässlicher Strukturen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Ab dem Jahr 2028 wird die Auszahlung des städtischen Jugendzuschusses in Höhe von jährlich 80 000 Euro an das Vorliegen eines umfassenden Schutzkonzepts gekoppelt. Die Stadt orientiert sich dabei an den Mindestanforderungen der Badischen Sportjugend Freiburg.
Diese fünf Regeln für jeden Verein sind:
1. Positionierung des Vereins: Beschluss für ein Präventions- und Schutzkonzept ist von der Vereinsführung verabschiedet.
2. Ansprechperson: Mindestens eine Person ist für den Jugendschutz benannt und ist Ansprechpartner. Die Kontaktdaten sind auf der Website hinterlegt.
3. Ehrenkodex, erweitertes Führungszeugnis: Das erweiterte Führungszeugnis liegt vor und der Verein nimmt alle drei bis fünf Jahre Einsicht. Unterzeichnung einer Selbstverpflichtungserklärung aller haupt-, nebenberuflichen und ehrenamtlichen Vereinsmitarbeitern.
4. Qualifizierung (Schulung): Mindestens die benannte Ansprechperson für den Jugendschutz hat eine Qualifizierungsmaßnahme besucht und trägt die Informationen in den Verein.
5. Verhaltensregeln: Entwicklung von Verhaltensregeln im Umgang mit Kindern- und Jugendlichen.
Vereine, die diese Kriterien nachweislich erfüllen, können das Schutzschild-Banner der Badischen Sportjugend erhalten und so sichtbar Verantwortung übernehmen.
TV Lörrach in Pionierrolle
Ein solches Schutzkonzept hat der Turnverein Lörrach bereits vollständig erarbeitet. Nach Prüfung durch die Stadt und die Badische Sportjugend wurden alle Anforderungen erfüllt. Als sichtbares Zeichen wurde dem Turnverein Lörrach im Anschluss an das Seminar feierlich das Banner „Schutzschild im und für den Sport“ überreicht.

Der TV Lörrach erhält das Schutzschild-Banner der Badischen Sportjugend als erster Lörracher Verein. Marcel Drayer (l.), Verwaltungsleiter Sportjugend und Bildungsreferent der Badische Sportjugend Freiburg, Kathrin Yueskel, Trainerin und Jugendschutzbeauftragte des TV Lörrach, Patrick Scheller, Teamleiter Bildung/Soziales/Sport
Foto: Susanne Baldus-SpinglerDamit ist der TV Lörrach der erste Verein in Lörrach, der diese Auszeichnung erhält. Die Verleihung übernahm Marcel Drayer. Auch Katrin Yueskel, Trainerin und Jugendschutzbeauftragte des TV Lörrach, nahm an der Schulung teil, obwohl sie bereits mehrere Qualifizierungsmaßnahmen besucht hatte.
„Unsere Sportvereine leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Jugendarbeit in unserer Stadt“, lässt sich OB Jörg Lutz in einer Mitteilung zitieren. Dass so viele Vereinsvertreter ehrenamtlich Verantwortung übernehmen würden, sei keine Selbstverständlichkeit.
Weitere Schulungen
Die Stadt Lörrach will künftig mindestens zwei kostenfreie Schulungs- und Qualifizierungstermine pro Jahr anbieten. Der nächste Termin ist für den 25. September angesetzt. Elf Anmeldungen liegen bereits vor. Eine Anmeldung ist noch bis zum 15. September möglich bei Patrick Scheller, p.scheller@loerrach.de.
Auch wenn die Verknüpfung mit dem Jugendzuschuss erst 2028 in Kraft tritt, appelliert die Stadt an alle Vereine, bereits jetzt mit der Entwicklung eines Schutzkonzeptes zu beginnen. Denn je früher sich ein Verein mit dem Thema auseinandersetze, desto besser sei er für potenzielle Vorfälle gewappnet – und desto sicherer sei der Raum für Kinder und Jugendliche im Verein. Teilnehmende Vereine des ersten Seminars waren: Turnverein Lörrach, TSV Rot-Weiß Lörrach, Turnverein Tumringen, Badminton Club Lörrach, Turnverein Hauingen, Tischtennisclub Lörrach und der Ski Club Rötteln.
Die Stadt freut sich laut Miteilung über das klare Signal aus der Lörracher Vereinswelt: Der Kinder- und Jugendschutz werde ernst genommen – mit Kompetenz, Verantwortung und großem Engagement.
Kurzinfo
Die Stadt
bedankt sich bei allen Teilnehmern: „Wir freuen uns sehr, dass es für unser Angebot bereits zahlreiche Anmeldungen gibt und die Vereine meist sogar mehr als eine Person schicken. Es zeigt, dass das Thema von vielen Vereinen ernst genommen wird und sie die Bedeutung des Jugendschutzes verstehen und mittragen,“ bekräftigt Patrick Scheller, Teamleiter Bildung/Soziales/Sport im gleichnamigen städtischen Fachbereich.