Flohmarkt in Lörrach: Stöbern, Feilschen und Plaudern

Peter Mutterer (links) kennt den Lörracher Flohmarkt bestens.
Veronika ZettlerZwischen alten Schallplatten, CDs und buntem Trödel steht einer, den treue Flohmarktbesucher kennen: Peter Mutterer.
Seit Jahren zählt der Brombacher zu den Urgesteinen des Marktes, bekannt vor allem für seine Schallplatten und CDs. Manche kommen gezielt deshalb zu ihm, fragen nach Elvis-Singles oder Jazz-LPs. Peter stellt fest: „Die Leute achten heute mehr aufs Geld.“ Er weiß auch: Einige Anbieter sind auf die Einnahmen angewiesen.
Ein weiterer Verkäufer, der nicht namentlich genannt werden will, bestätigt das: Ihm reiche trotz Rente nach 47 Ar-beitsjahren das Geld nicht aus, „um die Enkel mal zu einer Pizza oder einem Eis einzuladen“, beklagt er. Der Flohmarkt sei für ihn daher ein wichtiger Zuverdienst.
Am besten noch heimtragen
Manches Kaufverhalten kann der Rentner jedoch nicht nachvollziehen: „Einige Leute wollen die Sachen am liebsten umsonst haben, und man soll sie ihnen am besten auch noch heimtragen.“ Ab und zu gebe es aber erfreuliche Ausnahmen. So habe ihm ein Schweizer für zwei Eisenbahnbücher 15 statt der geforderten fünf Euro bezahlt. „Sowas ist selten, umso mehr freut man sich.“
Reden macht Freude
Ohnehin ist an seinem Stand alles günstig. Das Teuerste: eine Suppenschüssel aus englischem Porzellan für verhandelbare 15 Euro. Viel wichtiger sei das Gespräch mit den Leuten. Das empfindet Martina aus Hauingen ähnlich: „Hier sitzen und mit den Leuten reden, macht viel mehr Freude, als die Sachen auf Ebay oder Vinted einzustellen.“

Lukas und Samuel schaffen Platz für Neues und verdienen ein bisschen Geld dabei.
Foto: Veronika ZettlerHelma und Ralf aus Lörrach sind ebenfalls dabei. An ihrem Stand verkaufen sie Dinge, die teils von den Eltern, teils von den Kindern stammen. „Die Preise werden heute stärker gedrückt als früher“, stellen auch sie fest. Und: „Es schauen sich heute mehr Händler auf dem Markt um. Manche kommen und fragen direkt nach Echtschmuck.“
Kinder freut das Handeln
Samuel (zwölf) und Lukas (zehn) aus Schopfheim-Eichen sind mit ihren Eltern da. Papa Florian erklärt, dass auf dem Kinderareal nur die Kids handeln und verkaufen dürfen. „Die Eltern sollen nur eingreifen, wenn etwas gar nicht so läuft, wie es soll.“ Samuel und Lukas bieten ausrangierte Spielsachen und Bücher an. Das Teuerste in ihrer Auslage ist der große Schaufelradbagger von Lego Technic, für den sie sich 130 bis 140 Euro erhoffen. „Das Handeln und Verkaufen macht richtig viel Spaß“, berichtet Samuel.
Bares für Rares
Am Stand von Sabine aus Steinen ist das Wertvollste eine Tiffany-Lampe, die sie für 40 Euro hergibt. Ist die nicht eigentlich mehr wert? Sabine lacht: „Eine Sache ist erst wertvoll, wenn ich sie verkauft hab. Die Leute gucken zu viel Bares für Rares.“
Die niedrigen Standgebühren von zehn Euro für vier mal zwei Meter – und die kostenlosen Plätze für Kinder – schätzen alle Teilnehmer. Doch zwischen den Ständen wird auch Kritik laut. Lörrach habe den einzigen Flohmarkt der Region, auf dem man keine Pavillons aufstellen dürfe. Zudem ist es nicht erlaubt, mit dem Auto zum Entladen auf die Marktfläche zu fahren. Für viele heißt das: Schleppen.
Peter wiederum bedauert, dass es inzwischen nur noch zehn Flohmärkte im Jahr gibt – und ausgerechnet die Termine im November und Dezember weggefallen sind. „Besser hätte man Januar und Februar gestrichen. Denn gerade vor Weihnachten sind Flohmärkte mit Spielsachen und Weihnachtsschmuck eine sehr schöne Sache.“
Als es gegen 12 Uhr zu regnen beginnt, packen viele ihre Ware unter Planen, Vordächer, Unterstände und Bäume. „Wenn’s länger als eine halbe Stunde regnet, ist ein Flohmarkt im Prinzip vorbei“, weiß Peter aus Erfahrung.
Diesmal hat der Flohmarkt Glück: Eine halbe Stunde später ist der Himmel wieder blau – und zwischen den Ständen wird schon weiter gefeilscht.