Haltinger baut Schiffsmodelle: Schiffe sind mit Leben gefüllt

Manfred Lamm vor den Modellen der Segelschiffe „Le Soleil Royal“ (l.) und „San Felipe“
Alexander AnlickerVon der Bilge bis zur Großmastspitze: Manfred Lamm haucht seinen Schiffsmodellen Deck für Deck Leben ein. Er baut nicht nur Modelle von historischen Segelschiffen, sondern sorgt mit selbst gegossenen Zinnfiguren auch Deck für Deck für die nötige Besatzung. Bis zu 240 Figuren sind auf seinem größten Modell der „La Couronne“ – das Schiff des französischen Königs Louis XIV. – zu finden. Diese werden aber nicht einfach nur auf die einzelnen Decks gestellt, sondern sind auch immer beschäftig und halten beispielsweise ein Seil.
Die „Couronne“ ist sein größtes und auch schwerstes Schiff. Rund dreieinhalb Jahre hat er daran gearbeitet. Statt vor dem Fernseher zu sitzen, verbrachte er jeden Feierabend fünf bis sechs Stunden in seiner Werkstatt und arbeitete an seinen Modellen. Der Modellbauvirus hat ihn 1968 infiziert, in mehr als fünf Jahrzehnten hat er fast 40 Modelle gebaut. Sein Lieblingsstück ist die „San Felipe“, ein spanisches Kriegsschiff, das 1690 vom Stapel gelaufen ist. Vor allem die prunkvollen Verzierungen am Schiff haben es Lamm angetan, der als gelernter Graveur das nötige Fingerspitzengefühl mitbringt. Auch an der „San Felipe“ hat er gut zwei Jahre lang gearbeitet. Die Schiffe baut er nach Originalplänen, die er auf den jeweiligen Maßstab herunterrechnet. Alle Schiffe sind übrigens schwimmfähig, betont der Modellbauer.
Angefangen hat es im Werkunterricht in der Schule. Buchstützen aus Holz seien ihm zu einfach gewesen, sagt er. Daher habe er mit dem ersten Schiffsmodell begonnen. Einem hölzernen Schiffsrumpf, Zwischendecks aus Pappe und Klarlack. Dem Material Holz ist er treu geblieben. Die meisten Modelle bestehen aus Nussbaumholz. Dieses werde gekocht und in Form gebracht, erklärt er.
Lamm bestückt aber nicht nur die Schiffsmodelle mit Zinnfiguren. Einmal mit dem Zinngießen angefangen hat er auch verschiedene Dioramen erstellt. Eines davon zeigt die Schlacht bei Waterloo und zählt rund 2500 Figuren. Alle von Hand gegossen und mit viel Liebe zum Detail von Hand bemalt. Dabei orientiert er sich an historischen Figuren und Waffen.

Diorama mit Napoleon auf dem Arc de Triomphe in Paris
Foto: Alexander AnlickerSo zählt die Sammlung des 73-Jährigen historische Uniformen und Säbel aber auch Literatur über Seeschlachten und eine Bildersammlung von berühmten Piraten von Drake bis Störtebeker.
Am Samstag und Sonntag, 19. und 20. Juli, holt Lamm seine Modelle aus Keller und Wohnzimmer um sie im Hof und im Garten seines Hauses der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Ausstellung öffnet an beiden Tagen um 10 Uhr und ist bis gegen 19 Uhr zu sehen. Drei Helfer aus dem Freundeskreis unterstützen ihn, die doch recht schweren Modelle zu transportieren, erklärt er. Neben den Modellen sind auch historische Uniformen und mehr zu sehen. Nachmittags findet zudem eine Lesung statt. Seine Lebensgefährtin Gordana Arapovic liest aus ihrem Buch. Außerdem gibt es einen Ausschank mit Kaffee und Kuchen sowie kalten Getränken. Darüber hinaus gibt es einen kleinen Flohmarkt. Unter anderem will Lamm seine umfangreiche Sammlung an Fotoapparaten, Filmprojektoren und Filmen verkleinern.