Handwerk in Lörrach: Bodenständig, vielseitig, kreativ

Landrätin Marion Dammann und Kreishandwerksmeister Martin Ranz eröffneten die Ausbildungsmesse „Handwerk25“ im Lörracher Burghof.
Alexandra GünzschelMehr als 1000 Besucher hatten sich bereits im Vorfeld angemeldet. Ganze Schulklassen waren mit ihren Lehrern gekommen. Den ganzen Tag über herrschte um den Burghof herum ein reges Treiben.
Offiziell eröffnet wurde die vierte Ausbildungsbörse des Handwerks von Landrätin Marion Dammann und Kreishandwerksmeister Martin Ranz. Nachdem die „Handwerk“ zuletzt durch die Gewerbeschulen getingelt war, gab es diesmal mit dem Burghof einen zentralen Veranstaltungsort mit mehr Flair.
„Der goldene Boden des Handwerks wird wieder mehr gesehen“, vermutete die Landrätin angesichts des Andrangs. Als Handwerker könne man am Ende des Tages noch sehen, was man geschafft hat, warb sie für die bodenständigen Berufe, in denen auch Klimaschutz konkret umgesetzt werde. Das Handwerk sei nah am Kunden und seinen Wünschen. Die jungen Leute ermutigte sie, sich ausgiebig umzuschauen und dabei im Idealfall ihren Traumberuf zu finden.
Ranz konnte verkünden, dass der Kammerbezirk Freiburg im vergangenen Jahr einen Zuwachs von acht Prozent an Lehrstellen zu verzeichnen hatte. Vielleicht galten deshalb seine letzten Dankesworte den „Hauptpersonen des Tages“, den vielen jungen Gästen der Messe.
An zentraler Stelle hatte die Schreinerinnung beeindruckende Gesellenstücke ausgestellt. Die Messebesucher konnten sich an einer Abstimmung beteiligen. Am Nachmittag fand die Prämierung der selbst geschreinerten Möbel statt.
Mit Sonja Heidekrüger befand sich unter den Absolventen auch eine spätberufene Tischlerin. Die diplomierte Sportlehrerin fand ihre zweite Berufung über das Heimwerken.
„Ich hatte schon immer ein Faible für Holz“, erklärte sie vor ihrem Gesellenstück, einem filigranen Couchtisch mit verspielten Elementen, der ein wenig wie ein Flügel wirkt. Mit Ende 40 absolvierte Heidekrüger einen einjährigen Lehrgang an der Berufsfachschule und traf danach beim privaten Hausbau auf ihren späteren Arbeitgeber, der ihr eine zweijährige Ausbildung anbot. Fortan wird die Steinenerin bei HD Holz Handwerk in Maulburg arbeiten.
Gegenüber präsentierte sich die Friseur-Innung Lörrach beim gemeinsamen Puppenkopffrisieren. Da Friseure zum Wochenende hin zumeist ausgebucht sind, ließen sich einige von Angehörigen der Gewerbeschule Schopfheim vertreten. „Es ist uns wichtig, unser Handwerk an junge Menschen heranzutragen“, sagte Obermeister Peter Hauth. Er wies auf ein besonderes Jubiläum im kommenden Jahr hin. Dann nämlich wird die von dem gebürtigen Todtnauer Karl Ludwig Nessler erfundene Dauerwelle 120 Jahre alt. Was viele nicht wissen: Auch die ersten künstlichen Wimpern hat Nessler erfunden.
Die angehende Friseurin Lilli Gütlin ist sich sicher, den richtigen Beruf gewählt zu haben. „Jeder Kunde kommt mit seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen“, erklärte sie. Die Arbeit sei sehr vielfältig. Joschua Barkowski lernte seinen späteren Chef über ein Schulprojekt kennen. Er baute einen Pizzaofen. Nun befindet er sich im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Ofen- und Luftheizungsbauer.
„Wir sind für Feuer im Wohnraum zuständig“, erklärte Obermeister Sven Ohoven das Berufsbild in aller Kürze. Am Stand gegenüber warb die Handwerkskammer Freiburg mit möglichen Auslandserfahrungen während der Ausbildung. Eine Ausbildung zum Stuckateur oder Trockenbauer sei derzeit leider nicht so gefragt, bedauerte Obermeister Dietmar Fuchs. Dabei sei die Arbeit sehr kreativ und vielfältig, aber eben auch sehr körperlich. Bei der Gewerbeschule Schopfheim konnten Interessierte eine handgeführte CNC-Fräse ausprobieren. Die sei wesentlich erschwinglicher als die großen Maschinen, erklärte Werkstattleiter Dieter Rümmele. Milan Bauer, Tischler im dritten Lehrjahr, kannte sich aus mit dem Gerät und leitete die experimentierfreudigen Besucher an. Einen Tisch weiter zeigte Alexander Schritz, Lehrer an der Gewerbeschule, Wege auf, wie Handwerker zu Managern werden können. Denn Führungskräfte würden auch im Handwerk händeringend gesucht, wie er betonte.