Aktion in Lörrach: Rote Bank ist ein Signal gegen Gewalt an Frauen

Die Rote Bank am Marktplatz mahnt Gewalt gegen Frauen an und feiert gleichzeitig 40 Jahre Autonomes Frauenhaus.
Gabriele Hauger„Gewalt gegen Frauen in Lörrach? Das gibt’s hier doch gar nicht.“ So lauteten einst Kommentare, als der vor 45 Jahrn gegründete Verein Frauen helfen Frauen damals ein Frauenhaus forderte. Die Notwendigkeit eines solchen ist mittlerweile Konsens. Die Zeiten haben sich geändert. Dennoch: Bei der Einweihung der Roten Bank mit ihrer Inschrift „Keine Gewalt gegen Frauen“ im Stadtzentrum haben sich am Dienstagvormittag nur wenige Männer eingefunden.
Warum die Rote Bank? Die Bank soll Bewusstsein schaffen und Hilfe sichtbar machen, denn Gewalt passiere oft im Verborgenen. Die signalrote Bank bietet sofortigen Zugang zu Unterstützung, über zwei QR-Codes verbindet sie mit den Webseiten von Frauenhaus und Hilfetelefon. Und sie fordert dazu auf, Zivilcourage zu zeigen, aktiv zu werden, statt bei Gewalt nur zuzusehen, erläutert Vorstandsfrau Lina Faller.
Bewegte Zeiten
„Es waren bewegte Zeiten. Und eine enorme Leistung von den Frauen, die sich damals in der Frauenbewegung engagierten“, erinnert Antje Lauber, seit 37 Jahren im Vorstandsteam des Vereins, an die Anfänge der hiesigen Frauenbewegung. 1980 wurde der Verein gegründet, denn in den Beratungsstellen wurde in den Gesprächen mit Frauen klar: Es gibt Gewalt, viel Gewalt – auch hier vor Ort.
Gewalt gibt es auch vor Ort
In ihrer Vereinsarbeit erfuhren die zunächst nur ehrenamtlich arbeitenden Frauen in ihren Beratungsgesprächen von Schicksalen, von Schlägen, von Bedrohung. „Betroffene haben wir dann oftmals mit nach Hause genommen, um sie zu schützen“, erzählt Antje Lauber. Was natürlich keine Dauerlösung sein konnte. Schnell sei klar geworden: Nicht nur Großstädte, auch Lörrach braucht ein Frauenhaus.
Am 1. April 1985 war es so weit: Eine Dreizimmerwohnung bot sechs Plätze für gewaltbetroffene Frauen aus dem Landkreis. „Beratungen fanden in der Küche zwischen Wäscheständer und Herd statt“, erzählt Lauber rückblickend. Bis zu 16 Personen lebten zeitweilig auf engstem Raum – der Bedarf war groß.

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Schwarzwälder BoteDank Unterstützung der Politik konnte fünf Jahre später ein eigenes Haus mit zwölf Plätzen bezogen werden. Wegen Abriss musste später eine Alternative her. Die wurde 2009 gefunden – mit immer noch zu wenigen Plätzen.
Seit Juli 2023 ist es soweit: Es konnte ein Haus finanziert werden. Mit diesem kann der Verein nun insgesamt 24 Plätze anbieten. Eine Bilanz, für die Antje Lauber viel Applaus erhält.
„Es ist viel passiert. Aber es muss sich in den Köpfen etwas ändern, vor allem in den Köpfen von Männern“, ruft sie am Ende ihrer Rede.
Erschütternde Zahlen
Erschütternde Beispiele aus der Statistik liefert anschließend Vorstandsmitglied Annette Perschke. So geben laut einer repräsentativen Umfrage in Deutschland 33 Prozent der befragten Männer zwischen 18 und 35 Jahren an, es „akzeptabel“ zu finden, wenn einem Mann im Streit mit der Partnerin gelegentlich „die Hand ausrutscht“, zitiert Perschke. „Wir finden das sind untragbare Zustände.“ Das Jubiläumsjahr des Autonomen Frauenhauses will der Verein daher auch nutzen, um am Aktionstag gegen Gewalt an Frauen ein dauerhaftes Zeichen zu setzen. In Zusammenarbeit mit der Stadt und Unterstützern wurde daher die Rote Bank aufgestellt.

Applaus für das Engagement des Vereins Frauen helfen Frauen
Foto: Gabriele HaugerMia Bantlin, die erste Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lörrach, ergänzte: Gewalt sei oft abstrakt. Doch jede dritte Frau erlebe in ihrem Leben Gewalt. Der Begriff Femizid sei vielen immer noch unbekannt, dabei werden fast täglich Frauen aufgrund ihres Frauseins in Deutschland umgebracht. „Das ist als Problem noch nicht erkannt.“
Mehr Sichtbarkeit
Die Rote Bank solle daher Aufmerksamkeit für das Thema Gewalt gegen Frauen erreichen. Die Gesellschaft müsse besser hinschauen, Strukturen müssten verändert werden, gerade in Zeiten, in denen antifeministische Stimmen allgemein lauter würden.
Gewalt gegen Frauen sei eine Gefahr für Sicherheit und Demokratie, ergänzt Carina Raab, stellvertretende Personalratsvorsitzende. „Wir dürfen über diese Gewalt nicht schweigen. In Lörrach ist kein Platz für Gewalt.“