Burghof in Lörrach
: Neue Veranstaltungsreihe kommt an

Dreimal öffnete sich im Rahmen des Stimmen-Festivals 2025 der Vorhang für ein neues Format: Der Burghof-Podcast „Litfass“ fand erstmals im Rahmen des Festivals statt.
Von
red
Lörrach
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Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Elisabeth Weiß-Sinn, Stimmen-Intendant Timo Sadovnik und die Kuratorin Sascia Bailer beim Auftaktabend des Burghof-Podcasts „Litfass“.

Juri Junkov

Live und vor Publikum erläuterten die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kommunalpolitikerin Elisabeth Weiß-Sinn sowie Stimmen-Intendant und Burghof-Chef Timo Sadovnik mit Experten aktuelle kulturpolitische Impulse. Im Zentrum stand stets die Frage, wie sich die Erkenntnisse aus den Gesprächen in die strukturelle Ausrichtung von Burghof und Stimmen-Festival einweben lassen. Im Rückblick auf die drei Abende zieht Timo Sadovnik in einer Mitteilung des Burghofs ein durchweg positives Fazit.

Auftakt mit Diskussion zu Anspruch und Ressourcen

Den Auftakt von „Litfass live – Stimmen on air“ bildete ein Gespräch mit Sascia Bailer, eingeleitet von einem Impulsvortrag zum Thema „Degrowth“. Den aus der Wirtschaft bekannten Begriff hat die Kuratorin, Wissenschaftlerin und Schriftstellerin in den kulturpolitischen Kontext übersetzt: Da sich Kulturinstitutionen auf der einen Seite mit wachsenden Ansprüchen, auf der anderen Seite mit anhaltender Ressourcenverknappung konfrontiert sehen, könne eine „Degrowth“-Strategie alternative Ansätze zu einer immer weiterführenden Wachstumslogik skizzieren. Bezogen auf Burghof und Stimmen-Festival ging es in dem Gespräch jedoch sehr zentral um die Frage, was wesentliche Qualitätsmerkmale einer Institution sind und wie die unterschiedlichen Perspektiven auf Kunst und Kultur konkret aussehen, resümiert Timo Sadovnik in einer Mitteilung im Rückblick auf den ersten Live-Podcast-Abend. Zwar sei „Degrowth“ als grundsätzliche Strategie nicht auf die künftige Ausrichtung von Stimmen und Burghof übertragbar, trotzdem habe das Gespräch wichtige Impulse geliefert, etwa hinsichtlich der Frage, wie ein Qualitätsanspruch gesetzt, aber auch kommuniziert und vermittelt wird; und wie Wege im Umgang mit knappen Ressourcen gefunden werden können – selbst dann, wenn die Lösung nicht nur aus einem Verzicht auf Wachstum bestehen kann.

Kultureinrichtungen als Impulsgeber

Den zweiten Abend prägte der Kulturmanager Oliver Scheytt mit seinem Blick auf die Rolle von Kulturinstitutionen als Impulsgeber für Stadtentwicklung sowie als Faktor für Standortattraktivität. Besonders aufschlussreich, sagt Sadovnik, sei die Übertragung dieser übergeordneten kulturpolitischen Konzepte auf die konkrete Situation in Lörrach gewesen. Deutlich sei geworden, dass Burghof und Stimmen-Festival unablässig über ihre künstlerische Arbeit hinaus strukturwirksam seien – nicht nur für die Stadt selbst, sondern für die gesamte Region.

Den Abschluss der Reihe bildete ein lebendiges Gespräch mit Joscha Denzel vom Kulturforum Witten, der die kulturpolitischen Transformationsprozesse in der Stadt Witten skizzierte, die in der Einrichtung des sogenannten Kulturforums mündeten. In Witten wurde – ganz im Sinne einer „Bottom-Up“-Stadtentwicklung – Kulturpolitik in neue Bahnen gelenkt und Verwaltungsprozesse neu gedacht.

Teilhabe und Modernisierung

Es ging um Teilhabe, um Verwaltungsmodernisierung und um kreative Selbstverortung zwischen großen Nachbarn mit umfangreichem Kulturangebot. „Der Abend bot wahnsinnig viele spannende Aspekte“, resümiert Sadovnik. Im Fokus stand dabei nicht zuletzt, wie die Stadtgesellschaft auf Augenhöhe in kulturelle Entwicklungen eingebunden werden kann, wie Verwaltungen Wandel aktiv mitgestalten und wie Städte ihren ganz eigenen Weg im kulturellen Gefüge finden – auch in der Nachbarschaft von Metropolen. Natürlich lasse sich Wittens Weg nicht einfach auf Lörrach übertragen, sagt Sadovnik, doch der Dialog mit der Stadt im Ruhrgebiet sei wertvoll, um durch den gegenseitigen Austausch voneinander zu lernen.

Und so zieht der Burghof-Intendant am Ende eine durchweg positive Bilanz des neuen Live-Podcast-Formats im Rahmen von Stimmen – auch wenn, wie er einräumt, eine noch stärkere Publikumsbeteiligung wünschenswert gewesen wäre. „Das inhaltliche Ziel wurde voll erreicht, mit spannenden Gesprächspartnern die Situation von Burghof und Stimmen-Festival zu beleuchten und verschiedene Handlungsoptionen zu diskutieren.“

Kulturelle Netzwerke gemeinsam stärken

Nicht zuletzt habe sich erneut gezeigt, wie bedeutend die Stärkung kultureller Netzwerke ist – mit Blick in die Zukunft auch im Sinne eines Kulturquartiers, das mehr ist als die Summe der beteiligten Institutionen.

Alle drei Gespräche und zahlreiche weitere Folgen des Podcasts „Litfass“ sind auf Spotify zu finden.