Jugend im Fokus
: Immer mehr Kinder im Kreis Lörrach brauchen Hilfe

Ambulant vor stationär: Diese Strategie fährt der Landkreis in der Jugend- und Familienhilfe. Trotzdem werden die Aufgaben komplexer und teurer.
Von
Regine Ounas-Kräusel
Kreis Lörrach
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In der Jugendhilfe steigen die Ausgaben rasant.

Peter Kneffel/dpa

Für Jugend- und Familienhilfe ist der Landkreis zuständig. Der Jugendhilfeausschuss billigte am 17. Juni den Abschluss für das Jahr 2025 im Teilhaushalt für Jugend- und Familienhilfe, außerdem diskutierte er über den Zwischenbericht für 2026.

Im Jahr 2025 belastete der Teilhaushalt für Jugend und Familien den Haushalt des Kreises mit gut 50 Millionen Euro. Das waren 2,2 Millionen Euro weniger als geplant. 70 Prozent des Geldes seien für ambulante und 30 Prozent für stationäre Hilfen ausgeben worden, berichtete Gerhard Rasch, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familien.

Die Ausgaben für ambulante Hilfen hätten über Plan gelegen, zum einen weil sie in der Strategie des Landkreises Vorrang haben. Zum anderen, weil wesentlich mehr Mädchen und Jungen mit drohender oder tatsächlicher seelischer Behinderung, zum Beispiel aus dem Autismus-Spektrum, eine Schulkind-Begleitung brauchten als geplant. Eingeplant war eine Begleitung von 132 Kindern im Jahresdurchschnitt, tatsächlich waren es im Schnitt 187 Kinder.

Negatives Ergebnis

Für den Haushalt im Jahr 2026 erwartete Fachbereichsleiter Rasch ein negatives Ergebnis. Vor allem in der Schulbegleitung rechnete er mit steigenden Fallzahlen und „explodierenden“ Kosten (Mehraufwand 2,2 Millionen Euro): Tatsächlich haben bis Ende 2026 haben bereits 232 Kinder Schulbegleitung erhalten – weit mehr als 2025. Diese Entwicklung sei in ganz Baden-Württemberg zu beobachten, so Rasch. Laut Sitzungsunterlagen braucht der Landkreis insgesamt mehr Geld für die Eingliederungshilfe von Kindern mit seelischer Behinderung.

Die meisten Bereiche der Jugend- und Familienhilfe entwickeln sich planmäßig. Gleichzeitig gibt es immer mehr junge Klienten, die eine intensive Begleitung brauchen, oft im Setting eins zu eins, wie Rasch schilderte. Insgesamt sei die Belastung für das Fachpersonal hoch. Die Mitarbeiter stießen an ihre Grenzen und fühlten sich teilweise von Klienten bedroht. Laut Sitzungsunterlagen erhalten derzeit 51 Familien Erziehungshilfe und nicht nur 44 Familien, wie geplant. Mehrkosten 220 000 Euro. Das sei auf Fälle mit intensiver Begleitung zurück zu führen, um eine stationäre Unterbringung von Kindern und Jugendlichen zu vermeiden, heißt es.

Auch die Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit seelischen Behinderung sei oft intensiv und teuer. Mehraufwand in 2026 voraussichtlich 250 000 Euro.

Deutlich mehr Ausgaben

Auch für die stationäre Unterbringung von jungen Klienten muss der Landkreis laut Sitzungsunterlagen immer mehr Geld bezahlen. Wegen „immer komplexer werdender Bedarfslagen“ würden Einrichtungen der Jugendhilfe junge Leute immer häufiger ablehnen oder ihre Betreuung beenden. Dann müsse der Landkreis sie in teuren Spezialeinrichtungen unterbringen oder eine ergänzende Unterstützung organisieren.

Bei der Betreuung von UMA (unbegleiteten Minderjährigen Ausländern) halten sich laut Unterlagen Ausgaben und Einnahmen, wozu Gelder vom Land zählen, die Waage. Bei anderen Leistungen der Jugendhilfe gehen die Ausgaben sogar zurück. Zum Beispiel nehmen immer weniger Familien die Vermittlung von Kindern in die Tagespflege in Anspruch. Bernhard Escher (CDU) sah die hohen Ausgaben für die Schulkindbegleitung mit Sorge. „Wir können auf Dauer nicht jedem Kind eine pädagogische Fachkraft an die Seite Stellen“, sagte auch Margarete Kurfeß (Grüne). Sie begrüßte, dass die Gesetze inzwischen auch „Poollösungen“ zulassen, also die Betreuung mehrerer Kinder durch eine Fachkraft.

Fachpersonal stark belastet

Ausschussmitglieder griffen auch Gerhard Raschs Schilderungen auf, dass immer mehr Jugendliche eine intensive eins zu eins Begleitung bräuchten und dass das Fachpersonal stark belastet sei. Sie betrachte mit Sorge, dass eine Minderheit von Jugendlichen soziale Grundfähigkeiten nicht beherrsche, sagte Gabriele Weber (SPD). Sie sah das als Folge der Digitalisierung und der Corona-Pandemie.

Offen blieb die Frage, in welchem Umfang der Landkreis Leistungen der Jugend- und Familienhilfe an andere Träger vergeben sollte.