Baustellenbesuch in Lörrach
: Enormes Interesse an Klink-Großbaustelle

Beim ersten Baustellenforum für das „Dreiland-Klinikum auf dem Gesundheitscampus Lörrach“ wurde das Großprojekt als ein zukunftsweisendes Konzept mit Modellcharakter gefeiert.
Von
Alexandra Günzschel
Basel
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Im Mittelpunkt des Baustellenforums stand die Podiumsdiskussion mit (von links) Geschäftsführer Udo Lavendel, Klinikenberater Nicolas Krämer, Stephan Schieting vom Zentrum für Psychiatrie, der Ärztliche Direktor Tilman Humpl, Pflegewissenschaftlerin Christel Bienstein und Moderator Stefan Mayer.

Alexandra Günzschel

Mit dem damit einhergehenden Tag der offenen Tür wollten die Verantwortlichen das enorme Interesse an der Großbaustelle ein Stück weit befriedigen. Denn längst erhalten nicht mehr alle Interessierten Zutritt.

In mehreren Gruppen mit angemeldeten Teilnehmern ging es den ganzen Tag über durch die noch leeren Gänge und Räume: vom Aufnahmebereich in den OP-Bereich und danach weiter zu den Krankenzimmern, auch jenen für die Privatpatienten im Obergeschoss. Projektleiter Thomas Schumacher, der eine Gruppe anführte, verglich die Anordnung der einzelnen Bereiche mit einem Tetris- oder Legospiel, am Ende müsse alles gut ineinanderpassen. Im Frühjahr 2026 will das Kreisklinikum erneut seine Türen öffnen: Zu diesem Zeitpunkt werden bereits selbstständige Rundgänge möglich sein.

„Für uns ist der Mensch wichtig und die Region liegt uns am Herzen“, betonte Monika Röther, Geschäftsführerin der Kliniken im Landkreis Lörrach zur Begrüßung. „Wir wollen den Ruf der Kliniken stärken und positiv weiterentwickeln.“ Röther sprach von einem zukunftsfähigen Krankenhaus, einem Ort der medizinischen Exzellenz und Innovation. Visionäre Menschen in den Kliniken, im Aufsichtsrat und im Kreistag hätten an dieses Projekt geglaubt und dafür gekämpft. Sie hatten den Mut, neue Wege zu gehen.

„Je weiter ich mich von Lörrach entferne, desto positiver wird das Dreiland-Klinikum gesehen“, wandte sich Kliniken-Geschäftsführer Udo Lavendel ans Publikum. „Mensch, was die da machen, ist sensationell“, höre er dann schonmal, während das Glas immer halbleerer werde, je näher er dem Kreisklinikum komme. Trotz der unpopulären Schließungen von lokalen Krankenhäusern und der hohen Kosten, die die Diskussion vor Ort oftmals beherrschten, wünschte er sich, dass das Glas auch im hiesigen Landkreis wieder „etwas halbvoller“ werde. „Wir werden den Prozess, der bereits in den 1990er-Jahren begonnen hat, nun konsequent zu Ende gehen“, erklärte der Geschäftsführer.

Beeindruckend ist die Großbaustelle allemal: 55.000 Kubikmeter Beton, was einem acht Meter hoch verfüllten Fußballfeld entsprechen würde, wurden dort verbaut, wie Lavendel veranschaulichte. Die 9000 Tonnen Baustahl entsprechen dem Gewicht von 1500 Elefanten und allein mit den 24.000 Kubikmetern an Standgerüsten könnte man zehn Eiffeltürme bauen. Hinzu kommen 5000 Kilometer an verlegten Schwach- und Starkstromleitungen sowie zahlreiche Bagger und Kräne.

„Für mich ist das das schönste Krankenhaus in Deutschland“, erklärte der Geschäftsführer. Durch die Zusammenlegung von vier Standorten ergebe sich zudem die Chance, Medizin neu zu denken, führte er weiter aus – ganzheitlich, interdisziplinär und unter einer verstärkten Zuhilfenahme der digitalen Möglichkeiten.

Das Campuskonzept und die sektorenübergreifende Gesundheitsversorgung wurden bei der Podiumsdiskussion vertieft. Dabei betonte Stephan Schieting, Medizinischer Direktor des Zentrums für Psychiatrie in Emmendingen, die Bedeutung einer wohnortnahen psychiatrischen Versorgung für die Patienten, die nun bald mit dem – auch über eine Fußgängerbrücke – angeschlossenen Zentrum für seelische Gesundheit gegeben sei.

Klinikmanager Nicolas Krämer hob den Modellcharakter des Projekts für ganz Deutschland hervor. Scherzhaft sprach er von einer „Schwarzwaldklinik 2.0“. Krämer verwies insbesondere auf die fundiertere Expertise großer Häuser aufgrund der höheren Fallzahlen und damit einhergehend mehr Erfahrung. In Dänemark sei man diesen Weg der Zentralisierung gegangen. Die Lebenserwartung habe sich dadurch um vier Jahre erhöht. Die Wirtschaftlichkeit werde bei einem solchen Prozess durch den Abbau von Doppelstrukturen erzielt, erklärte er.

Tilmann Humpl, Ärztlicher Direktor der Kliniken des Landkreises erläuterte in Grundzügen das neue medizinische Konzept, bei welchem verschiedene Fachrichtungen sinnvoll in Zentren zusammengelegt werden, wodurch der interdisziplinäre Austausch gefördert wird. Mit dem Umzug ins Zentralklinikum sind dafür auch die baulichen Voraussetzungen ideal.

Über zukunftsfähige Ansätze in der Pflege sprach die Pflegewissenschaftlerin Christel Bienstein. Sie hob unter anderem die Bedeutung einer Übergangspflege nach einer OP im Krankenhaus hervor, beispielsweise dann, wenn der Patient die Treppen zu Hause noch nicht wieder bewältigen kann. Es gebe nicht zu wenig Pflegende, sie seien nur falsch verteilt, meinte Bienstein. Ein Teil des Problems sah sie in den vielen kleinen Kliniken ohne Austausch. In Essen beispielsweise könne man von jedem Standort aus in 20 Minuten eine Klinik zu Fuß erreichen.