Grenzacher Zeitgeschichte
: Wladislaw Wielgo starb, weil er ein Mädchen liebte

Das Denkmal für den von den Nazis 1941 ermordeten Wladislaw Wielgo am einstigen Standort der sogenannten „Polenbuche“ ist renoviert worden.
Von
Uwe Thomes
Grenzach Wyhlen
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Der Gedenkstein für den 1941 von den Nazis ermordeten polnischen Fremdarbeiter Wladislaw Wielgo präsentiert sich in neuem Gewand. Verantwortlich für die damit verbundene Arbeit zeichneten Philipp Kock (links) und Tilo Kratz.

Uwe Thomes

Bernhard A. Greiner, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Grenzach-Wyhlen, stellte das renovierte Denkmal für Wielgo dieser Tage offiziell vor..

An der Ecke Bettinger Straße und Talmatten in Grenzach befand sich bis Anfang März 2012 dieser heute im örtlichen Volksmund „Polenbuche“ genannte Baum, der mit einem schrecklichen Ereignis der Grenzacher Vergangenheit behaftet war. Am 26. August 1941 wurde dort der 25-jährige polnische Fremdarbeiter Wladislaw Wielgo von der Gestapo erhängt.

Seine deutsche Geliebte kam ins KZ

Sein Verbrechen? Als sogenannter slawischer „Untermensch“ war er eine Liebesbeziehung eingegangen mit der Grenzacherin Berta Liesenfeld – eine „Rassenschande“ in den Augen des Nazi-Regimes. Berta wurde an der „Ziel“-Kreuzung mit dem um den Hals gehängten Schild „Ich habe mit einem Polen verkehrt“ an den Pranger gestellt und danach ins KZ Ravensbrück deportiert, wo sie bis zum Kriegsende inhaftiert blieb, körperlich misshandelt und zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Die Buche musste allerdings vor wenigen Jahren gefällt werden, weil ein Pilz die Stabilität des Baumes und damit die Sicherheit der Bürger bedrohte. An ihrem Standort wurde im Juni 2017 ein von Thea Schöllermann gestifteter Gedenkstein für Wladislaw Wielgo errichtet als Zeichen der Erinnerung, des Mahnens und des Gedenkens, und mit einem feierlichen Festakt eingeweiht.

Begriff „Polenbuche“ ist eher ungeeignet

Im Gedenkstein war nicht nur die unsägliche Geschichte des schrecklichen Ereignisses eingemeißelt, er enthielt zudem eine Baumscheibe jener Buche. Zwei weitere, damals von Willi Halfter gerettete Baumabschnitte befinden sich an der Grenzacher Römervilla.

Vor zwei Jahren entstand die Idee, die im Gedenkstein eingeklebte Baumscheibe zu konservieren. Inzwischen hat Malermeister Philipp Kock sie in Gießharz eingebettet, mit UV-Schutzmittel und Auto-Klarlack behandelt, und der handwerklich begabte Tilo Kratz vom Vorstand des Heimatgeschichtsvereins hat für den Guss die Form gebaut.

„Die Arbeit war gar nicht so aufwendig“, sagten beide übereinstimmend bei der Neu-Einweihung des frisch sanierten Denkmals. „Für die Erstellung der Form brauchte es die entscheidende Idee“, ergänzt Kratz.

Kock kommentierte seine Arbeit mit „Es braucht Geduld“ und meinte damit die jeweils 48 Stunden dauernde Aushärtung bei vier Gussvorgängen. Befestigt ist die Gussform mit der Baumscheibe darin durch in den Stein eingedrehte Gewindestangen.

Seitens des Vereins für Heimatgeschichte würde man sich übrigens wünschen, dass zukünftig besser vom „Wielgo-Denkmal“ und nicht mehr von der „Grenzacher Polenbuche“ gesprochen wird, um die Diskriminierung des Opfers nicht länger – wenn auch unbeabsichtigt – verbal fortzusetzen.