Blaues Kreuz in Lörrach
: Seit 130 Jahren gegen die Alkoholsucht

Das Blaue Kreuz ist eine christliche Organisation im Bereich der Suchthilfe. Es geht um die Abhängigkeit vom Alkohol.
Von
Martin Braun
Lörrach
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Stellten ihre jeweiligen Einrichtungen vor: (von links) Matthias Wolf und Dieter Schmale vom Blauen Kreuz Lörrach, das sich der Suchthilfe bei Alkoholismus verschrieben hat, neben Ellen Müller und Robby Horvath vom „Café Kreuzweg“

Martin Braun

Die Gründer wollten Menschen helfen, die in die Trinksucht geraten waren. Die blaue Farbe des Kreuzes geht auf Helfer in USA und England zurück.

Im Blauen Kreuz Deutschland (BKD) gibt es rund 5000 Engagierte, die sich um alkoholabhängige Menschen kümmern. Mitglieder des BKD verpflichten sich aus Solidarität mit ihren Schützlingen, keinen Alkohol zu trinken.

Wenn montags Hilferufe eingehen

In der Gruppe des BK von Lörrach (BKL), das vor 130 Jahren gegründet wurde, gibt es etwa 20 Teilnehmer. In einer ehrenamtlich engagierten Kleingruppe von rund fünf Leuten wird hier in Lörrach die eigentliche Arbeit für die Suchtkranken geleistet.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählen die beiden Vorstandsmitglieder Dieter Schmale (Diplomingenieur) und Matthias Wolf (Diplomierter Sozialarbeiter) von ihrem Engagement. Nach Aufregungen in den Familien der Alkoholsüchtigen am Wochenende klingle bei ihnen montags das Telefon der Eltern von 30– bis 40-jährigen „Kindern“, mit Hilferuf und Klagen.

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Schwarzwälder Bote

Für die kleine Gruppe von Helfern im BKL gäbe es zwei- bis dreimal die Woche solche Hilferufe. Man führe dazu etwas drei Gespräche täglich. Und es gehe um Vermittlungen zu den drei nächstliegenden Suchtkliniken am Kaiserstuhl, in Gaggenau oder in Emmendingen. Wenn die Abhängigen geheilt nach Lörrach kämen, fänden sie Gemeinschaft im BKL.

Gemeinsame Feier mit dem „Café Kreuzweg“

Dieses feierte jetzt sein 130-jähriges Jubiläum zusammen mit dem Sommerfest im ebenfalls sozial und christlich geführten „Café Kreuzweg“ (CK) in Lörrachs Teichstraße 24. Robby Horvath, der Leiter des CK, spricht von den „zwei Adressen in einem Haus“. Und er preist die Symbiose von BKL und CK. Das BKL wollte im Jahr 2020 schon das 125-jährige Bestehen feiern. Aber Corona kam dazwischen. Da kam von Horvath an Schmale die Einladung, mit dem BKL ins CK zu kommen.

Mit seinem Namen „Café Kreuzweg“, der auch an die Kreuzigung Christi und seine von den Christen geglaubte Auferstehung aus dem Tode, erinnert, knüpft das Café an den Namen einer Musikband gleichen Namens an, die mit ihren Mitgliedern zur Gründungsgruppe des CK gehörte. Das CK ist ein von Horvath gegründetes Restaurant, in dem es täglich 50 Gratisessen für alle, die kommen wollen, unabhängig von ihrem Geldbeutel gibt.

Es war auf dem Fest Ellen Müller, die in ihrer Ansprache den christlichen Hintergrund beider Einrichtungen unterstrich. Zusammen mit ihrem verstorbenen Mann spielte sie selbst ursprünglich in dieser Band und kam wieder dazu, als Horvath das Café gründete.

Und Horvath erzählte, wie er einst in der Familie von Müller nach einer schweren Jugend Aufnahme fand. Aus diesem Geschenk erfahrener familiärer Wärme habe sich für ihn auch seine Bereitschaft ergeben, sich christlich für Menschen in Not zu engagieren.

Den Menschen nicht auf seine Sucht reduzieren

In Fürsorge für seine alkoholkranken Schützlinge appellierte Schmale, der sich freute, mit seinem Verein jetzt nach der Coronazeit im neuen Zuhause „Café Kreuzweg“ dankbar 130 Jahre Blaues Kreuz Lörrach feiern zu können: „Kein Mensch darf auf seine Sucht reduziert werden: Stempel drauf und fertig! Denn jeder Mensch hat Würde, Hoffnung und Zukunft.“

Es war trotz zeitweiligen Regens am Samstagmittag bis in Nacht ein gut besuchtes Fest. An Tischen saßen unter Schirmen rund 100 Teilnehmer. Es gab Gratisessen und alkoholfreie Getränke. Und die Band „Grey & the Bullets“ mit Nikola Malenica, Timon Dürrholder und Andreas Schepperle lockte mit rockigen Klängen vor die kleine Bühne.