Gelungene Feier in Kandern: Zum Jubiläum sammelt der TSV für eine neue Ringermatte

Ein Teil der Ringer-Familie (v. li.): Manuela Kühner, Olcan Duman, Felix Anselm, Milian Zambo, Fabian Kühner, Alina Weber, Melanie Bechtel, Phil Sütterlin, Tom Vollmer, Constantin Scheidbach und Maik Scheurer.
Ines BodeDie Ringer des TSV Kandern seien nicht nur eine Abteilung, „vielmehr ist der Sportverein Institution, Familie und Treffpunkt“, so die Worte des Vorsitzenden Maik Scheurer an der Feier anlässlich des 75-jährigen Bestehens im Mühlischopf.
Darüber hinaus zeugten Bilderschau und Kommentare von der „Leidenschaft, dem Ehrgeiz und dem Miteinander“ der Ringer in all den Jahren. Hinzu kam eine sportliche Prise Humor. So habe der Motor Alfred „Freddi“ Richter vor 75 Jahren dem SV Freiburg-Haslach eine uralte Matte für die damals horrende Summe von 250 Mark abgekauft, um sich noch ewig über das Geschäft zu ärgern. Auch aktuell gehe es um eine Matte, wies Scheurer hin. Allerdings eine neue, die zusammen mit der Schutzplane etwa 20 000 Euro kosten werde. Dazu sei auf der Homepage eine Aktion angelaufen, an der sich jeder beteiligen könne (www.tsvkandern.de).
In der Anfangszeit gab es mehrere Hürden: Per Velo ging es in die Bergregion Gresgen und Zell, um Kämpfe mit den Gegnern auszutragen – hügelige vierzig Gesamtkilometer wurden mit Muskelkraft bewältigt. Als „warm up“, wie man heute sagen würde. Auch die Methoden zum Abnehmen, um die Gewichtsklasse zu präsentieren, konnten sich sehen lassen. Lästige Pfunde verschwanden wohl auf zweierlei Art: Zum einen ließ der Trainer seine Athleten nach Liel und zurück rennen. Zwischendurch wurde die Waage konsultiert. Zum anderen durften die Ringer bei Freddi daheim in Liel in eine Wanne mit 40 Grad heißem Salzwasser steigen. Wer immer noch zu schwer war, musste dickverpackt vor dem Ofen schwitzen, so die Legende.
Völlig freiwillig indes habe er sich von 82 Kilo auf 68 runtergebracht, erzählte Günter Jurth in einem Filmbeitrag. Sein Ziel sei die Veteranen-Weltmeisterschaft in Toronto 1993 gewesen. Mit Gold kehrte er zur Ringer-Familie zurück. Jurth holte auch 1965 den ersten Deutschen Meistertitel. Weitere folgten: 1998 siegte Markus Weber, von 1998 bis 2001 Melanie Bechtel, 2005 und 2007 siegte Erik Maurer, 2017 Jennifer Wagner, 2021 Alina Weber und 2023 Luisa Schwald. Melanie Bechtel wurde zudem im Jahr 2000 Europameisterin.
Bereits in den 1990er Jahren etablierte sich das Damen-Ringen. Und mit Manuela Kühner bekleidet heute eine Frau das Amt der zweiten Vorsitzenden. Jeweils vier Frauen und Männern sind im Vorstand.
Auch sportlich entwickelte sich der Verein: Bis 1994 holten die Ringer vordere Plätze, 1995 kam der Aufstieg in die Regionalliga. Heute, konkret seit 2023, präsentiert Felix Anselm seinen Heimatverein im Bundeskader. Alina Weber kämpft seit 2022 im Landeskader. Der Nachwuchs sei die Stütze und die Zukunft des Vereins, hieß es, teils seien es Nachkommen der Erstgeneration. Die „jungen Wilden“ schafften 2021 den Aufstieg in die Landesliga. Aktuell ringe das Team in der Oberliga Südbaden, erklärte Scheurer. Ziel sei der Klassenerhalt. Zudem prophezeite er, dass von den Athleten bald nationale Titel geholt werden.
Im Durchschnitt sei die motivierte Truppe 20 Jahre alt. Derzeit trainieren zudem 50 Kinder ab sechs Jahre in der Abteilung. Sie stehen im Mittelpunkt der insgesamt 370-köpfigen Ringerfamilie, erklärte der Vorsitzende. Viele Erfolge und viele Namen gelte es noch zu nennen, um die Stärke zu verdeutlichen. Scheurer erwähnte etwa Karl Friedrich Weber, der 31 Jahre die Geschicke leitete.
Ein Grußwort sprach Bürgermeisterin Simone Penner. Sie würdigte den Verein als „großartig“. Jörg Schwarzwälder vom Hauptverein sprach über die Menschen, die immer geglaubt haben, dass man alles schaffen könne. Aribert Gerbode vom Verband hob wie andere vor ihm die vorbildliche Gemeinschaft hervor. Im zweiten Teil der Feier rang das Schwarzwald-Quintett um die Gunst des Publikums, das im Laufe des Abends zahlreich herbei strömte.