Forst und Naturschutz im Gespräch: Warum der Kirschlorbeer jetzt doch in der Stadt bleiben soll

Bei vielen beliebt, bei Naturschützern umstritten: Kirschlorbeer (Symbolbild).
PixabayZu dem Treffen hatte die Stadt Weil am Rhein ins Rathaus eingeladen. Als Teilnehmer waren Forstbezirksleiter Bernhard Schirmer und Revierleiter Jakob Jetter, Birgit Schwarz von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Lörrach, Mickey Wiedermann vom Trinationalen Umweltzentrum, Bernd Steinegger vom Bund deutscher Baumschulen sowie jeweils zwei Vertreter der Naturschutz-Verbände BUND und Schwarzwaldverein mit dabei.
Für die Stadt Weil am Rhein saßen Oberbürgermeisterin Diana Stöcker, Bürgermeister Lorenz Wehrle und weitere Angehörige der Stadtverwaltung am Tisch.
Am Haltinger Bahnhof großzügig ausgebracht
Ziel war es, sich einen Überblick zu verschaffen zur Weiler Waldbewirtschaftung, die im vergangenen Jahr bei den Naturschützern vorübergehend für Entsetzen gesorgt hatte. Es sollte aber auch geklärt werden, ob Kirschlorbeer zur Stadtbegrünung weiterhin eingesetzt wird.
Die Frage des Kirschlorbeers hatte Petra Hartmann vom BUND am Rande einer Gemeinderatssitzung öffentlich an die Stadtverwaltung gerichtet. Warum ausgerechnet dieses Gewächs im Umfeld des neuen Haltinger Bahnhofs gepflanzt worden sei? Man wisse doch, dass dieser als invasive Art sich in Wäldern ausbreite und dort heimische Arten verdränge und darüber hinaus keinerlei Mehrwert für Bienen und andere Insekten und damit für den Artenschutz leiste. Hartmann hatte auf die Schweiz verwiesen, wo Verkauf und Einfuhr von Kirschlorbeer für Privatgärten mittlerweile verboten sind.
Vom Nutzen her wie eine Plastikpflanze
Der Kirschlorbeer sei ohne jeglichen Nutzen für andere Lebewesen und damit mit einer Plastikpflanze vergleichbar, wird Hartmann im Nachbericht zum Runden Tisch zitiert. Stattdessen sollten ihrer Ansicht nach im Stadtgebiet eine möglichst große Vielfalt heimischer Gehölze Platz finden, um Insekten und Wildbienen Nahrung in Form von Pollen und Nektar zu geben. Außer beim „Grünen Band“ in Haltingen sei das auch an anderen Standorten, etwa am Laguna-Parkplatz oder der Freibad-Liegewiese wünschenswert, führte sie aus.
Mickey Wiedermann vom Truz bestätigte, dass sich der Kirschlorbeer bereits auch im Weiler Stadtwald Nonnenholz ausbreite. Man werde versuchen, ihn von dort wieder zu entfernen.
Heimische Pflanzen halten Hitze- und Trockenstress nicht stand
Bernd Steinegger vom Bund deutscher Baumschulen gab Antwort: Es sei zu unterscheiden zwischen Natur- und Stadtgrün, machte er geltend. Beim Stadtgrün stünden gestalterische Aspekte aber auch die Fähigkeit der Pflanzen, Schatten und Feuchtigkeit zu spenden, im Vordergrund. Infolge des Klimawandels könne dies mit einheimischen Pflanzen nicht mehr gewährleistet werden, da diese vielfach dem Hitze- und Trockenstress nicht gewachsen seien. Kirschlorbeer weise darüber hinaus durchaus Nutzen für Bienen und Insekten auf, sagte er, auch wenn er keine Pollen sondern nur Nektar liefere.
Grünabfälle nicht in der Natur entsorgen
Die Ausbreitung des Kirschlorbeers in die freie Natur könne verhindert werden, indem keine Kirschlorbeer-Abfälle dorthin entsorgt würden. Durch regelmäßiges Schneiden könne außerdem die Versamung verhindert werden.
Darauf folgte, so heißt es im Protokoll, ein eingehender Meinungsaustausch unter den Teilnehmern des Runden Tischs. Der Kirschlorbeer habe als reines Stadtgrün stellenweise durchaus sein Einsatzgebiet und sei nicht in Bausch und Bogen zu verdammen, lässt die Stadtverwaltung zusammenfassend wissen.