Für eine bessere Pflege: In ein normales Leben zurückkehren

Das Markus-Pflüger-Zentrum in Wiechs wird strukturell neu aufgestellt.
Werner MüllerZukünftig soll das Markus-Pflüger-Zentrum nach den Vorschriften der Eingliederungshilfe geführt werden. Der Kreistag hat der Neukonzeption zugestimmt. Zudem wurde die Verwaltung bei einer Enthaltung beauftragt, die baulichen Planungen zum Neubau Haus Entegast schnellstmöglich auf Basis dieser neuen Konzeption voranzutreiben. So soll ein – wie derzeit häufig – lebenslanger Aufenthalt in der stationären Einrichtung des MPH zukünftig die Ausnahme bleiben, wie es in der vorberatenden Sitzung hieß.
Mehrausgaben erwartet
Der Systemwechsel bedeute Mehrausgaben von 2,5 Millionen Euro, verwies Heike Roese-Koerner, Leiterin des Eigenbetriebs Heime, auf einen Personalaufbau und die Umstellung auf das Bundesteilhabegesetz. Allerdings würden die Kosten bei einer abnehmenden dauerhaft stationären Betreuung dann auch wieder sinken. Ihre Botschaft: „Wir möchten, dass die Menschen wieder in ein normales Leben zurückkehren.“
Wie die Leiterin darlegte, sei nicht teilhabe-orientierte und defizitäre Arbeitsweise der Pflegeeinrichtung weder wirtschaftlich noch könne sie fachlich gesehen eine Basis für den geplanten Neubau sein, der auf die Bedürfnisse der Bewohner besser eingehen soll. Mit dem nun angestrebten Systemwechsel hin zum Sozialgesetzbuch IX, das den behinderten Menschen in Form der Eingliederungshilfe in den Mittelpunkt rückt, soll der Aufbau eines interdisziplinären Teams aus pädagogischen und pflegerischen Fachkräften ermöglicht werden, so Roese-Koerner. Dadurch sollen Betroffene wieder zu mehr Selbstständigkeit befähigt werden. Ein wichtiges Merkmal: Das zukünftige Konzept beruht auf einer durchgängigen Bezugspflege.
Durchlässige Strukturen
Die bauliche Umsetzung soll durchlässige Strukturen vom geschlossenen über den offenen bis hin zum ambulanten Bereich ermöglichen. Dies soll so erfolgen, dass die Bezugspfleger die Bewohner durch die Strukturen begleiten können. Ziel sei es, dass die Menschen nach etwa zwei Jahren in eine ambulante Wohnform überführt und dort weiterbetreut werden können. Das überarbeitete Konzept für den geplanten Neubau sieht 48 stationäre Plätze in der besonderen Wohnform vor – jeweils zur Hälfte geschlossen und offen, ergänzt um 27 ambulante Plätze. Unterm Strich entstehen zehn zusätzliche geschlossene, stationäre Plätze.
