Historie von Efringen-Kirchen: Museum in der Alten Schule mit ungewisser Zukunft

Die Zukunft des Museums in der Alten Schule ist ungewiss. Das Gebäude wird von vielen Vereinen genutzt.
Beatrice EhrlichDie Zukunft des Museums ist ungewiss, zumal es in wenigen Wochen seine langjährige Leiterin Maren Siegmann verliert. Der Gemeinderat Efringen-Kirchen hat im Februar 2024 entschieden, das Museum in der Alten Schule aus Gründen des Brandschutzes zu schließen. Ein zweiter Fluchtweg würde einen sechsstelligen Betrag kosten. Dennoch sollte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung über ein Sammlungskonzept beschließen, was allerdings vertagt wurde.
Doch schon vor der jüngsten Sitzung war den Vorlagen zufolge klar, dass Gemeinderat, Verwaltung und Museumsleiterin Maren Siegmann unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Ihr Ziel sei ein eigenständiges Profil, dass sich von Dorfmuseen in der Nachbarschaft abhebe, wie sie vor den Gemeinderäten erklärte.
Aus ihrer Sicht sei es unerlässlich, aus jedem der Teilorte Efringen-Kirchens Exponate in der Sammlung zu bündeln. Priorität hat für sie die Geschichte der einzelnen Ortschaften, die alle ihre Eigenheiten hätten. Das Sammlungskonzept solle auch der Orientierung ihres potenziellen Nachfolgers dienen.
Das frühere jüdische Leben vor Ort, das sich bereits im 16. Jahrhundert nachweisen lasse, müsse die Sammlung ebenfalls widerspiegeln. Recherchiere man über das frühere Alltagsleben in der Reblandgemeinde, käme man immer wieder auf den Rhein, schildert die Museumsleiterin. Der Fluss als Lebensader sei deshalb ein weiterer Schwerpunkt, den das Konzept berücksichtigen sollte.
Weiterhin führt sie das Thema Geologie in ihrer Themenliste auf, mit dem Isteiner Klotz sowie dem Abbau von Kalkstein. Die Lage der Gemeinde an einer wichtigen Verkehrsachse, der Weinbau sowie bekannte Einwohner will Siegmann ebenso im Museumskonzept verankert wissen.
Dass das Thema Weinbau bereits im Nachbarmuseum stark im Fokus präsentiert werde, erklärte Bürgermeisterin Carolin Holzmüller in der Sitzung die Haltung der Verwaltung. Auch Biografisches sei in deren Konzept kein Schwerpunkt, ansonsten stimmt die Themenauswahl aber überein, auch mit der Liste des Gemeinderats.
Einst hatte das Museum im Mai 1993 eröffnet, nachdem sich der Förderkreis im Oktober 1990 gegründet hatte. Im September desselben Jahres war das Museum in der Alten Schule eingeweiht worden. Verena Alborino war die erste Museumsleiterin und damit die Vorgängerin von Maren Siegmann .
Ein Schwerpunkt des Museums ist die Abteilung „Frühgeschichte“ mit einem Modell des steinzeitlichen Jaspisbergwerks von Kleinkems. Der Förderkreis sorgte dafür, dass das Bergwerk eine Besucherattraktion wurde, heißt es im Jahr 2020 in der Festschrift zur Feier des 30-jährigen Bestehens des Museumsvereins.

Maren Siegmann im September 2024 bei einem Vortrag im Markgräfler Museum in Müllheim (Archivfoto).
Foto: Alexander Anlicker„Wir haben viele Ausstellungen finanziell und organisatorisch unterstützt – sehr erfolgreich waren dabei 1994 ‚Dies und das aus dem Museumsbestand‘, die Textilausstellung ‚Obe-drüber Unte-drunter‘ 1997 und 1998 die Eisenbahnausstellung ‚Zug um Zug‘“, erinnert sich Helga Meier in der Festschrift, die bis März die Fördervereinsvorsitzende war. Auf großes Interesse seien auch die von Maren Siegmann kuratierten und vom Förderkreis unterstützten Ausstellungen, so etwa 2011 die Ausstellung „Über den Rhein: Die Römer, der Rhein, die Straßen und Kleinkems“ oder die Sonderausstellungen im Rathaus-Foyer zu 900 Jahre Welmlingen und Efringen und 2014 zum Isteiner Klotz, heißt es weiter.
Weiterbetrieb sichern
Nun blickt das Museum in der Alten Schule in eine ungewisse Zukunft. Deshalb fände es Maren Siegmann auch sinnvoll, zunächst „aufzugleisen, wie das Museum weiterbetrieben werden soll“ und erst danach ein Sammlungskonzept auszuarbeiten. Auch Kevin Brändlin (FDP/Freie Bürger) stellte die Frage, warum ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da das Museum am existenziellen Wendepunkt stehe, ein Konzept erstellt werden müsse, das es 30 Jahre lang nicht gegeben habe. Er regte an, zuerst mit den „Leuten zu sprechen, die sich Jahrzehnte für die Museumsarbeit engagiert haben und Ahnung davon haben“.
Entscheidung vertagt
Siegmann schlug gar eine Bürgerbeteiligung vor, die Holzmüller abwies: „Wir sind hier nicht in der Schweiz, sondern in einer repräsentativen Demokratie, deshalb entscheidet der Gemeinderat.“ Und der will zunächst den Kontakt zum Förderkreis suchen, weshalb sich SPD-Fraktionssprecher Karl-Friedrich Hess erkundigte, ob es bereits Gespräche gegeben hätte. Am Ende waren sich die Gemeinderäte einig, die Entscheidung über das Sammlungskonzept zu vertagen.