Grenzach-Wyhlen und Pietrasanta: Erinnern, um nicht zu vergessen

Groß und Klein feiern ein historisches Datum – die Befreiung von Faschismus und Nationalsozialismus.
Heinz VollmarMit einer Gedenkveranstaltung am Kriegerdenkmal auf der Piazza Dello Statuto und einem Schweigemarsch zum ehemaligen Rathaus auf der Piazza Giacomo Matteotto erinnerte die italienische Partnergemeinde Pietrasanta am vergangenen Freitag an die Befreiung vom Faschismus und Nationalsozialismus vor 81 Jahren.
Bei der Gedenkveranstaltung erinnerte die stellvertretende Bürgermeisterin von Pietrasanta, Francesca Bresciani, im Beisein von Kriegsveteranen und Überlebenden auch an das von Truppen der Waffen-SS an der Zivilbevölkerung verübte Massaker am 12. August 1944 in Sant’Anna, einem Dorf in der Gemeinde Stazzema. Damals töteten deutsche Soldaten der Waffen-SS mehr als 560 Männer, Frauen und Kinder in dem unweit von Pietrasanta gelegenen Bergdorf.
Die Gedenkveranstaltung stand unter dem Motto „Ricordare, non dimenticare“, was so viel bedeutet „erinnern, um nicht zu vergessen“ und war begleitet von einer Ausstellung im ehemaligen Rathaus von Pietrasanta.
Schweigemarsch
Dorthin führte am Freitag auch der Schweigemarsch, der von offiziellen Vertretern der Kommune, so auch im Beisein der Verantwortlichen für Städtepartnerschaften, Vertretern der Polizei und Überlebenden des Massakers. Gleichzeitig beteiligte sich auch eine Schülergruppe aus Pietrasanta an der Veranstaltung, um sich im Rahmen ihrer Schulausbildung mit den Geschehnissen im Jahr 1944 zu beschäftigen.
Von deutscher Seite waren das Musiker-Ehepaar Maren und Host Westermann bei der Gedenkveranstaltung dabei. Sie gründeten im Jahr 2002 eine Initiative zur Wiederherstellung der Orgel in der kleinen, von deutschen Truppen zerstörten Kirche von Sant’Anna. Sie sammelten mit Hilfe von Benefizkonzerten Spenden, und am 29. Juli 2007 konnte die Orgel feierlich wieder in Betrieb genommen werden.
Die Initiative stand damals unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Johannes Rau und Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi.
Im Gespräch mit Bresciani erklärte sie, dass entsprechende Gedenkveranstaltungen in vielen Orten der der Toscana alljährlich stattfinden würden, um an das Ende des Krieges, das Ende von Faschismus und Nationalsozialismus und auch um an die Befreiung durch amerikanische Truppen zu erinnern. Diese würden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden, weil es auch lokale Unterschiede im Hinblick auf die Befreiung gab.
Keiner der Täter bestraft
Am 24. März 2013 besuchten auch der damalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano den Ort Sant’Anna di Stazzema und gedachten der Opfer des Massakers. Gauck sagte damals, dass es das Empfinden für Gerechtigkeit verletze, wenn Täter nicht überführt und bestraft werden könnten, weil die Instrumente des Rechtsstaates dies nicht zuließen.
Letzteres war auch bei der Gedenkveranstaltung am Freitag erneut Thema, denn zahlreiche namentlich bekannte Täter wurden in Italien zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.
Deutschland lieferte die verurteilten Kriegsverbrecher jedoch nicht aus und vollstreckte die Urteile auch nicht selbst, so dass keiner der Verurteilten bestraft wurde und ins Gefängnis musste.