Bauplatzvergabe in Bad Bellingen: Das Grundstück wird geteilt, der Preis deutlich erhöht

Ein Haus bauen: Das können sich immer weniger Menschen leisten.
PixabayMehr als 100 Leute stehen in der Gemeinde Bad Bellingen auf einer Vormerkliste für einen Einfamilien-/Doppelhaus-Bauplatz. Zwei von ihnen werden demnächst die Gelegenheit bekommen, ihren Traum vom eigenen „Häusle“ verwirklichen zu können.
Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, einen noch unbebauten Bauplatz im Baugebiet „Hinterm Hof II“ im Kernort zu vermarkten. Einig war sich das Gremium dabei auch, das Grundstück mit einer Gesamtfläche von 764 Quadratmetern zu teilen, um damit eine Bebauung mit zwei Doppelhaushälften zu ermöglichen. Das heißt, ausgeschrieben werden zwei Bauplätze mit jeweils rund 380 Quadratmetern.
Das Grundstück war 2017 im Zuge der Vermarktung des Baugebiets „Hinterm Hof II“ von der Gemeinde an eine Privatperson verkauft worden. „Da die Bauverpflichtung nicht eingehalten wurde, ging der Bauplatz wieder an die Gemeinde zurück“, teilte Bauamtsleiter Marc Braun auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Nach Ablauf der eigentlichen Frist bis Ende 2020 habe es noch Verlängerungen und diverse Gespräche gegeben – in der Hoffnung, dass das Grundstück doch noch bebaut werde –, wodurch sich das Prozedere bis zur Rückgabe des Bauplatzes noch über vier weitere Jahre hingezogen habe.
Die Gemeinde dreht deutlich an der Preisschraube: Während der zuletzt vermarktete Bauplatz im Jahr 2017 noch 275 Euro pro Quadratmeter kostete, wurden jetzt 390 Euro angesetzt. „Wohnbauland ist derzeit ein sehr knappes Gut, was sich zwangsläufig in den Grundstückspreisen widerspiegelt“, lautete die Begründung der Verwaltung. „Die Baulandpreise haben enorm angezogen“, betonte der Bauamtsleiter in diesem Zusammenhang. Zudem sei die Nachfrage nach Bauplätzen im Kurort weiterhin hoch, hieß es weiter.
Bodenrichtwert und Preisentwicklung
Der aktuelle Bodenrichtwert der Gemeinde liege bei 350 Euro pro Quadratmeter (Stand: Januar 2023). Momentan finde indes eine Überarbeitung statt, wobei zu erwarten sei, dass die neuen Werte im Bereich von 400 Euro pro Quadratmeter liegen. Verwiesen wurde zudem auf vergleichbare Nachbargemeinden, deren Werte zwischen 250 und 480 Euro pro Quadratmeter rangieren, hieß es von Verwaltungsseite.
Klamme Haushaltslage
Neben der allgemeinen Preisentwicklung für Wohnbauland wirkt sich auch die klamme Haushaltslage auf die Preisgestaltung aus. Die Verwaltung begründet den vorgeschlagenen Preis von knapp 400 Euro pro Quadratmeter mit der momentanen Haushaltslage der Gemeinde sowie der Finanzierung von anstehenden notwendigen Investitionen.
„Wollen wir nur noch Reiche?“
„Entsetzt“ über den „exorbitanten Preis“, den die Gemeinde für den Bauplatz aufrufen will, zeigte sich Gemeinderat Wolfgang Müller (Freie Wähler). „Wer soll das bezahlen? Wollen wir nur noch Reiche in der Gemeinde haben, die hier sesshaft werden?“ Der Preis sei heftig und nicht angemessen, meinte er.
Müllers Vorwurf lautete, dass die Kommune Bodenspekulation betreibe. Bad Bellingen brauche stattdessen bezahlbare Wohnungen, pochte er. „Die Leute, die wir in der Gemeinde brauchen, haben keine Möglichkeit, hier zu wohnen“, fand der FW-Gemeinderat. Im Blick hatte er „Personen, die tägliche Arbeiten leisten“ und wichtig für das Funktionieren einer Kommune seien. Dabei verwies er als Beispiel unter anderem auf die Verkäuferin im Supermarkt.
Bauplatz wird geteilt
Für den erhöhten Grundstückspreis plädierte hingegen Mike Hößle (CDU), der auf die Marktlage verwies. Wenn ein Privater nebenan ein Grundstück für 420 Euro pro Quadratmeter verkaufe, sei es auch wiederum ungerecht, wenn die Gemeinde einen deutlich geringeren Quadratmeterpreis verlange, argumentierte er. „Aus diesem Grund teilen wir den Bauplatz, damit das Grundstück bezahlbarer ist“, hielt André Kammüller (Freie Wähler) in diesem Zusammenhang fest.
108 Leute auf Bewerberliste
Dass der Bauplatz geteilt wird, befürwortete das Gremium einstimmig. Einmütig beschlossen wurde zudem, den Bauplatz auf der Grundlage der Leitlinie für die Vergabe von Bauplätzen und Wohnungen der Gemeinde zu vermarkten. Darüber hinaus wurde einstimmig beschlossen, die öffentliche Ausschreibung bis zum 31. Oktober durchzuführen. Der von der Verwaltung vorgeschlagene Bauplatzpreis von 390 Euro fand mehrheitlich Zustimmung – bei einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen.
Die Gemeinde will nun alle 108 Personen auf der Bewerberliste anschreiben und die Ausschreibung bekannt machen, kündigte Braun an; wobei er ergänzte, dass die Liste nicht mehr aktuell sei. Mitte November soll der Gemeinderat beschließen, an wen die beiden Bauplätze vergeben werden.