Ferienfreizeit in Grenzach-Wyhlen: Wenn tausende Knöpfe zählen

Vom Blaulichtknopf bis zur Fahrtrage und dem Treppenstuhl für den Patiententransport zeigten Kevin Oergele (links) und Julian Hünl vom Malteser Hilfsdienst, was ein Rettungswagen zu bieten hat
Rolf RombachSeit dem Jahr 2018 lockt zum Auftakt der Sommerferien die „Stadt der Kinder“ für eine ganze Projektwoche Teilnehmer auf den Wyhlener Turnplatz. Durch ein Mehr an Angeboten konnten auch die Plätze aufgestockt werden. In dieser Woche sind es nun 114 Kinder zwischen sieben und 13 Jahren, die von bis zu 30 Stationsleitern und Helfern betreut werden.
Einige der Erwachsenen sind nicht durchgängig vor Ort, wie die „echten“ Gemeinderäte Katja Schäfer, Peter Weber, Sabine Gampp und Renate Sammet-Grether sowie die beiden Jugendparlamentarier Laura Vogelsang und Marc-Oliver Währer. Sie alle standen zur Verfügung bei der Wahl zum Bürgermeister und Gemeinderat der Stadt der Kinder.
Nach dem Wahlkampf ging es in die Sitzungen – da waren Tipps der erfahrenen Volksvertreter hilfreich. Obwohl im Werben um Stimmen so manche Steuersenkung versprochen wurde: Zum Wohle der Allgemeinheit verzichteten die Amtsträger darauf. „Der Bürgermeister spendet sogar seinen Zusatzlohn an die Steuer“, zeigte sich Peter Weber beeindruckt.
„Knöpfe“ sind die Währung
In diesem Jahr sind „Knöpfe“ die Währung, die es zu erarbeiten gilt. Davon können sich die Kinder Naschereien oder Bastelsets kaufen. Die Steuern sollen nun dafür verwendet werden, eine Bank mit Inschrift zu erwerben. Bereits am Dienstag stand fest, dass an der Kreuzung Rheinstraße/ Jahnweg die Ecke künftig als „Platz der Kinder“ bezeichnet werden soll.
Am Mittwoch waren mehr als 3500 Knöpfe zusammen, um einen stattlichen Baum zu pflanzen im Namen der 2025er-Auflage. Kindgerecht wird hier aufgezeigt, was mit den Lohnabzügen passiert.
Neben Jessica See ist Kerstin Brutschin mitverantwortlich seitens der Gemeinde für die Programmwoche. Im „Rathaus“ auf dem Turnplatz motiviert sie Kinder, für das Jahresmotto kreativ zu sein: Kinderrechte. Mehrere Plakate zu den wichtigsten Rechten von Kindern entstehen dort. Später sollen sie auf großen Schildern in der Doppelgemeinde aufgehängt werden. Während die jüngeren Teilnehmer gerne etwas dazu malen, positionieren sich die Fast-Jugendlichen schon mit prägnanten Anmerkungen.

Fleißig erstellen die Kinder Plakate über ihre Rechte. Franz Kuttler (rechts) versorgt derweil alle Stationen mit Telefonanschlüssen, die die Kinder in der Zentrale vermitteln.
Foto: Rolf RombachZum Wachwerden bietet Vanessa Tortomasi am Spielmobil Frühsport an. Das ist hilfreich, gilt es in der Boutique, im Kreativzelt oder in der Holzwerkstatt sich zu konzentrieren beim Bemalen oder Bauen von eigenen Werkstücken. Ihre Premiere feiert in diesem Jahr die Post mit Jugendreferent Felix Schumacher. Mit Siegelwachs können hier Briefe traditionell verschlossen werden. In einem Wettbewerb wird ein Briefmarkenentwurf gekürt, der später bei der Deutschen Post als Kleinserie in Druck gehen und lokal verkauft werden soll.
Auch mit Blaulicht
Wer direkt kommunizieren will, kann das über die Telefonzentrale erledigen. Inzwischen in Berlin wohnhaft, ist Franz Kuttler mitsamt Ausrüstung gerne wieder auf dem Turnplatz, versorgt die Zelte mit Telefonen, die dann über die Zentrale „vermittelt“ werden. Wie das Arbeiten in der Bank ein beliebter Job. Je Stunde gibt es zehn Knöpfe zu verdienen – abzüglich der Steuern.
Abwechslung verspricht seit vergangenem Jahr die Blaulichtwache des DRK-Ortsvereins Grenzach-Wyhlen, bei der verschiedene Einsatzkräfte sich und ihr Material vorstellen. Dazu gibt es beim Rotkreuz-Ausbilder die Möglichkeit, sich zum Juniorhelfer schulen zu lassen. Nach dem Rettungswagen der Malteser am Montag waren die Polizisten des Grenzacher Postens zusammen mit den Kollegen der Hundestaffel am Dienstag vor Ort und beeindruckten durch ihre kindgerechte Bürgernähe. Am Donnerstag zeigte Notfallsanitäterin Sarah Strack die Ausrüstung der Bergwacht Istein. Doch auch Relaxen ist in der Stadt der Kinder angesagt: Im „Café“ gibt es neben Erfrischungen auch Hand- und Kopfmassagen.
Bei dieser großen Auswahl sind die fünf Tage auch notwendig, überall reinschnuppern zu können. Eltern wie Kinder zeigen sich schon nach der Halbzeit am Mittwoch begeistert. Keine Frage: Auf die Teilnahme im nächsten Jahr freuen sie sich schon jetzt.