Jahresrückblick Lörrach
: Markus Moehring: Endlich Zeit für Frühstück und Enkelkind

Der Vorsitzende des Museumsvereins Lörrach und ehemalige Museumsleiter Markus Moehring blickt zurück – und voraus.
Von
Markus Moehring
Lörrach
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Auf zu neuen Ufern: Markus Moehring

Bernhard Konrad

Ob es mir schwerfalle, nicht mehr Museumsleiter zu sein, werde ich noch immer gefragt – obwohl Jan Merk das Dreiländermuseum bereits zweieinhalb Jahre leitet. Das Museum sei doch mein Leben gewesen. „Nein, ich bin froh!“, antworte ich regelmäßig. „Erst jetzt merke ich, wie groß die Herausforderungen täglich waren, wie gut mir Entlastung und Abstand tun.“

Ich genieße das gemütliche Frühstück, habe mehr Zeit, meine Partnerin zu ihren Kunstausstellungen zu begleiten, meine Tochter in Esslingen zu besuchen und meine Enkelin in Freiburg: Kurz nach Übergabe der Museumsleitung wurde ich Opa!

Das Reisen genießen

Urlaub kann ich nun ohne Nachtschichten davor und danach im Museum genießen. Spannend war dieses Jahr unsere dreiwöchige Zugreise durch Polen. Mit polnischen Historikerkollegen bin ich tief und sehr persönlich in die deutsch-polnische Geschichte eingetaucht und ihre Wirkung auf die beiden Länder heute. Bewegt hat mich das Kriegsende vor 80 Jahren, weil Tabus und Traumata, oft unbewusst, noch so stark nachwirken. Auf meine Vorträge dazu in den drei Ländern rund um das Rheinknie erhielt ich sehr berührende Reaktionen. Es ist ein Privileg, nun Raum zu haben, auch solchen Gefühlen nachzugehen.

Dass ich all dies genießen kann, liegt wesentlich auch an meinem kompetenten Nachfolger als Museumsleiter. Jan Merk besitzt als Museumsmann überregional viel Erfahrung. Als gebürtiger Lörracher kennt er das Dreiland – ein Glücksfall für unsere Stadt und die Region. Dabei sind mir die vielen Baustellen, die ich ihm hinterlassen habe, sehr bewusst: Im neu errichteten Museumsdepot musste der reguläre Museumsbetrieb erst aufgebaut werden.

Die über 20 Jahre alte Dreiländerausstellung braucht eine umfassende Überarbeitung. Besondere Kompetenzen erfordern darüber hinaus die beiden von Lörrach aus betreuten oberrheinweiten Netzwerke der Museen und der Geschichtsvereine – eine grenzüberschreitende Herausforderung, die so kein anderer Museumsdirektor hat.

Weil mir das Dreiländermuseum weiter sehr am Herzen liegt, war ich 2023 bereit, den Vorsitz des Museumsvereins zu übernehmen. Inge Gula suchte einen Nachfolger, niemand sonst wollte dieses Amt. Ich habe großen Respekt vor den großen Leistungen des Museumsvereins in seiner fast 100-jährigen Geschichte und freue mich über die vertrauensvolle Zusammenarbeit im elfköpfigen Vorstand: Willi Schwaibold sorgt für solide Vereinsfinanzen; Monika Geigle organisiert Exkursionen; mit Ulrike Krämer, Christiane Cyperrek und Sabine Ehrentreich sind drei große Gemeinderatsfraktionen vertreten.

In einer neuen Rolle

Klar ist, dass sich meine Rolle als Vereinsvorsitzender fundamental von der des Museumsleiters unterscheidet. Es geht darum, die Weiterentwicklung des Museums zu unterstützen, alle Entscheidungen aber allein dem Museum zu überlassen. So hat der Museumsverein beschlossen, Finanzen für die neue Dreiländerausstellung bereitzustellen, redet aber nicht hinein bei Konzeption und Umsetzung.

Unterschätzt habe ich den großen organisatorischen Aufwand, den über 300 Mitglieder und das reiche Vereinsprogramm für mich bedeuten. 2025 boten wir Ausstellungsbesuche in Bern, Stuttgart, Freiburg, Murten, Schaffhausen, Baden-Baden und Zürich an. In Straßburg wurden wir im Europarat und Gerichtshof empfangen. Wichtig waren auch die nähere Region und die Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen – bei Exkursionen nach Maulburg, Bürgeln, Müllheim oder ins Tagebuch-Archiv Emmendingen. In Basel folgten wir den Spuren von Erasmus von Rotterdam und hatten eine Führung im Roche-Turm.

Traditionell setzt sich der Museumsverein für Lörrachs historische Gebäude ein. Schon vor Jahrzehnten gab er ein Buch zu Lörrachs historischen Bauten heraus und stiftete das Laeuger-Relief an der Bonifatiuskirche. 2025 wehrte sich der Verein gegen den Abriss der ehemaligen Schokoladen-Fabrik Suchard und organisierte dazu mehrere Veranstaltungen.

Weiterhin aktiv

In Vorbereitung sind, gemeinsam mit dem Dreiländermuseum, historische Beschriftungen für wichtige Lörracher Gebäude. Mit beachtlichen finanziellen Mitteln ermöglichte der Museumsverein den Museumsfonds der Bürgerstiftung Lörrach. Einziger Stiftungszweck ist die Erweiterung und Pflege der Museumssammlung, um wichtiges Kulturgut zu erhalten. Als Stiftungsrat der Bürgerstiftung freue ich mich über die gute Zusammenarbeit. Auch hier gilt eine klare Arbeitsteilung: Der Museumsfonds finanziert, das Museum entscheidet über Ankäufe.

Ohne wie früher einen straffen Zeitplan einhalten zu müssen, kann ich nun Weihnachten genießen. Drei Generationen werden mein Zuhause sehr lebendig machen.